Steff Zinsbacher
Steff Zinsbacher

Achtsamkeit im Hofbräuhaus

Mehr Ruhe in den Alltag bringen

Achtsamkeit mitten ins Leben zu bringen – das ist das Anliegen des Center for Mindfulness, das sich in München gegründet hat.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass Achtsamkeit auch mitten im Leben stattfinden kann“ sagte Britta Hölzel, Mitinitiatorin eines neuen Netzwerks von Achtsamkeitslehrern. Das neu gegründete Center for Mindfulness (CfM) in München hat es sich zum Ziel gesetzt,einen Raum für Achtsamkeit zu schaffen und sie im Alltag zu praktizieren.

Die Wahl des Veranstaltungsortes für die Auftaktveranstaltung Anfang Februar fiel auf das Münchner Hofbräuhaus, eine Kultstätte für Bierseligkeit, Trubel und Geselligkeit. Nicht wenig überrascht zeigten sich die Besucher daher von den ruhigen und edlen holzgetäfelten Seminarräumen, unweit der lärmenden Gasträume. Dort konnten die Besucher Fachvorträge über Achtsamkeit hören,, kurze angeleitete Übungen wie Meditation, Bodyscan und Selbstmitgefühl ausprobieren und in eine Welt der Entspannung eintauchen.

Zwölf anerkannte Kursleiter stellten sich vor und präsentierten die heilsamen Wirkungen von Achtsamkeitstraining, Meditation, Stressbewältigung durch Achtsamkeit (MBSR), Achtsamem Selbstmitgefühl, Achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie (MBCT), Meditation und Achtsamem Yoga.

„Wir sind die Hälfte der Zeit abgelenkt“

Zur Einführung stellte die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Dr. Britta Hölzel Ergebnisse der Gehirnforschung vor. So zitierte sie eine Studie der Universität Harvard, wonach Menschen die Hälfte der Zeit mit den Gedanken nicht bei dem sind, was sie tun.

Wissenschaftlich konnte belegt werden, dass die Probanden glücklicher und zufriedener waren, wenn sie im Moment präsent und bewusst bei dem sind, was sie tun. Eine solche Haltung der Achtsamkeit werde in einem achtwöchigen MBSR-Programm trainiert, das aus Sitzmeditation, Bodyscan und Yoga besteht. Jon Kabat-Zinn von der Universität Massachusetts hat das Programm weltweit bekannt gemacht.

In den täglichen Übungen zu Hause lernen die Teilnehmer selbstreflektorisch mit Themen wie Stress, Wahrnehmung und Kommunikation achtsam umzugehen. Darauf aufbauend entwickelten Williams, Segal und Teasdale im Jahr 2000 MBCT als wirksame Rückfallprävention bei depressiven Patienten.

Hölzel: „Die Forschungsaktivität zu achtsamkeitsbasierten Programmen hat in den letzten zehn Jahren enorm zugenommen.“ In Boston entwickelte sie mit anderen Wissenschaftlern eine Studie und testete Teilnehmer vor und nach dem MBSR-Kurs im Kernspinntomografen.

Das Ergebnis: Achtsamkeitstraining führt in nur acht Wochen zu strukturellen Veränderungen im Gehirn. Andere Studien legen nahe, dass Achtsamkeitstraining zu einem erhöhten Körpergewahrsein, einer stärkeren Emotionsregulation und Flexibilität, zu weniger Stress, einer verbesserten Immunfunktion, einer Reduktion von Angstsymptomen und einem besseren Umgang mit Schmerz führt.

Selbstmitgefühl – Schutz vor Burn-out

Ddie psychologische Psychotherapeutin Christine Brähler stellte die positiven Wirkungen des MSC-Programms (Mindful Selfcompassion) vor, besser bekannt als Selbstmitgefühlstraining. Obwohl die Forschung in diesem Bereich noch recht jung sei, ließen sich bei wiederholter Praxis mehr Lebenszufriedenheit, weniger Angst und depressive Tendenzen feststellen. Außerdem sei sie ein wirksamer Schutz gegen Burn-out.

Wie können wir Achtsamkeit am Arbeitsplatz praktizieren? Dieser Frage ging Nicole Stern auf den Grund, die als Achtsamkeitscoach in führenden Unternehmen tätig ist. „Die Anforderungen in der Arbeitswelt sind enorm gestiegen. Multitasking und Erwartungshaltung setzen uns unter zunehmenden Druck“, so Stern.

Chefs und Mitarbeiter lernen bei ihr, aus dem Autopilotenmodus auszusteigen und im Arbeitsalltag innezuhalten. Mit Achtsamkeit als Anker entwickeln sich mit der Zeit innere Balance, Arbeitszufriedenheit, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Entscheidungs- und Konfliktkompetenz. Als Ergebnis erfahren Menschen mehr Lebensqualität, so die Leiterin des Netzwerks Achtsame Wirtschaft in München, die als Führungskraft in der Wirtschaft gearbeitet hat. Achtsamkeit sei in jedem Fall das Thema der nächsten Jahre in Unternehmen.

Der Abendvortrag von Christine Brähler widmete sich dem Thema „Emotionale Resilienz durch Mitgefühl“. Sie wertete wissenschaftliche Ergebnisse der Gehirnforschung aus, wie wir mit einer Haltung von Fürsorge, Akzeptanz und Wohlwollen emotionalem Schmerz wirksam begegnen können.

Michaela Doepke

Weitere Infos unter:

www.center-for-mindfulness.de
www.osterloh.org
www.compassions-training.org

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