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Gefühle steuern, ethisch leben

Ein Vortrag von Vivian Dittmar

Jeder kennt das: Irgendetwas passiert und die innere Steuerung ist wie ausgehebelt. Alle guten Vorsätze schwinden dahin und wir erkennen uns selbst nicht mehr. Vivian Dittmar sprach am 10. Mai über emotionale Intelligenz und Möglichkeiten der Selbststeuerung.

 

Vivian Dittmar, Autorin und Trainerin für emotionale und soziale Kompetenz, sprach am 10. Mai 2016 auf Einladung des Netzwerks Ethik heute zum Thema „Gefühle steuern, ethisch leben“.

Sie unterschied Gefühle und Emotionen. Gefühle entstünden spontan in einer Situation, zum Beispiel Angst, Trauer, Wut, Freude oder Scham. Wir nähmen etwas wahr und interpretierten das Erlebte. Diese Interpretation erzeuge bei uns eine bestimmte Wirkung, verbunden mit einem Gefühl. Da wir die Interpretation verändern könnten, sind aus Sicht von Dittmar Gefühle – mit etwas Übung – steuerbar.

Ein Beispiel für ein Gefühl: Eine Freundin erscheint ohne Angabe von Gründen nicht zur verabredeten Zeit im Café, wir empfinden Wut. Wenn wir darüber nachdenken und unsere Sichtweise ändern, könnte auch Freude entstehen, weil wir unerwartet Zeit für uns gewonnen haben. Eine andere Wahrnehmung verändert das Gefühl.

Unter Emotionen versteht sie alte Gefühle, die in der Vergangenheit nicht gefühlt wurden und die uns in emotionale Ausnahmezustände versetzen. Sie entstünden, wenn unsere emotionale Verarbeitungskapazität nicht ausreicht. Emotionen würden als Gefahr abgespeichert und könnten nicht gesteuert werden. Im Laufe der Zeit sammelten wir diese negativen Ladungen in einer Art emotionalem Rucksack an. Dittmar hat eine Methode entwickelt, Emotionen zu „entladen“. Mehr dazu findet man in ihrem Buch „Gefühle und Emotionen – eine Gebrauchsanweisung“.

Um eine Emotion handele es sich, wenn wir aus dieser Empfindung nicht mehr herauskommen: Wir sitzen im Café und ärgern uns über unsere Freundin, weil wir uns z.B. nicht beachtet fühlen. Dann ist es ziemlich wahrscheinlich, so die Referentin, dass eine emotionale Altlast aktiviert wurde, zum Beispiel eine Erfahrung der Verlassenheit.

Der Gefühlskompass

Vivian Dittmar hat diesen Gefühlskompass entwickelt.

Um konstruktiv mit inneren Erfahrungen umzugehen, empfiehlt Vivian Dittmar folgende Schritte: die Situation erkennen, innehalten und sich Zeit nehmen, zwischen Gefühl und Emotion unterscheiden lernen, Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen.

Um unangenehme Gefühle in eine konstruktive Richtung zu lenken, hat Vivian Dittmar den Gefühlskompass entwickelt. Jedes Gefühl habe eine Kraft- und eine Schattenseite. Die Kraftseite hat etwas Konstruktives und will etwas verändern. Die Schattenseite richtet sich gegen das Bestehende und blockiert uns.

Besonders ermutigt die Expertin dazu, wieder mehr Freude in den Alltag zu lassen. Wir versäumten häufig, Situationen und Menschen um uns herum wertzuschätzen. Die Freude sei eine wesentliche Voraussetzung, um gesunde Beziehungen zu führen.

Emotionale Intelligenz entwickeln

Wer achtsam mit seinen Emotionen und Gefühlen umgeht, entwickelt nach Ansicht der Referentin auf lange Sicht emotionale Kompetenz. Diese besteht für sie aus folgenden Elementen:  die eigenen Gefühle wahrnehmen, die Gefühle anderer erkennen und mitfühlen, die eigenen Gefühle bewusst erzeugen und steuern, Emotionen und Gefühle bei sich selbst und anderen unterscheiden, emotionale „Altlasten“ achtsam entladen und andere dabei unterstützen, ihre emotionalen „Altlasten“ zu entladen.

Martina Hoffmann

Den Vortrag können Sie sich in unserer Audiothek herunterladen. Diese gehört zum Premium-Bereich dieser Website. Wenn Sie Mitglied im Freundeskreis Ethik heute werden (für 60 Euro im Jahr), erhalten Sie Zugang. Sie unterstützen damit auch diese Website, die jede Woche neu, kostenlos, ohne Werbung Beiträge zum Inspirieren und Nachdenken liefert.

Axel Hebenstreit

Axel Hebenstreit

Vivian Dittmar ist Trainerin für emotionale und soziale Kompetenz sowie Autorin mehrerer Bücher, unter anderem “Gefühle & Emotionen — Eine Gebrauchsanweisung: Wie emotionale Intelligenz entsteht”.

Sie ist Mutter zweier Kinder und gründete 2009 die Be the Change Stiftung für kulturellen Wandel. Zu ihrer Website

Lesen Sie auch den Beitrag von Dittmar Erziehung – Grenzen setzen um jeden Preis?

 

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