Hass gegen Frauen und autoritäre Gesinnung

Andrej Lisakov/ Unsplash

Neue Studien zur Radikalisierung im Internet

Frauenfeindlichkeit und autoritäre Gesinnung werden vor allem über soziale Medien verbreitet. Das belegt eine kürzlich erschienene Metastudie. Weiteres Ergebnis: Vor allem junge Männer sind es, die in alte Rollenbilder und patriarchales Denken zurückfallen. Die Boomer denken eher progressiv. Gebraucht wird mehr Medienkompetenz.

Frauenfeindlichkeit ist insbesondere bei jungen Männern weltweit auf dem Vormarsch. Alte Geschlechterrollen erscheinen wieder attraktiv. Vielen geht die Gleichberechtigung zu weit.

Haupttreiber dieser Entwicklung sind autoritäre Gesinnungen, die über soziale Netzwerke und Medien verbreitet werden. Das belegen eine Metastudie von 2026 sowie eine Umfrage mit 23.000 Menschen in 29 Ländern (Quellen, s. unten).

Besonders bedenklich: Eine Untersuchung des Verfassungsschutzes in Deutschland zeigt, dass rasante Radikalisierung und Ausbildung extremistischer Gesinnung ohne Internet und soziale Medien gar nicht möglich wäre.

Wer in Videos, Liedtexten, Spielen oder sozialen Netzwerken viel Misogynes, also Frauenfeindliches, konsumiert, hält es irgendwann für wahr, normal, angemessen und zeigt Aggressivität, denkt in Stereotypen und akzeptiert Vergewaltigungsmythen. Das ist der Kern der Ergebnisse einer großangelegten Metastudie.

Die Studie umfasste 257 Untersuchungen über 47 Jahre hinweg in 26 Ländern mit mehr als 132.000 Teilnehmenden. Männer reagieren auf solche Darstellungen deutlich stärker als junge Frauen. Besonders anfällig sind Jugendliche.

Fast ein Drittel der jungen Männer bevorzugt alte Geschlechterrollen

Ein Teil der Generation Z, die ab 1997 geboren wurde, denkt überraschend konservativ. Fast ein Drittel dieser jungen Männer meint, eine Ehefrau solle ihrem Mann „gehorchen“. Bei Babyboomern, also die Generation, die zwischen 1946 und 1964 zur Welt kam, teilen nur 13 Prozent diese Ansicht.

Für eine Erhebung fragten Forschende die Ansichten von mehr als 23.000 Menschen in 29 Ländern ab, darunter Indien, die USA, Brasilien, aber auch Großbritannien, Deutschland und die Skandinavischen Länder.

Auch beim Thema Sexualität zeigen sich große Unterschiede. Über 20 Prozent der jungen Männer finden, Frauen sollten nie den ersten Schritt machen; bei den Älteren sind es sieben Prozent. Junge Frauen hingegen denken nur wenig anders als die vorige Generation: Nur zwölf Prozent finden, Frauen sollten nicht die Initiative ergreifen.

Bei all dem spielen auch die sozialen Medien eine Rolle. Die Gatekeeper-Funktion der Medien früherer Zeiten gibt es nicht mehr. Jeder ist heute Sender und Empfänger. Wer autoritäre Gesinnung massenhaft verbreiten möchte, kann dies nahezu ungehindert und ohne Widerspruch tun.

Dazu kommt, dass die Jugend eine sehr sensible Phase ist. In unsicheren Zeiten bieten Online-Milieus einfache Antworten und klare Feindbilder, die unwidersprochen verbreitet werden können. Das macht sie attraktiv.

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Deutschland zeigt ein gemischtes Bild

Für Deutschland ist das Bild gemischt, zeigt aber Risse. Der Forderung nach „absolutem Gehorsam“ der Ehefrau stimmen in Deutschland zwar nur neun Prozent zu. Im Schnitt der internationalen Befragung sind es 20 Prozent und bei den männlichen Vertretern der Generation Z gar 31 Prozent.

Allerdings nimmt in Deutschland die geschlechtsspezifische Gewalt zu, ebenso die Zahl der Femizide, das sind geschlechtsbezogene Tötungen, oft begangen von (Ex-)Partnern aus Besitzanspruch oder Frauenhass. Eine solche Tat ereignet sich in Deutschland fast jeden zweiten Tag.

Auffälliges Ergebnis der Gesamterhebung: Der Zukunftsoptimismus sinkt bei jungen Männern stärker als bei jungen Frauen. 55 Prozent von Letzteren denken, dass es dem weiblichen Teil der Bevölkerung in ihrem Land künftig besser gehen wird, bei den jungen Männern glauben lediglich 40 Prozent das Gleiche von ihren Geschlechtsgenossen.

Fachleute sehen die Ergebnisse mit Sorge. Sie fordern mehr Medienkompetenz bei jungen Menschen und besseren Schutz für Betroffene. Aber auch Angriffe und Verbreitung extremistischer Inhalte konsequenter zu verfolgen sowie die digitalen Plattformen in die Pflicht zu nehmen.

Misogynie sei kein „Frauenproblem“, sondern ein gesellschaftliches, das getragen werde von Männern. Also muss es auch dort adressiert werden.

Quellen und Studien:

Nater C et al. (2026): Misogynous Messages in the Media Increase Hostility to Women: Evidence From a Meta-Analysis of 257 Experimental and Nonexperimental Studies. Psychological Bulletin.

Ipsos-Umfrage

Bundeszentrale für Politische Bildung und das Zentrum für Analyse und Forschung am Bundesamt für Verfassungsschutz: Abschlussbericht über Mainstreaming und Radikalisierung in sozialen Medien, bpb.de

Foto: privat
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Kirsten Baumbusch

ist Journalistin und arbeitet in der Kommunikation einer großen Stiftung in Heidelberg. In ihren Ausbildungen zur Coach und Mediatorin hat sie erkannt, wie viel Freude es machen kann, Menschen bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu fördern. Sie ist stets auf der Suche nach Mutmachergeschichten. Mehr Infos

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