Hitzesommer: Extreme sind heute normal

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Warum ist uns die Klimakrise egal?

Wieder ein Hitzesommer, wieder extreme Temperaturen. Aber warum bekämpfen wir nicht intensiv die Ursachen der Klimakrise? Die Erderhitzung ist jetzt der Normalzustand. Über die kollektive Selbsttäuschung und die fehlende Kraft zum Handeln. Ein Standpunkt von Birgit Stratmann

Hitze mit Temperaturen mancherorts über 40 Grad, Waldbrände, Wasserknappheit – Europa erlebt wieder einen Jahrhundertsommer, wie es sie nur leider immer häufiger gibt.

Die Medien überschlagen sich mit Nachrichten und Meldungen, alle fordern Klimaanpassung, etwa um die Schwächeren vor extremer Hitze besser zu schützen. Doch selten wird über die Ursachen der Extremwetterlagen gesprochen: die Klimakrise.

Selbst Klima-Skeptiker sollten ins Grübeln kommen. 9600 Hitzetote gab es in Deutschland allein im Juni und Juli 2026 laut Information des Robert-Koch-Instituts. Mancherorts war das Wasser knapp, auch für die Landwirtschaft. Die Waldbrände in Südeuropa waren so massiv, dass sie sogar große Ballungsräume und Städte wie Bordeaux und Madrid bedrohten.

Die Online-Ausgabe des Magazins Nature fragte am 26. Juni 2026: „Hat Europa ein neues Klima?“ Die Antwortet lautet: Ja, die Erde, vor allem der europäische Kontinent, erwärmt sich schneller, als die Klimaprognosen vorausgesagt haben.

Was früher als extrem galt, ist heute normal

„Das Klima des 20. Jahrhunderts gehört jetzt der Vergangenheit an,“ erklären britische Wissenschaftler in einem neuen Klimabericht. Mike Kendon, der federführende Autor des Berichts der Royal Meteorological Society, sagte im Juli 2026:

„Was wir früher als extrem angesehen haben, betrachten wir zunehmend als normal. Angesichts einer Erwärmung von etwa 0,25 Grad Celsius pro Jahrzehnt seit den 1980er Jahren scheint es wahrscheinlich, dass dieser Rekord in wenigen Jahren erneut gebrochen wird.“

Und die Folgen sind klar: In Zukunuft drohen noch mehr Wetterextreme, Hitze, Wasserknappheit, Ernteverluste und Waldbrände.

Früher sprachen wir von „Klimawandel“. Das klang nicht sehr bedrohlich und wir konnten es uns in unserem Wohlstand weiter gemütlich machen. Heute ist klar: Es handelt sich um eine Erderhitzung, die das ganze Leben auf der Erde bedroht – das menschliche Leben und das der Natur, auf der unser Leben basiert.

Die Ursachen für die Extremwetter bekämpfen

Diesen Sommer spüren wir die Klimakrise am eigenen Leib. Umso erstaunlicher ist die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber dem Klimaschutz. Die Wissenschaftler zeigen: Die Erderhitzung ist jetzt der Normalzustand – solange massenhaft fossile Energien verbrannt und CO2-Emissionen in die Atmosphäre entlassen werden. Die Klimakrise wird sich weiter verschärfen, wenn die Ursachen dafür nicht beseitigt werden.

Angesichts dieser dramatischen Situation erscheint die gegenwärtige Politik widersinnig: das Ausbremsen der Energiewende, die Nicht-Besteuerung von Flugzeugkerosin, kein Tempolimit auf Autobahnen.

Das sind nur kleine Beispiele, die Ausdruck einer kollektiver Selbsttäuschung in Politik und Gesellschaft sind. Wir gleichen Menschen, die in einem brennenden Haus sitzen und sich erst mal ein kühles Getränk genehmigen.

Wer Extremwetterlagen stoppen will, muss die Ursachen dafür verringern und das heißt: all das begrenzen und teurer machen, was zu mehr Treibhausgasen, allen voran CO2 in der Atmosphäre führt.

Dass das ein Balanceakt ist, den man sozial abfedern muss, versteht sich von selbst. Aber könnte es etwas Wichtigeres geben als eine solidarische, sozial verträgliche, konsequente Klimapolitik?

Wir könnten ohne fossile Energien leben, wenn wir kreativ und mutig genug sind, aber nicht ohne Wasser, Lebensmittel, Wälder und ein gemäßigtes Klima, das Leben auf dem Planeten Erde überhaupt erst ermöglicht.

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Birgit Stratmann

Birgit Stratmann

ist Mitbegründerin des Netzwerks Ethik heute. Verantwortlich für die Redaktion des Online-Magazins und die Programmplanung. Texterin für Print und Web, u.a. lange Jahre für Greenpeace. www.birgitstratmann.com

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