Klimadebatte: Geht das auch konstruktiv?

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Vier Schritte guter Klima-Kommunkation

Klimadebatten erhitzen die Gemüter, gerade in Zeiten steigender Energiepreise. Forschende haben herausgefunden, wie sich über Klimapolitik konstruktiv und verständnisvoll miteinander kommunizieren lässt, ohne Vorwürfe und Beleidigungen. Eine Kommunikation in vier Schritten soll helfen.

Und wieder steigen die Spritpreise: Autofahrende und Menschen mit Ölheizungen blicken ängstlich und vor allem häufig auf die kletternden Zahlen, die Politik versucht hektisch und bisher erfolglos gegenzusteuern.

Wer sich hingegen entspannt zurücklehnt, sind Leute mit E-Fahrzeugen – oder ganz ohne Auto – und Haushalte mit Wärmepumpe. Nicht selten kommt auch Häme durch, im Stil von „Ihr habt mich immer ausgelacht, weil ich auf Solarenergie setze, und jetzt schaut mal, wohin euch das geführt hat“.

Das mag eine verständliche Reaktion von Menschen sein, denen der Klimaschutz am Herzen liegt und die dafür von Verbrenner-Begeisterten schon viel Spott und Verachtung ernten mussten. Aber es verdeutlicht gleichzeitig ein großes Problem in der Diskussion rund um Klimafragen:

Viel zu oft bilden sich Lager, die gegeneinander argumentieren und sich gegenseitig nicht leiden können. Das verhärtet letztendlich die Seiten und lässt kaum Raum für neue Informationen, Kompromisse und zwischenmenschliches Verständnis.

Menschen dort abholen, wo sie wirklich stehen

Das Problem ist nicht neu: Menschen sehen ihren eigenen Standpunkt als „den einen richtigen“ an und verteufeln schnell alle, die abweichender Meinung sind. Nur kommen wir damit nicht weiter, weder in Klimafragen noch in jeder anderen Debatte.

Wie es besser gehen kann, beschreibt etwa die Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe in ihrem 2021 veröffentlichten Buch „Saving Us“. Der Kern sei es, mit den Menschen zu sprechen, ihre Sorgen anzuhören und zu versuchen, die Perspektive zu verstehen.

Dann erst sei es möglich, ihnen zu zeigen, warum das Thema Klima auch sie betrifft und weshalb es mit genau den Dingen zusammenhängt, die ihnen wichtig sind. Auf diese Weise könne es gelingen, die verhärteten Fronten aufzubrechen und Verständnis dafür zu fördern.

So beschreibt es auch die Klimaökonomin und Professorin für Nachhaltigkeitstransformation, Maja Göpel, in einem 5vor12-Briefing des Netzwerk Klimajournalismus: „Wenn jemand sagt, ‚für mich ist Thema X das Wichtigste‘, knüpfe ich an und ziehe die Verbindung zu Umwelt und Klima.”

Häufig gehe es letztendlich um Sicherheit. Es herrschen Kriege, die uns direkt und indirekt beschäftigen – wer hat da noch Zeit und Kopf für das Klima? Doch genau an solchen Beispielen zeige sich, wie wichtig etwa ein erneuerbares Energiesystem ist, sagt Maja Göpel:

„Es erlaubt eine andere Unabhängigkeit, weniger Erpressbarkeit und Versorgungssicherheit.“ Diese Zusammenhänge zu kommunizieren, kann die Problematik greifbarer machen.

Auch mit Blick auf finanzielle Fragen: Hier könnte gute Berichterstattung über politische Entscheidungen den Menschen zeigen, was die wirtschaftlichen Folgen von fehlender Klimapolitik sind. „Momentan haben sie gar keine Chance, die Kosten des Nichthandelns zu verstehen.“

Das eigene Verhalten rechtfertigen oder ändern

Zu verstehen und zu akzeptieren oder gar zu handeln, sind unterschiedliche Dinge. Denn geht etwas gegen die eigene Überzeugung und stellt womöglich das eigene Handeln infrage, führt das zu „kognitiver Dissonanz“.

Was sperrig klingt, bezeichnet grob gesagt ein ungutes Gefühl, wenn unser Wissen oder unsere Glaubenssätze nicht mit unseren Aktionen in Einklang sind.

Fleisch zu essen schadet Tieren und Klima – aber Steak und Chicken Nuggets schmecken doch so gut. In solchen Fällen gibt es zwei Möglichkeiten: Wir können das negative Gefühl loswerden, indem wir uns anders verhalten und uns beispielsweise nur noch vegetarisch oder gar vegan ernähren. Verhaltensänderungen sind allerdings grundsätzlich schwierig.

Vermeintlich einfacher: Wir schieben das Wissen von uns oder streiten es ab: Tiere essen sei eben natürlich, und überhaupt verursache China doch so viele Treibhausgase, da sei es egal, was ich hier mache.

Wer mit logischen Argumenten dagegenhält und dadurch die kognitive Dissonanz wieder verstärkt, wird automatisch zur Gefahr für das eigene Wohlbefinden. Und schon ist die Diskussion wieder festgefahren.

Unser YouTube-Kanal

Wir haben angefangen, unseren youtube-Kanal auszubauen. Denn unsere kostbaren Inhalte sind es wert, auch in anderen Formaten Menschen zu inspirieren.

Vier Schritte guter Klimakommunikation

Wie eine gelungene Klimadebatte aussehen kann, haben auch australische Forschende 2025 untersucht und vier Säulen vorgeschlagen. Dabei beziehen sie sich eher auf gesellschaftliche Kommunikation, es funktioniert aber letztendlich ebenso für einzelne Gespräche.

Wichtig ist demnach erstens, die Botschaften einfach zu halten und auf die lokalen Begebenheiten einzugehen. Dadurch dreht sich die Diskussion um Dinge, die das Gegenüber direkt betreffen und sich gut einprägen lassen.

Bei der zweiten Säule stimmen die Forschenden mit Katharine Hayhoe überein: Kenne deine Zuhörenden – was interessiert sie? Das heißt, man sollte nicht die eigenen Themen hervorheben, sondern auf die anderen Menschen und ihre Belange eingehen.

Große, allgemeine Botschaften an die breite Masse lassen viele schnell abschalten, während Gespräche auf Augenhöhe mit einzelnen Menschen oder Gruppen viel eher zu Verständnis führen können.

Drittens kommt das Storytelling dazu. Gute Geschichten sind mächtiger als reine Fakten und zeigen viel eher, warum das Klima relevant ist. Wer kann schon greifen, dass Verbrenner-Autos soundso viele Tonnen Kohlendioxi (CO2) verursachen?

Viel alltagsnaher ist, wie begeistert der Nachbar von seinem E-Auto und der neuen Wärmepumpe erzählt und wie er täglich seinen Stromverbrauch mit den früheren Ausgaben für Öl und Benzin vergleicht.

Viertens geht es darum zu verdeutlichen, was getan werden kann. Konstruktiver Journalismus versucht genau das: Nicht nur die Probleme aufzeigen, sondern vor allem die möglichen Lösungen.

Wer sich hilflos fühlt, wird nicht handeln. Je konkreter, klarer und machbarer die Schritte zu einem klimabewussteren Leben aussehen, desto eher haben die Menschen auch Lust, Zeit und grundsätzlich Kapazität, um sich damit zu beschäftigen.

Katharine Hayhoe schreibt von Lösungen, die inspirieren. Angst vor den Folgen der Klimakrise ist ein Motivator, aber wir werden schnell Wege finden, sie zu verdrängen. Was viel eher zu Akzeptanz und letztendlich Handlung führen kann, sind positive Visionen.

Was können wir tun, um die Lebensaspekte besser zu machen, die dir persönlich wichtig sind? Diese Frage aus Klimasicht zu beleuchten, provoziert deutlich weniger Gegenwehr und lässt viel mehr Raum für offene Gespräche, als das Gegenüber für das Verbrennerauto, den Fleischburger oder die Ölheizung niederzumachen.

Foto: privat
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Dr. Stefanie Uhrig

ist Wissenschaftsjournalistin mit Schwerpunkt Neurowissenschaften, Medizin, Psychologie und Biologie. Darüber schreibt sie für Print- und Online-Medien und spricht und produziert Radiobeiträge. Mehr Infos
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