Neu: Ethik Quiz – Testen Sie Ihr Wissen

Leben im Gefängnis und innere Freiheit

Carles Rabada/ Unsplash
Carles Rabada/ Unsplash

Audio-Interview mit dem Klima-Aktivisten Karl Braig im Gefängnis

Karl Braig, 69, trat vor ca. einem Monat seine Haftstafe an. Für zwei Sitzblockaden zum Klimaschutz wurde er zu fünf Monaten Haft verurteilt. Warum er die Bewährung ablehnte, wie er die Zeit im Gefängnis erlebt und wie er seinen Protest heute bewertet, darüber sprach er mit uns im Interview.

Text und Interview: Geseko von Lüpke

Das Wetter ist grau an diesem Besuchstag in der JVA Kempten. Und als jemand, der noch nie im Gefängnis war, betrete ich den Betonbau mit gemischten unsicheren Gefühlen.

Die Tür öffnet sich ferngesteuert, der Besucher steht vor Panzerglas, die Kommunikation läuft über Lautsprecher. Sachlicher Ton, freundlich, aber ‚straight‘. Der Ausweis wird einbehalten, Handy, Schal, Kamera landen im Schließfach.

Karl Braig, Foto: privat

Nach dem Gang durch den Metall-Detektor betritt man hinter einer weiteren schweren Tür unter uniformierter Begleitung das Innere des Gefängnisses. Links ein Blick auf massive Drahtzäune, oben nach innen abgeschrägt, Rollen von messerscharfem NATO-Draht obendrauf. Und dahinter eine glatte acht Meter hohe Betonmauer. Die Botschaft ist klar – kein Entkommen!

Türen werden auf und hinter uns wieder zugeschlossen. Im Vorbeigehen rechts ein Blick auf Besuchsräume mit Glasabtrennung. Dann betreten wir den kleinen kahlen, halligen Interview-Raum: kaum größer als eine Besenkammer, graue Plastikstühle, Resopaltisch, Neonbeleuchtung.

Von Gegenüber wird der Häftling reingeführt: Karl Braig, wegen zwei Straßenblockaden verurteilt zu fünf Monaten Gefängnis, Geldstrafe und Bewährung, die er ablehnte, weil er sich nicht schuldig fühlt. Klimaaktivist der ‚Letzten Generation, 69 Jahre alt, in Gefängniskleidung eine graue Maus – aber lächelnd über diesen zweiten Besuch von Draußen seit vier Wochen. Mehr war nicht gestattet über Weihnachten und Neujahr. Auf beiden Seiten schließen sich die Türen hinter uns, Schlüssel drehen sich im Schloss. Stille. Zeit, um zu fragen, wie es ihm geht:

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