Raus aus dem Gedankenkarussel
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Meditation auf den Körper

Die Meditations- und MBSR-Lehrerin Michaela Doepke leitet in der zweiten Folge ihrer Audio-Reihe eine Achtsamkeitsmeditation auf den Körper an.

 

 Den Körper entdecken

Eine besondere Chance bei der Körpermeditation ist die Entdeckung eines neuen Umgangs mit allen Körperempfindungen, auch und besonders mit Schmerz und unangenehmen Gefühlen. Selbstheilung geschieht oftmals, wenn wir hinschauen statt wegschauen, wenn wir hinspüren statt uns von unangenehmen Empfindungen abzuwenden.

In der zweiten Folge unserer Audiomeditation erkläre ich noch einmal kurz die Sitzhaltung und die Atemmeditation und lade im Anschluss dazu ein, die Achtsamkeit auf den Körper auszudehnen.

Große Ablenkungsimpulse während der Meditation gehen vom Körper aus. Vielleicht entdecken Sie auf der Körperreise jetzt verstärkt körperliches Unwohlsein. Normalerweise würde man seine Sitzposition verändern. In der Meditation ist es jedoch sinnvoll, diesem Bewegungsimpuls zu widerstehen. Warum?

Unser automatischer Impuls ist es, uns von schwierigen Erfahrungen oder Schmerzen abzuwenden und sie nicht wahrnehmen zu wollen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, den mentalen Raum zu öffnen und uns zu erlauben, mit allem zu sein, was ist, auch mit den schwierigen Empfindungen zu sein.

Hinschauen statt wegschauen

Indem wir eine akzeptierende und neugierige Haltung einnehmen und uns starken Körperempfindungen liebevoll zuwenden, durch den Schmerz hindurchatmen und vielleicht den Raum um die schmerzende Körperstelle etwas erweitern, lernen wir, mit dem Schmerz zu sein und ihn zu halten. Wir lernen, Körpersignale rechtzeitig wahrzunehmen, bewusst hinzuschauen und eine annehmende innere Haltung zu entwickeln für das, was im jetzigen Moment ist.

Diese neue Sichtweise ermöglicht es uns auch, mit unangenehmen Gefühlen anders als bisher umzugehen. Auf Dauer können wir so unsere Erlebniswirklichkeit erweitern, Selbstvertrauen entwickeln und jedes Geschehen willkommen heißen und akzeptieren, anstatt es abzulehnen. Indem wir uns selbst gegenüber wohlwollend, innerlich zugewandt und freundlich bleiben, können wir uns in unser Unwohlsein hinein entspannen. Diese Haltung hilft uns, mit Herausforderungen und Stresssituationen gelassener umzugehen und erhöht unsere Lebensqualität erheblich.

Vielleicht können Sie entdecken, dass sich ein unangenehmes Gefühl meist verstärkt, wenn man ihm Widerstand entgegenbringt und dagegen ankämpft. Normalerweise reagieren wir auf unangenehme Empfindungen sofort mit Abwehr und wenden uns lieber den angenehmen Dingen zu.

Aber jetzt lade ich Sie ein, eine neue Erfahrung zu machen und sich mit wachem und neugierigem Forschergeist allen Körperempfindungen mit offener annehmender innerer Haltung zuzuwenden, so liebevoll, wie eine Mutter sich ihrem weinenden Kind zuwenden würde, um es zu trösten. Erlauben Sie sich, sich für Ihren Körper und alle Empfindungen, die jetzt da sind, weit zu öffnen. Bleiben Sie ganz bei dem, was Sie im Hier und Jetzt gerade spüren.

Indem wir still sitzen und alle Erscheinungen – selbst die unangenehmen – einfach da sein lassen, können wir mit allem sein, was ist, und Freundschaft schließen mit uns selbst.

Dieses Achtsamkeitstraining hatte der Begründer der MBSR-Methode (Mindfulness Based Stress-Reduction), Jon Kabat-Zinn, vor ca. 35 Jahren für seine Schmerz- und Burn-out-Patienten entwickelt. Es wird heute weltweit in Kliniken und Gesundheitszentren erfolgreich durchgeführt.

Michaela Doepke ist Meditationslehrerin, MBSR-Lehrerin, Buchautorin und Journalistin im Netzwerk Ethik heute und aktiv im Center for Mindfulness München.

Meditations- und MBSR-Kurse von Michaela Doepke finden Sie unter: www.michaela-doepke.de/kurse www.center-for-mindfulness.de und www.mbsr-kurse-muenchen.de

Hier geht es zur 1. Meditation in dieser Reihe

 

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