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Warum gehen Elektro-Artikel so schnell kaputt?

Ein Buch über „Murks“ und was dahinter steckt

Technische Geräte versagen oft nach ein paar Jahren ihren Dienst. Buchautor Schridde wirft der Industrie „geplanten Verschleiß“ vor, untersucht die Hintergründe und zeigt Auswege aus der Verschwendung von Ressourcen.

Es gibt so Tage, da geht nichts gut. Stefan Schridde beschreibt am Anfang seines Buches einen Montag, an dem alles Elektrische nacheinander den Geist aufgibt, zuerst die Glühbirne, dann die Zahnbürste, später auch noch die Kaffeemühle und der Milchschäumer. Murks nennt er das, und es hat System, wie er in seinem Buch nachzuweisen sucht.

Um die Anfälligkeit technischer Geräte und die Frage, ob die Sollbruchstellen bewusst eingebaut werden, geht es in diesem Buch. Die Diagnose ist aus Sicht des Autors klar – das System nennt sich „geplante Obsoleszenz“. Ein Begriff aus dem Marketing, der für das Veralten von Produkten durch Neuheiten steht. Im Kern steht er für den geplanten Verschleiß bei Geräten, die zu kurze Haltbarkeit von Dingen des Alltags. Der Autor konstatiert: „Es gibt Dinge, die wurden bereits kaputt erfunden.“ Der Hauptgrund für den Verschleiß von Geräten sind aus seiner Sicht minderwertige Materialien, die bei normalen Einsatz garantiert kaputtgehen müssen.

Schriddes Buch ist eine Sammlung von Indizien rund um das Thema. Zu Beginn liefert der Autor eine Reihe von Befunden, die er „Krankengeschichte“ aus der Haushaltswelt nennt. Da ist die Waschmaschine, die Flecken macht, der Drucker, der versagt, das Handy, das nicht mehr klingelt und viele weitere Beispiele aus der Wunderwelt der Technik. Es folgt die Erklärung, warum das so ist und die Erläuterung, worauf wir achten müssen, wenn wir bei zukünftigen Anschaffungen Murks vermeiden wollen.

Warum aber ist der Murks so weit verbreitet? Schridde kommt nach umfassender Analyse zu seiner Diagnose und spricht von „Viren“ – in einer bewussten Analogie zur Biologie. Die „Murksviren“ haben „die Tendenz, sich wie eine Epidemie auszubreiten und alle möglichen „Wirtszellen“, das heißt Produkte und Verfahren, zu befallen und ihre Lebensdauer zu verkürzen“.

Eine ganzheitliche Sicht

Da Schridde sein Buch analog eines Umgangs mit einer Krankheit aufgebaut hat, folgt auf die Diagnose auch ein Therapievorschlag. Dort gibt es dann Ideen für kundenfreundliche Gesetze und Vorschriften. Darüber hinaus – und das macht das Buch doppelt lohnenswert – Gedanken für einen ganzheitlichen Blick auf den Konsum: auf die Macht der Hersteller und der Konsumenten als bewussten Einkäufer, einen schonenderen Umgang mit Material.

Schriddes Buch beschreibt eine werdende Kreislaufwirtschaft, die sich am Modell der Blue Economy von Gunter Pauli orientiert. In seinem Buch „The Blue Economy: 10 Jahre – 100 Innovationen – 100 Millionen neue Jobs“ stellt Pauli 100 Unternehmen vor, die mehrfach Nutzen erzeugen. Kerngedanke ist, das alles, was ein Unternehmen neben seinen Produkten emittiert, für ein anderes Unternehmen eine wertvolle Ressource darstellt.

Die Blue Economy soll zeigen, wie Null-Abfall-Strategien in der Praxis wirkungsvoll umgesetzt werden können, dabei Arbeitsplätze schaffen und nur Ressourcen vor Ort verfügbar machen. Schriddes Vision von der Kreislaufwirtschaft mündet in Produktverantwortung statt Abfallsortierung: „Wer der Natur Ressourcen entzieht, übernimmt die Verantwortung für deren Verwendung“, so die Quintessenz dieses Prinzips.

Das Buch ist besonders wertvoll, weil es so konkret ist. Es ist eine Handlungsermächtigung für jeden Konsumenten – schließlich sind das alle. Dafür hat Schridde eine, wie er es nennt, Murks-Lupe entwickelt. Sie dient mit Stichwörtern und Merksätzen als Einkaufsberater und -begleiter.

Website: Murks melden

So ist „Murks“ auch weit mehr als ein Buch geworden und hat sich mittlerweile im Internet zu einer Plattform zum Austausch und zur Information entwickelt. Auf der Website kann man Murks melden, etwa wenn Produkte durch vermutete geplante Obsoleszenz versagen. Und im Murksbarometer lassen sich auffällig gewordene Hersteller leicht ausmachen – ein Hinweis auf eine niedrige Qualitätsphilosophie.

Stefan Ringstorff
Stefan Schridde: Murks? Nein danke! Was wir tun können, damit die Dinge besser werden. oekom verlag 2014

Hier geht es zur Internet-Plattform von Murks

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