Werte als Quelle von Mut und Aufbruch

Cover Maja Göpel Werte

Ein Buch von Maja Göpel

Welche Werte können unser gemeinsames Handeln leiten, um die drängenden Probleme zu lösen, fragt Maja Göpel in ihrem neuen Buch. Sie untersucht, warum Wachstum und Wohlstand ohne Gerechtigkeit und intakte Natur nichts sind. Die Probleme sind lösbar auf der Basis von Kooperation und der Bereitschaft zur Veränderung.

Fragt man die Menschen nach ihren Werten, dann stimmen sie mehrheitlich überein: Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit, intakte Natur, nachhaltiger Wohlstand. Doch warum spielen diese in der Politik eher eine untergeordnete Rolle? Das fragt Maja Göpel in ihrem Buch.

Die Transformationsforscherin und Politökonomin, die bereits mit “Unsere Welt neu denken” und der Aussage „So wie es ist, kann es nicht bleiben“, den Finger in die Wunde legte, geht hier auf die Wertekrise unserer Zeit ein.

Das Buch bewegt drei existenzielle Fragen: “Werden wir genug haben?”, “Werden wir genug teilen?” und “Wer sind eigentlich wir?” Diese Fragen ermöglichen es der Autorin, nach gemeinsamen Werten zu suchen und die Verbindungen zwischen individueller und kollektiver Verantwortung in den Blick zu nehmen.

Was ist eigentlich Wohlstand?

Im Zentrum ihrer Kritik: das unreflektierte Wohlstandsverständnis und die Fixierung auf Wachstum und Zahlen. Die Politik klammere sich an das Ziel Wirtschaftswachstum, doch selten würde darüber gesprochen, was Wohlstand eigentlich bedeute.

Da Menschen, Natur und Soziales keinen „Wert“ im Sinne positiver Bilanzen hätten, würden sie von der Politik zu wenig beachtet. Mehr noch: Unter dem Motto „Bürokratieabbau“ sollen wichtige Errungenschaften für das Gemeinwohl zurückgefahren werden.

Man hänge der Illusion an, dass man die Klimakrise, den Verlust der Biodiversität oder die menschliche Gesundheit, Stichwort Mikroplastik, außer vorlassen könnte, wenn nur die Wirtschaft wachse.

In dem Zusammenhang setzt die Autorin sich auch kritisch mit dem Libertarismus auseinander. Tech-Milliardäre nähmen sich das Recht, die Ressourcen der Erde auszubeuten. Sie machten gemeinsame Sache mit den Rechtspopulisten, um die Demokratie auszuhöhlen, nur um selbst Reichtum und Macht zu mehren.

Doch ein Wohlstand für alle ist ohne gesunde Lebensgrundlagen, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit nicht möglich.

Rechtspopulismus und Wutbürger

Göpel nimmt auch die aktuellen politischen Entwicklungen ins Visier: Rechtspopulisten mit ihrer destruktiven Rhetorik dominieren die öffentlichen Debatten. Sie stilisieren sich zu Vorreitern des Wandels, obwohl ihre Ideen oft rückwärtsgewandt sind und der komplexen Realität überhaupt nicht gerecht werden.

Anstelle konstruktiver Problemlösungen diagnostiziert die Autorin auch bei Bürgerinnen und Bürgern eine wachsende “Wutsamkeit”– eine Unzufriedenheit, die durch Algorithmen in den Sozialen Medien und polarisierende Berichterstattung angeheizt wird. Dadurch werde die Rückbesinnung auf geteilte Werte in der Gesellschaft schwieriger.

Auch der Rückzug ins Private sei keine Option. Denn die Probleme, die wir haben, können nur in der Demokratie gelöst werden und wenn sich möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven einbringen.

Menschen wollen kooperieren

Trotz aller Kritik bleibt Göpel ihrer optimistischen Grundhaltung treu. Ihre zentrale Botschaft lautet: Die meisten Menschen wollen beim Lösen der Krisen kooperieren. Individuelle Freiheit, Erhalt der Natur und soziale Gerechtigkeit – ob liberal, konservativ oder sozial geprägt – liegen nicht so weit auseinander.

“Werte – Ein Kompass für die Zukunft” ist ein wichtiger Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten. Göpel gelingt es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und dabei sowohl kritisch als auch konstruktiv zu bleiben.

Maja Göpel – Werte. Ein Kompass für die Zukunft. Christian Brandstätter Verla

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