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Wie Frauen in der Wissenschaft diskriminiert wurden

Quelle: ChatGPT

Und wie man ihre Leistungen heute würdigt

Frauen wurden in der Geschichte auf allen Ebenen diskriminiert, auch in der Wissenschaft. Nach und nach decken Frauen heute Fälle auf, in denen Wissenschaftlerinnen wichtige Forschung geleistet haben, ohne jedoch genannt zu werden. Den Ruhm ernteten Männer. Maria Köpf zeigt, wie die wissenschaftlichen Leistungen von Frauen heute sichtbar gemacht werden.

Text: Maria Köpf

Eine junge Frau in Asien mit dem klangvollen Namen Wang Zhenyi simulierte schon vor 1797 eine Mondfinsternis mithilfe eines runden Tisches, einer Lampe und eines Spiegels in ihrem Garten. Zudem verdeutliche sie viele mathematische Gleichungen, bewies den Satz des Pytagoras und erklärte Trigonometrie.

Über die Umstände, in die sie hineingeboren wurde und die Frauen diskriminierten, sagte sie einst in einem Plädoyer für Gleichberechtigung: „Wenn über Lernen und Wissenschaften gesprochen wird, denken die Leute nicht an Frauen, Frauen sollten nur kochen und nähen.“ (Wikipedia „Wang Zhenyi“).

Wie Männer Entdeckungen von Frauen für sich beanspruchten

Eine andere Frau, Lise Meitner, erklärte die Kernspaltung, die damals als unerklärliches Phänomen galt, als erstes. Die Geschichte erzählte jüngst die Wissenschaftsjournalisten Mai Thi Nguyen-Kim im ZDF: „Geklaute Entdeckungen“.

Der berühmte Naturwissenschaftler Otto Hahn bat seine geschätzte Kollegin Lise Meitner in einem Brief, ihm zu erklären, warum ein radioaktives Element sich nach Beschuss mit Neutronen „nicht wie Radium, sondern wie Barium“ verhalte. Wieso hatte das Element sich nicht elementar vergrößert, sondern verkleinert?

In ihrer Antwort fügte Meitner die später unangefochtene Erklärung für die Kernspaltung an: Die Neutronen hatten den Atomkern gespalten, ein Phänomen, das bislang als nicht möglich galt. Diese ergänzte sie mit einer Theorie, die sie mit ihrem Neffen entwickelte: Vermutlich würde bei einer Kernspaltung ungeheure Menge an Energie freigesetzt.

Auch die fatale Folge einer Atombombe oder einer Kernschmelze nahm Meitner somit vorweg. Das Traurige: ihr Kollege Otto Hahn erhielt wenig später für die „Entdeckung der Kernspaltung“ den Nobelpreis. Während ihr selbst, die das entscheidende Experiment erläutert und vor Hahn publiziert hatte, der Preis vorenthalten blieb.

Auch einer anderen Frau geschah ähnliches wie Lise Meitner. Rosalind Franklin entdeckte am King’s College London 1951 einige Schlüsselqualitäten der DNA. Ihre Erkenntnisse führten zum Beweis der Doppelhelix-Struktur der DNA. Doch ihre Forschungsergebnisse wurden einfach seitens eines illoyalen Kollegen an ihren Konkurrenten eines fremden Forscherteams weitergereicht.

Der Konkurrent James Watson einschließlich des unfairen Kollegen aus ihrem Team erhielten später den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Jener Konkurrent James Watson sagte sarkastisch sogar über die bereits verstorbene Rosalind Franklin: „Rosalie Franklin hatte eine paranoide Angst davor, dass man ihre wissenschaftliche Forschung entwenden könnte.“

Die verschwundenen Spuren einer Großmutter

Es gäbe noch viele weitere Frauen, die hier genannt werden müssten. Darunter wohl auch die Großmutter der renommierten Journalistin Katie Hafner, die viele Jahre für die New York Times und die Newsweek schrieb.

Eines Tages, so schildert es Katie Hafner rückblickend, dachte sie über ihre Großmutter nach. Sie musste irgendetwas Bedeutendes beruflich getan haben, schien die Erinnerung ihr zu sagen.

Nun begann Katie Hafner laut eines Interviews im Podcast „Beyond The Scenes from The Daily Show“ zu recherchieren und erfuhr, dass ihre Großmutter Leona Zacharia wissenschaftliche Arbeiten verfasst hatte. Diese wurden allerdings beim MIT und in Harvard in einem speziellen Archiv gelagert.

Zacharia hatte an der Frühgeborenen-Erkrankung RLF geforscht. In vielen Krankenhäusern der 1940er Jahre wurden frühgeborene Babys, die mit perfektem Sehvermögen ausgestattet waren, aus unerklärlichen Gründen blind.

Man entdeckte, dass das Oxygengas für die Lungentherapie der Babys die Linse der Neugeborenen irreversibel trübte. Als Katie Hafner sich die Arbeiten ihrer Großmutter in Harvard durchlas, stieß sie auf ein Deckblatt. Auf dieses hatte ein Mann aus ihrem Forscherteam geschrieben: „Für Leona. Die wahre Autorin dieser Arbeit.“

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Antwort einer Enkelin im 21. Jahrhundert: Wir sehen sie jetzt!

Katie Hafner widmete sich ab 2014 genau solchen großen und missachteten Frauen wie ihrer Großmutter. Ihr renommierter Podcast „Lost Women In Science“ thematisierte solche „verschwundenen Frauen“ die elementare Fragen lösten, doch bald vergessen wurden.

Eine ähnlich unglaubliche Geschichte, die sie in ihrem Podcast erzählt, geschah der Entdeckerin des Down Syndroms. Marthe Gautier war lange Jahre als studierte Pädiaterin in der Chromosomenforschung tätig.

Sie entwickelte als erstes ein Verfahren, das die Zellmembran nicht einreißen ließ und färbte die Zellen erst nach deren Trocknung. Durch diese innovativen Methode konnte Martha Gautier das dritte Chromosom sichtbar machen! Jenes Chromosom, das bei Kindern mit Trisomie dreimal vorliegt und den Beweis lieferte, dass Trisomie 21 eine genetische Ursache Erkrankung war. Seither können die Ärzte auf eine Diagnose zurückgreifen.

Doch ihr Kollege Jerome Lejeune, dem sie ihre Entdeckung anvertraute, verkündete einfach, die Erkrankung gelöst zu haben. Und veröffentlichte wenig später die Forschungsergebnisse unter seinem Namen als Erstautor – und damit offiziell als Entdecker.

Darüber sagt Katie Hafner in ihrem Podcast: „Oft ist es der Nobelpreis, den eine Wissenschaftlerin nicht bekommen hat, aber es ist viel mehr als das“, betonte die Podcasterin: „Es geht darum, nicht in einer Studie genannt zu werden; nur ein Sternchen oder eine Fußnote zu sein.“

Erst 50 Jahre nach der Veröffentlichung der Arbeit erkämpfte es sich Marthe Gautier, öffentlich als die eigentliche Entdeckerin genannt zu werden.

Mehr Sichtbarkeit für Frauen – durch Wikipedia-Einträge

Da solche Fälle bis weit ins 20. Jahrhundert offenbar eher die Regel als die Ausnahme bildeten – und alle Welt sich längst wundert, dass unter 100 Physik-Nobelpreisträgern bislang nur vier Frauen den Preis erhielten – wurde eine Wissenschaftlerin jüngst besonders kreativ.

Im Jahr 2017 begann die 1988 geborene Physikerin Jessica Alice Feinmann Wade aus Manchester, weiblichen Forscherinnen zu dem Ruhm zu verhelfen, der ihnen gebührt. Nach der Lektüre des Buchs „Inferior. How Science Got Women Wrong“ (Minderwertig. Wie die Wissenschaft Frauen missverstand) von Angela Sainis schrieb sie im Jahr 2018 fast 400 Wikipedia-Einträge über weitgehend unbekannte, doch große Forscherinnen.

Bis heute sind es ihrer Schätzung nach etwa 2100 geworden, darunter Einträge über die Computerwissenschaftlerin Laura Waller, die Biomedizin-Ingenieurin Elisabeth Hillmann oder Amy Parish, die zum Matriarchat bei den Bonobo-Affen forschte.

Ihre Motivation dabei, so sagte Jessica Wade gegenüber dem Tagesspiegel am 7. März 2024: „Mit einem Wikipedia-Artikel bekommen Personen mehr Sichtbarkeit und erhalten dadurch auch mehr Anerkennung für ihre Arbeit.“

Daneben engagiert sich Wade für Kampagnen, die Mädchen für Ingenieurs- und Naturwissenschaften begeistern. Sie sammelte Spenden für eine Buchaktion, damit jede englische Schule ein Exemplar des Werkes von Angela Sainis bekommt. Und “Jess” Wade erwirkte, dass ein frauenfeindlicher Wissenschaftler, der sich negativ über einen ihrer Auftritte für „Frauen in der Wissenschaft“ äußerte, suspendiert wurde.

Quellen:

Quellen:

Mai Thi Nguyen-Kim im ZDF 

Podcast-Auftritt von Katie Hafner im Podcast von „The Daily Show“: https://www.tiktok.com/@thedailyshow/video/7214885659817872682

Podcast von Katie Hafner „Lost Women In Science“

Das berühmte Interview mit James Watsons Zitat über Rosalind Watson 

Foto: privat
Foto: privat

Maria Köpf

arbeitet in der Redaktion von Ethik heute. Zuvor studierte sie Germanistik und Judaistik. Heute ist sie Wissenschaftsjournalistin, Webredakteurin und freie Journalistin u.a. für Spektrum Gehirn & Geist und Spiegel Online. www.mariakoepf.com

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