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Wie können Eltern eigene familiäre Muster durchbrechen?

Ein wertvoller Ratgeber für Eltern

Viele Eltern stürzen sich in das Abenteuer Familie. Sie wiederholen oft schädliche Muster, die sie in ihrer eigenen Familie erlebt haben. Die Kindheitspädagogin Vogt gibt Tipps, wie man familiäre Muster erkennt und freier denkt und handelt – auch zum Wohle der Kinder.

Text: Janna Degener-Storr

Eine Mutter versteinerte geradezu, wenn ihr Sohn wütend wird. Im Gespräch mit einer Beraterin wird ihr dann klar, dass sie als Kind keine Gefühle zeigen durfte. Ein Vater legt großen Wert darauf, dass sein Sohn die Hausaufgaben direkt nach der Schule erledigte, wie er es selbst früher getan hatte. Das führt häufig zu Konflikten, bis er versteht, dass sein Kind lieber erst spielt und danach seine Aufgaben erledigt.

Diese Beispiele stammen aus dem Ratgeber „Cycle Breaker. Für mein Kind mache ich es anders.“ Das Buch zeigt Eltern, wie sie ihre eigene Kindheit reflektieren können, um schädliche Muster nicht zu wiederholen und bewusst einen eigenen Umgang mit ihren Kindern zu finden.

Dabei werden Fragen besprochen wie: Wie schaffe ich es, meinen Kindern einerseits eine Struktur zu geben und ihnen andererseits Freiheiten zu lassen? Wie kann ich sie unterstützen, anstatt sie zu überfordern oder übermäßig zu behüten? Wie gelingt es mir, Vorbild für sie zu sein, ohne ihre Persönlichkeit verändern zu wollen?

Eine Kernfrage: Verhalten sich Eltern nicht automatisch wie ihre Eltern früher, anstatt eigenen Ansprüchen gerecht zu werden? Wer Antworten auf solche wichtigen Fragen sucht, wird hier fündig.

Sich selbst erforschen und nachsichtig sein

Im Kapitel „Einzigartigkeit als Superpower“ erklärt die Autorin, was das Problem mit dem Vergleichen ist. Kinder können dadurch das Gefühl bekommen, nicht zu genügen. Das wiederum kann as Selbstwertgefühl schwächen und zu Unsicherheit führen.

Sie erklärt, dass Eltern ihren Kindern helfen sollten, das Beste aus sich selbst zu machen. Und sie bietet Fragen für die eigene Reflektion wie: Warum vergleiche ich mein Kind mit anderen? Welche Unsicherheiten oder Ängste treiben mich an? Welche einzigartigen Stärken und Eigenschaften hat mein Kind, wie kann ich diese fördern?

Sie gibt auch Tipps, um Muster zu durchbrechen. So regt sie die Eltern an, das Kind für seine besonderen Fähigkeiten und Talente zu loben und offen zu ermutigen, stolz auf sich selbst zu sein. Dabei ist wichtig, dass Eltern nachsichtig mit sich selbst sind.

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Das eigene Verhalten erkennen, verstehen, verändern

Im ersten Teil des Ratgebers werden einige zentrale Begriffe und Fragen geklärt: Was sind das eigentlich für negative Verhaltensmuster, Glaubenssätze und Dynamiken, die wir unseren Kindern über Generationen hinweg im Familienalltag mitgeben? Warum ist es so schwer, aus diesem Kreis der Traditionen auszubrechen? Und warum lohnt es, sich die Mühe zu machen?

Im zweiten Teil nimmt die Autorin exemplarisch zwanzig toxische Erziehungsmuster unter die Lupe. Und schließlich gibt sie ihren Leserinnen und Lesern in einem so genannten Kraft-Kompass nützliche Tools an die Hand, um im Alltag achtsam mit den eigenen Ressourcen umgehen zu können.

Weitere hilfreiche Anregungen, unter anderem für den Fall, dass jemand im Laufe der Lektüre eine Beratung oder Therapie aufsuchen möchte, finden sich im Downloadbereich. Darüber hinaus stellt die Autorin eine App bereit, die unter anderem Achtsamkeitsübungen für den Familienalltag sowie einen Podcast mit konstruktivem Input bereithält.

Einige Fachbegriffe allerdings werden im Buch erwähnt, ohne (gleich) erklärt zu werden, etwa „Schematherapie“, „inneres Kind“, „Stille Treppe“ oder „affektive Informationsverarbeitungsmuster“. Hier müssen aufmerksame Leserinnen und Leser selbst nachrecherchieren.

Die Autorin erklärt die Themen anschaulich mithilfe von Beispielen und greift dabei auch wissenschaftliche Erkenntnisse auf. Auf die Quellen verweist sie in Fußnoten. Sie hat immer die Emotionen im Blick, die bestimmte Aussagen bei Leserinnen und Lesern auslösen können. So schafft sie es, sich deutlich zu äußern, ohne zu pauschalisieren oder zu verurteilen.

Das Buch muss nicht von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen werden, das betont auch die Autorin. Wichtige Kernaussagen tauchen immer wieder auf. Wer sich also Inspirationen wünscht, auch mit Blick auf ganz konkrete Fragen und Herausforderungen, kann gezielt nach passenden Stichwörtern suchen. Und das ganz ohne Druck: Denn die Autorin macht immer wieder deutlich, dass Fehler zum Wachsen dazugehören. Und dass das für die Kinder wie für die Eltern gleichermaßen gilt.

Leandra Vogt: Cycle Breaker. Für mein Kind mache ich es anders. Toxische Muster in der Familie durchbrechen und nachsichtig mit sich selbst bleiben, Verlagsgruppe Beltz 2025

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