mo

Begegnungen mit Rassisten

Ein Buch der Journalistin Mo Asumang

Mo Asumang, eine afrodeutsche Frau, hat ein Buch über ihre Begegnungen in der fremdenfeindlichen Neonazi-Szene geschrieben. Doch die rechten Hetzer, Ideologen und Schläger  wollten keine aktive Auseinandersetzung mit ihr.

 

Die Journalistin Mo Asumang ist eigentlich eine ganz normale Frau im Berliner Großstadtleben gewesen, als sich ihr Leben 2001 änderte. Sicherlich, viele Menschen kannten sie als TV-Moderatorin der Sendung „Liebe Sünde“. Sie war damals die erste Afrodeutsche, die eine Fernsehsendung moderierte.

2001 war es schlagartig vorbei mit dem normalen Leben. Sie erhielt eine Morddrohung, nicht per Post, auch nicht per E-Mail. Nein, die Drohbotschaft stand in der Titelzeile des Songs „Die Kugel ist für dich, Mo Asumang“, die der Berliner Neonazi Lars Burmeister, Sänger der Band „White Aryan Rebels“, ins Mikro grölte. Mit diesem Song trat die Angst in das Leben von Mo Asumang. Es fühlte sich so an, als sei ihrem weitestgehend unbeschwertem Leben der Boden unter den Füßen weggezogen worden.

Panische Angst lähmt und bestimmt das Leben. Mo Asumang beschloss, dass sie sich ihrer Angst stellen musste, um sie zu verlieren – ein bekanntes Rezept, dass auch in den meisten Verhaltenstherapien funktioniert. Sie suchte die Begegnung mit denen, die den Fremdenhass predigen. Darüber hat sie das Buch „Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis“ geschrieben und zwei Dokumentarfilme gedreht.

Der Angst begegnen und die Konfrontation suchen

Ihre Begegnungen sind aufsehenerregend. Sie will die Neonazis konfrontieren, ihnen in die Augen sehen, wenn ihnen eine Schwarze gegenübersteht. Dafür begibt sie sich auf das Terrain der Fremdenfeinde. Sie geht auf eine Demonstration von 3000 Rechtsextremen auf dem Berliner Alexanderplatz, wo sich kaum einer traut, mit ihr zu sprechen.

Sie trifft durch das Internet-Naziflirtportal „Odin Kontaktanzeigen“ den Neonazi Jörg, der von der völkischen Revolution träumt, in ihr aber bloß ein Lustobjekt sieht – ganz egal welcher Hautfarbe sie nun ist. Sie geht ins Gefängnis und spricht mit dem rechten Schläger Marek. Er zeigt keine Reue, kann ihr aber auch nicht in die Augen blicken und wirkt schüchtern und verunsichert. Überhaupt – der direkte Kontakt und das In-Die-Augen-Schauen gelingt niemanden, dem sie begegnet, überzeugend. Die meisten wissen ganz einfach nicht, wie sie der Konfrontation, die sie allein durch ihre Hautfarbe darstellt, begegnen sollen.

Das Buch ist sehr locker geschrieben. Mo Asumang hat sich ihren Humor und ihre Ironie nicht nehmen lassen. „Ganz schön mutig diese Frau“, mag man bei vielen der Geschichten aus ihrem Buch denken. Wie viel Überwindung es aber wohl gekostet haben mag, einige der Begegnungen zu suchen?

Auch auf die Spuren von Lars Burmeister, dem Mann mit dessen Song alles begann, hat sie sich begeben. Sie stand eine ganze Nacht lang vor dem Motorradclub in Lichtenberg, dessen Mitglied er war und wartete darauf, dass er zur Tür heraustrat. Er tat es nicht – in ihrem Buch heißt das Kapitel bezeichnenderweise „Lars Burmeister – der Krieger, der sich nicht traut“.

Wie Rassismus alltäglich funktioniert

Diese Erfahrungen der Feigheit, der fehlenden Traute und mangelnden Argumente durchzieht das Buch wie ein roter Faden. Doch mag man sich manches Mal fragen, ob sie nicht einfach nur Glück gehabt mit Ihrer mutigen Konfrontationsstrategie. Ist die Strategie naiv? Nein, nur unvoreingenommen, und so liefert ihr Buch eine zentrale Erkenntnis, die sie so formuliert hat: „Rassismus funktioniert nur, wenn Menschen mit Hass gefüttert werden. Aber – selbst wenn Rassisten Tag für Tag ihre Dosis Hass fressen, es kann sie doch täglich erwischen. Dann nämlich, wenn sich zwei gegenüberstehen und sich kennen lernen.“

Und so steht am Ende ihrer Begegnungen auch eine positive Wendung. Es ist die Geschichte von Chris, mittlerweile Ex-Neonazi aus Dresden. Mo Asumang zählt ihn zu ihren Freunden. Für ihr Buch ist sie ihm zweimal begegnet. Bei der zweiten Begegnung ist er ausgestiegen aus der rechten Szene. Die Konfrontation mit Mo Asumang hat ihm gut getan und ihren Teil zu zu einer Änderung seines Lebensweges beigetragen. Heute nennt er sich „Demokrat in Ausbildung“.

Stefan Ringstorff

Mo Asumang: Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis. Frankfurt am Main 2016. 272 S. 14,99 Euro

Beitrag teilen:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.