Ein Überblick zur Orientierung

In Ausnahmesituationen, wie wir sie heute erleben, ist es wichtig, sich auf solide wissenschaftliche Daten zu stützen. Genau das tut die Politik und kann deshalb die Einschränkungen unserer Freiheitsrechte begründen. Wir geben einen Überblick über seriöse Informationsquellen. Schauen Sie genau, wem Sie vertrauen können.

 

In Zeiten von Corona ist es nicht einfach, einen kühlen Kopf zu behalten und die vielen Informationen einzuordnen und zu beurteilen. Wer viel auf Social Media unterwegs ist, hat noch mehr Mühe, seriöse Informationen von der heißen Luft zu unterscheiden, die einzelne „kritische Aufklärer“ gerade produzieren. Wir empfehlen, sich an seriöse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu halten und geben Ihnen einen Überblick, Stand 20. März 2020:

Das Robert-Koch-Institut ist die erste Anlaufstelle für aktuelle Informationen zu Zahlen, Verbreitung der Infektionen und Empfehlungen für Hygiene und Schutz. Jeden Tag gibt es ein Pressebriefung des Leiters Lothar Wieler, das man per Livestream z.B. über youtube verfolgen kann. Zur Website vom RKI

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet aktuelle Informationen, auch zu allgemeinen politischen Maßnahmen. Denn das Infektionsschutzgesetzt gibt den staatlichen Behörden im Fall einer Seuche oder Pandemie weitreichende Kompetenzen. Zur Website der Behörde

Da die Maßnahmen in Deutschland aber auf förderaler Ebene angeordnet werden, muss jede Bürgerin, jeder Bürger auf der offiziellen Websites ihres Bundeslandes schauen, welche Maßnahmen jetzt verpflichtend sind.

Podcast Drosten mit den besten Infos

Wer als Laie mehr über die Hintergründe der Corona-Krise erfahren möchte, ist beim NDR-Podcast des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité gut aufgehoben, der werktags täglich gesendet wird. Auch die Skripte sind verfügbar, falls man keine Zeit hat, die ca. 30 Minuten zuzuhören.

Drosten erklärt sachlich, kompetent, unaufgeregt und sehr menschlich aktuelle Entwicklungen, Studien, politische Maßnahmen. Er beantwortet Fragen der Wissenschaftsjournalistin, etwa dazu, wie bedrohlich die Lage ist, was getan werden muss, welche neuen Studien es gibt. Hervorragende Aufklärung. Zum Podcast

Wissenschaftsjournalist Gert Scobel erklärt in einem Video auf seinem youtube-Channel in ca. 30 Minuten, warum das Corona-Virus so gefährlich ist und wie es unsere ichbezogene Gesellschaft so stark herausfordert. Man versteht, was der exponentielle Verlauf bedeutet, warum schnell gehandelt werden muss und Solidarität das Gebot der Stunde ist. Zum Video

Ist das alles nur ein Medien-Hype?

Und wie reagieren wir? Jeden Tag kursieren in sozialen Medien neue Behauptungen, dass die Corona-Krise ein „Schwindel“ sei, von Medien gehyped und von der Pharmaindustrie gesteuert. Einige Menschen finden die Maßnahmen übertrieben („Was für ein Affenzirkus“), halten sich nicht daran, z.B. zu Hause zu bleiben und Verwandte und Freunde nicht zu treffen. Manche feiern obendrein noch Corona-Parties und wollen sich in ihrer „Freiheit“ nicht einschränken lassen.

In der Fernsehsendung Scobel vom 19. März 2020, „Corona, Demokratie und Angst“ sprach die Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber davon, dass es fünf Phasen gibt, die wir innerlich in der Krise durchlaufen: 1. Leugnen, 2. Panik, 3. Isolation, 4. Depression und 5. Normalisierung bzw. Akzeptanz. Die Phase des Leugnens scheint bei einigen noch anzudauern. Zur Scobel-Sendung

Ein Beispiel dafür ist Dr. Wolfgang Wodarg, einer derjenigen, die sich als „kritische Aufklärer“ sehen. Er ist Mediziner, hat ein Gesundheitsamt geleitet und argumentiert wissenschaftlich. Für ihn ist Covid-19, kurz gesagt, nur eines von vielen Grippe-Viren, ziemlich harmlos. Der Test, der jetzt zur Verfügung stehe, sei nicht verlässlich, reine Geldschneiderei.

Christian Drosten, der den Test mitentwickelt hat, hat sich in seinem Podcast am 18. März 2020 in der ersten viertel Stunde ausführlich mit den Aussagen auseinander gesetzt. Er widerlegt Wodarg in entscheidenden Punkten und sagt, kurz zusammengefasst: Die eigentliche Frage ist: Wie viele Erkrankungen treten auf einmal auf. Bei den „normalen“ Grippe-Viren würden nicht so viele Teile der Bevölkerung erfasst, daher hält das Gesundheitssystem stand.

Jetzt hätten wir es aber mit einer Pandemie zu tun. Wenn keine Maßnahmen ergriffen würden, könnten innerhalb weniger Wochen Millionen Menschen infiziert sein, einige davon mit einem schweren Krankheitsverlauf. Es wäre nicht mehr möglich, Schwerstkranken eine adäquate mediznische Versorgung zukommen zu lassen. Zum Podcast

Eine weitere gute Quelle zur Überprüfung von Informationen ist Correctiv, ein gemeinnütziges Recherche-Zentrum investigativer Journalisten. Hier gibt es zurzeit auch Beiträge, die Aussagen im Zusammenhang mit der Corona-Krise beleuchten – ein guter Faktencheck. Zur Website von Correctiv

Natürlich kann man wissenschaftliche Ergebnisse und Einschätzungen diskutieren und anderer Meinung sein. Aber wer zurzeit keine besseren Daten und Argumente hat, sollte den seriösen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vertrauen und statt für Spaltung für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen.

Und nebenbei: Der Verlauf der Pandemie ist im Moment genau so, wie von Wissenschaftlern vorhergesagt. Deshalb ist es sinnvoll, den Handlungsanweisungen zu folgen, auch wenn man sich über einzelne Maßnahmen streiten kann.

Es gibt auch Leute, die die Klimakrise, eine der größten globalen Bedrohungen, für ein Märchen halten und der Mehrzahl der Wissenschaftler misstrauen. Aber welcher vernünftige Mensch wollte sich ihnen anschließen?

Zusammengestellt vom Redaktionsteam Ethik heute