Wer sich selbst verändert, verändert die Welt

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Motivierende Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit

Christophe André, Jon Kabat-Zinn, Pierre Rabhi, Matthieu Ricard: Diese Philosophen, Psychologen und Naturwissenschaftler ermutigen uns in ihrem Buch zu Achtsamkeit, Meditation, Genügsamkeit und Altruismus. Wer etwas bewegen will, findet hier wertvolle Inspirationen.

Wie können Menschen angesichts der sozioökonomischen und ökologischen Probleme in unserer globalisierten Welt Kraft und Zuversicht aufbringen, um sich für mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu engagieren? Ein Viertel der Menschheit verbraucht drei Viertel der Ressourcen. Überbevölkerung, Unterernährung, Umweltzerstörung, Klimawandel und entfesselte Finanzmärkte bedrohen uns und nachfolgende Generationen. Dass es „so“ nicht weiter gehen kann, ist den meisten Menschen klar. Dennoch steckt die Mehrheit angesichts dieser gewaltigen Herausforderungen resigniert den sprichwörtlichen Kopf in den Sand, während sich eine Minderheit sozial, humanitär oder politisch engagiert und dabei Überforderung oder sogar Scheitern riskiert.

Erst meditieren, dann aktiv werden

Vier prominente Wissenschaftler mit psychologischem, medizinischem, ökologischem und philosophischem Hintergrund wollen uns mit ihrem Buch “Wer sich verändert, verändert die Welt” Mut machen. Ihre Botschaft: Ihr müsst euch weder ängstlich zurückziehen noch resigniert aufgeben! Ihr könnt zu einem Wandel beitragen, indem ihr euch zunächst auf euch selbst besinnt! In ihren aufeinander Bezug nehmenden Essays empfehlen die Autoren die Achtsamkeitsmeditation als Kraftquelle für eine veränderte individuelle Haltung, die sich positiv auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirken soll und bieten darüber hinaus konkrete Handlungsvorschläge an.

Jon Kabat-Zinn: „Achtsamkeit – die Revolution von innen“

Jon Kabat-Zinn (Foto: Tony Maciag / Center for Mindfulness)
Jon Kabat-Zinn (Foto: Tony Maciag / Center for Mindfulness)

Jon Kabat-Zinn ist Verhaltensmediziner und gilt als Vater der therapeutischen Achtsamkeitsmeditation. Das von ihm entwickelte Programm zur Stressbewältigung wird weltweit in mehr als 700 Kliniken unterrichtet. Wie er anmerkt, hätte die Achtsamkeitsmeditation bis vor nicht allzu langer Zeit lediglich als „seltsame Marotte von ein paar Ökos und New-Age-Spinnern“ gegolten. Inzwischen würden wir jedoch zum ersten Mal erleben, dass sich zwei unterschiedliche Erkenntniswege verbinden: ein moderner wissenschaftlicher Ansatz und eine über Jahrtausende entwickelte spirituell-philosophische Methodik.
Immer mehr Menschen würden im medizinischen Sektor auf die Achtsamkeitsmeditation zurückgreifen. Zahlreiche Studien hätten klar gezeigt, dass Patienten ihre Symptome, darunter auch Ängste und Depressionen, damit lindern könnten. Vor allem aber ist die Achtsamkeitsmeditation für Kabat-Zinn ein Werkzeug, das dazu dient, „unsere Erkenntnisfähigkeit und Klarsicht zu schulen, um in Geist und Herz ein Gleichgewicht zu entwickeln, das sich als emotionale Intelligenz, als Mitgefühl und Wohlwollen ins uns ausdrückt“. Sie würde uns dazu einladen, „geistige Fähigkeiten zu kultivieren, die bereits in uns angelegt sind“.

Christophe André: „Frei werden von einer Gesellschaft, die uns entfremdet“

Christophe André (Foto: Florian Kleinefenn)
Christophe André (Foto: Florian Kleinefenn)

Christophe André ist einer der bekanntesten Psychiater Frankreichs. Er hat als einer der ersten in der Psychotherapie mit Achtsamkeitsmeditation gearbeitet. André beklagt die Überbetonung materieller Werte wie Geld, Besitz und Status auf Kosten eher immaterieller Werte wie Teilen, Spiritualität und Zufriedenheit. Auch Zeitdruck und digitale Reizüberflutung würden zu unserem Unwohlsein und unserer Ablenkung beitragen. Ihm zufolge wäre es ein Fehler zu glauben, dass wir einen freien Willen besäßen und gegen diese Einflüsse gefeit seien.
Die Achtsamkeitsmeditation könne uns hingegen „zu einer höheren Sensibilität führen und uns vor dem Dauerfeuer mentaler Gifte schützen, die uns immer weiter in die materialistische Grundhaltung hineinlocken“ wollten. André empfiehlt stattdessen die Pflege anderer Werte wie zum Beispiel „Offenheit für den Augenblick, für unsere Mitmenschen und unsere Gefühle“. Würden wir die Tugenden, „von denen wir möchten, dass die Welt ihnen folgt, nicht in uns tragen und vorleben“, könnten wir weder andere Menschen mit unseren Ideen „anstecken“ noch Problemen und Widrigkeiten standhalten.

Pierre Rabhi: „Genügsamkeit als Alternative“

Pierre Rabhi (Foto: Laurent Villeret / Picturetank)
Pierre Rabhi (Foto: Laurent Villeret / Picturetank)

Pierre Rabhi ist Bauer, Philosoph und Begründer der Agro-Ökologie. Wie er anmahnt, könnten wir nicht einfach weiter den grenzenlosen Profit in den Mittelpunkt unserer Bestrebungen stellen und die Belange von Mensch und Natur dauerhaft ausblenden. Der Wunsch nach immer mehr Konsum und Bereicherung hätte unsere Gesellschaft verändert und einen Teufelskreis der Verschwendung in Gang gesetzt. Der Konsumwahn sei eine „Kompensation“, ein Versuch, „die innere Leere zu füllen“.
Rabhi sieht den Ausweg in einer „neuen Genügsamkeit“: Jeder Einzelne könne den „Teufelskreis aus Gier und mangelnder Befriedigung für sich durchbrechen“. Wir sollten die Produkte multinationaler Konzerne im Regal liegen lassen, weil diese einen sehr negativen Einfluss auf die Welt ausübten. Wer die Welt verändern wolle, müsse als Individuum erst einmal lernen, zufrieden und bescheiden zu sein. Globalen Wandel würde es nur geben, wenn ihm der Wandel des Menschen vorausginge: „Ändert sich der Mensch nicht, ändert sich auch alles andere nicht.“

Matthieu Ricard: „Die Welt von morgen wird altruistisch sein“

Matthieu Ricard (Foto: Pierre Verdy / AFP ImageForum)
Matthieu Ricard (Foto: Pierre Verdy / AFP ImageForum)

Matthieu Ricard ist Molekularbiologe, Fotograf und Autor. Er lebt seit Jahrzehnten als buddhistischer Mönch und engagiert sich für humanitäre Hilfsprojekte. Ricard fordert uns zur Abwendung von einer Kultur auf, die sich den Individualismus und das „Jeder ist sich selbst der Nächste“ auf die Fahnen geschrieben hat. Wir müssten unsere innere Einstellung, unsere Grundmotivation und unsere Prioritäten dementsprechend ändern und uns stärker an Werten wie Altruismus und Zusammenarbeit orientieren.
Ricard sagt, Verbundenheit mit anderen könne man lernen: Viele wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen von Meditation hätten ergeben, dass die Fähigkeit, Mitgefühl zu entwickeln, weder vom Geschlecht noch vom (westlichen oder östlichen) Hintergrund abhänge. Er baut deshalb auf „innere Einfachheit und Glück“: Wir könnten anderen dabei helfen, sich besser zu fühlen. Unsere Erfahrungen und die psychologische Forschung würden immer wieder zeigen, dass es Werte wie Freundschaft, soziale Kontakte und Zufriedenheit wären, welche uns echte Zufriedenheit empfinden lassen. Wenn also genügend Menschen ihre geistige Grundhaltung ändern würden, könnten sie damit die Kultur und damit auch die Institutionen beeinflussen.

Eine neues Bewusstsein in die Tat umsetzen

Das zuvor in Frankreich veröffentlichte Gemeinschaftswerk „Wer sich verändert, verändert die Welt“ war dort mit rund 30.000 verkauften Exemplaren ein „kleiner Bestseller“. Das mag auch an der Prominenz der Autoren liegen, denn Bücher, die zu einem Bewusstseinswandel aufrufen, gibt es schließlich nicht erst seit gestern. Man könnte an den vier Essays kritisieren, dass sie allzu philosophisch angelegt sind und letztlich im Ungefähren bleiben, wenn da nicht der gut zusammengestellte Anhang wäre: Wer wirklich etwas bewegen will, findet hier nützliche Kurzvorstellungen und Kontaktdaten ausgewählter Projekte.
Astrid Triebsees
Christophe André, Jon Kabat-Zinn, Pierre Rabhi, Matthieu Ricard: Wer sich verändert, verändert die Welt. Kösel Verlag, München 2014. 256 Seiten, 19,99 Euro

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Sicherlich, «wer sich verändert, verändert die Welt». Die französische Philosoph Louis Cattiaux (1904-1953) in “Die Wiedergefunde Botschaft” (Verlag Herder, Basel, 2010, S. 140): «Wenn sich jeder vereinfachen würde, ohne zu warten, dass der Nachbar anfängt, wäre die gesamte Menschheit schnell glänzend vor Schöhnheit und vor Heiligkeit»!

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