Welzer

Die Welt verändern, aber wie?

Die Zukunft selbst in die Hand nehmen

Professor Harald Welzer hat eine Mission: Er will die Welt verändern. Doch er kann es nicht, jedenfalls nicht allein. So ruft er jeden Einzelnen auf, diese Welt mitzugestalten und nicht der Politik und den Konzernen zu überlassen.

Harald Welzer hat eine Mission: Er will die Welt verändern. Und er hat ein Problem: Er kann es nicht, jedenfalls nicht allein. Das Buch ist ein Aufruf an jeden Einzelnen, diese Welt mitzugestalten und nicht der Politik und den Konzernen zu überlassen.

Welzers Analysen sind scharf: Die Probleme der Welt heute bedrohen menschliches Leben auf der Erde insgesamt. Wie, so argumentiert er, könne man auf die Idee kommen, diese mit den Mitteln zu lösen, die sie verursacht haben: Wachstum, Technikgläubigkeit, Ressourcenausbeutung.

Seine Kritik am System, die er im ersten Teil des Buches ausbreitet, ist teilweise beißend, etwa wenn er den Konsumismus als „totalitär“ bezeichnet und das Krisenmanagement heute mit dem „Breschnews und Honeckers“ vergleicht. Er spart auch nicht mit Kritik am Einzelnen: „Ich selbst bin das Problem, das gelöst werden muss, wenn unsere Welt zukunftsfähig werden soll“, ist ein Schlüsselsatz.

Im zweiten Teil des Buches trägt Welzer viele Ideen zusammen von Menschen, die „selbst denken“, sich nicht dem Mainstream beugen und andere Lebensmodelle entwickeln. Er stellt alternative Ideen und Projekten vor: Initiativen Einzelner, die Güter miteinander teilen, tauschen oder reparieren, Nutzungsinnovationen, etwa die Nutzung von städtischen Parkanlagen als gemeinschaftliche Gärten, sowie große Ideen wie die Gemeinwohlökonomie, in der nicht Gewinn und Verlust für das Unternehmen bilanziert werden, sondern für die Gesellschaft als Ganze.

Dahinter steht die Überzeugung: Man braucht keine Mehrheiten, um etwas zu verändern, sondern drei bis fünf Prozent der Bevölkerung reichen. Das Buch macht Hoffnung und ermutigt uns, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Und doch fragt man sich, ob nicht etwas Entscheidendes fehlt: die spirituelle Dimension des Menschseins. Denn, so könnte man Harald Welzer fragen: Wie kann sich die Welt verändern, wenn der Mensch selbst sich nicht verändert oder nur auf einer äußeren, oberflächlichen Ebene des Handels?

Birgit Stratmann

Harald Welzer: Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand. S. Fischer Verlage, Frankfurt 2013. 336 S., 19,99 €

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