Wie geht digitale Nachhaltigkeit?

Ein Buch von Malte Spitz

Daten als „Öl des 21. Jahrhunderts“? Der Vergleich ist gewagt. Grünen-Politiker und Netzaktivist Malte Spitz nutzt ihn, um zentrale Fragen des digitalen Zeitalters aufzuwerfen, insbesondere wie ein nachhaltiger Umgang mit Daten aussehen könnte. Spitz fordert eine gesellschaftliche Debatte.

 

Unzählige Bücher und Artikel sind in den letzten Jahren veröffentlicht worden, die ein düsteres Bild des digitalen Zeitalters zeichnen. Grünen-Politiker und Autor Malte Spitz, 1984 geboren und selbst ein Digital Native, geht in seinem Buch differenziert an die Sache heran: Er sieht die großen Chancen der digitalen Welt und plädiert dafür, jetzt die Weichen zu stellen, um verantwortungsvoll damit umzugehen.

Für sein Buch hat er in den USA und Europa recherchiert und Experten aus unterschiedlichen Bereichen getroffen: Sicherheitspolitiker, Unternehmer, Historiker, Soziologen, Forscher und Investoren. Er versucht, die verschiedenen Perspektiven auf das Thema Daten einzubringen.

In den Hauptkapiteln zu den Themen Freiheit, Gesellschaft, Sicherheit und Demokratie wirft der Autor wichtige gesellschaftliche Fragen auf, die bisher noch völlig ungeklärt sind:

Wie viel Freiheit haben wir noch, wenn Unternehmen Zugriff auf persönliche Daten haben, wenn Maschinen „Entscheidungen treffen“ und, etwa in China, mit Bewertungssystemen und digitalem Pranger soziales Verhalten eingefordert wird? Spitz regt an, darüber nachzudenken, wie ein gutes Leben im digitalen Zeitalter aussehen könnte.

Wie verändert sich die Gesellschaft, wenn wenige Technik-Firmen über die Zukunft der Gesellschaft entscheiden und Innovationen sich nicht an den Bedürfnissen des Menschen orientieren, sondern am Profitdenken. Nicht jede Innovation müsse mitgemacht werden, gibt der Autor zu bedenken, und niemand sei verpflichtet, sein Haus total digital zu vernetzen.

Dann die Frage, wie man mittels Daten die demokratische Ordnung beeinflussen kann. Klar ist: Datenkonzerne sind mit ihrer gewaltigen Wirtschaftskraft auch politische Akteure und Meinungsbildner. Spitz formuliert seine Kernbotschaft: „Selbstbestimmung über uns, unsere Daten und unser Leben in der digitalen Welt ist entscheidend für ein lebenswertes Leben.“

Schutz der Privatsphäre

Aufhänger des Buches ist die oft gestellt Frage nach den Parallelen zwischen Daten und Öl; immer wieder wird darauf Bezug genommen. Doch der Vergleich wirkt ziemlich konstruiert und wenig erhellend. Vor allem in einem Punkt aber kann er die Augen öffnen: Regierungen seien, wie schon beim Ölboom, viel zu zögerlich, die negativen Auswirkungen zu adressieren. So lange sollte man beim Digitalen nicht warten.

Spitz spricht von digitaler Nachhaltigkeit. Doch was er genau damit meint, bleibt vage. Regulierung gehört dazu, ebenso der Schutz der Privatsphäre und die Stärkung der Verbraucher gegenüber den Konzernen.

Doch wie das konkret umgesetzt werden soll, ist offen. Vielmehr ist Spitz daran gelegen, eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Und damit hat er recht: Wir müssen uns, statt uns bequem mit dem Smartphone im Sofa zurückzulehnen, viel häufiger fragen, welche Folgen unser digitaler Konsum für die Gesellschaft als Ganzes hat.

Birgit Stratmann

Malte Spitz: „Daten – das Öl des 21. Jahrhunderts? Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter“, Hoffman und Campe, Hamburg 2017, 240 Seiten, 16 Euro

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