Ein Buch des Philosophen Christoph Quarch

Tag für Tag müssen wir Entscheidungen fällen, und einige sind wegweisend für uns und andere. Der Philosoph Christoph Quarch nennt in seinem Buch „Nicht Denken ist auch keine Lösung“ Faktoren, die wichtig sind. Ein kluger Ratgeber, der uns hilft, selbst zu denken und gut zu entscheiden.

Die Frage, wie wir zu guten Entscheidungen kommen, beschäftigt uns zeitlebens. Manche Entscheidungen fallen uns leicht, bei anderen geraten wir ins Grübeln, finden keine Lösung und empfinden den Prozess der Entscheidungsfindung als Qual. Oft stehen uns eine Unmenge an Optionen zur Verfügung. Die Globalisierung, die Digitalisierung und die wachsende Mobilität machen es möglich. Am Ende halten wir uns alles offen, um ja nichts zu verpassen.

Viele Experten stehen uns mit ihren Ratgebern zur Seite, wenn es um Hilfe bei wichtigen Entscheidungen geht. Nun hat der Philosoph Christoph Quarch ein Buch geschrieben, dass sich aus Sicht seiner eigenen Disziplin mit der Frage beschäftigt, wie wir klar, entspannt und ohne Reue Entscheidungen treffen können.

Eines kann ich vorwegnehmen. Das Buch ist tatsächlich ein Ratgeber, das hätte ich dem Klischee der Philosophie als Elfenbeinturm-Disziplin entsprechend nicht erwartet. Das Buch von Quarch erweist sich als erstaunlich lebenspraktisch. Es geht zwar nicht gleich an die Praxis, aber wer das Buch zu Ende liest, erhält viele Anregungen, wie stimmige Entscheidungen getroffen werden können.

Der Kern der Entscheidung liegt für Quarch schon im eigentlichen Wortsinn: „Sie entscheiden sich. Das heißt: Sie heben eine Scheidung auf, die Sie in sich tragen – und die Sie unbefriedigt lässt, solange sie andauert. Es geht beim Ent-scheiden mithin vor allem darum, so etwas wie eine innere Einigkeit, Ungeschiedenheit (nicht zu verwechseln mit Unentschiedenheit), einen inneren Einklang mit sich selbst zu erzeugen oder wiederzugewinnen.“

Dabei ist zu differenzieren, um was für Entscheidungen es dabei eigentlich geht. Alles, was unter die Frage „Was will ich haben“ fällt, ist meist leicht und rational anhand von objektiv vergleichbaren Informationen zu treffen. Die anderen Entscheidungen drehen sich um: „Was will ich sein“ – und genau darum geht es diesem Buch.

Lektion im Menschsein

Christoph Quarch nimmt uns an die Hand. Zunächst setzt er das Fundament zur eigenen Entscheidungsfindung, der für ihn im Weg der Selbsterkenntnis liegt. Der Autor bemüht die großen Philosophen und stellt das „Gnothi sauton! Erkenne dich selbst!“, die Inschrift am Tempel von Delphi, an den Anfang.

Sein Buch ist aber keine Aufforderung zur Introspektion, sondern eine Lektion im Menschsein. Und so tauchen im ersten Teil des Buches auch große Erkenntnisse der Philosophie auf. Es sind Kierkegaard, Heidegger und Sartre, die Quarch zu der zentralen Aussage bringen: „Wir können gar nicht anders, als uns irgendwie für oder gegen etwas zu entscheiden – und wenn es nur das eigene Dasein ist, das wir bejahen oder auch verneinen können.“

Wem das zu harte Kost ist, dem wird der zweite Teil des Buches mehr Freude bereiten. Er ist durchaus auch für philosophie-uninteressierte Leser geeignet. Hier geht es um konkrete Entscheidungshilfen anhand vieler sehr kurzweiliger Bespiele.

Es gelingt dem Autor, wie versprochen, die Fallbeispiele so zu schildern, dass sie wirklich auf eigene Erfahrungen hin anwendbar sind. Sie sind plausibel und nachvollziehbar geschildert. Mal sind es Alltagssituationen, wie die Frage, ob ich das Tempolimit überschreite, um nicht das Flugzeug zu verpassen. Mal sind es moralische Fragen, etwa ob ich einem Bettler Geld gebe oder nicht,. Dann wieder sind es die ganz großen Dinge im Leben, wie die Frage, ob ich kündige oder weiter in einem unbefriedigenden Job bleibe.

Quarch gelingt es zu klar und deutlich erklären, welche Faktoren in der jeweiligen Situation zu bedenken sind und wie sie zu gewichten sind. Er zieht dabei interessante Parallelen zu philosophischen Werken.

Stefan Ringstorff

Christoph Quarch: Nicht Denken ist auch keine Lösung. Wie Sie gute Entscheidungen treffen. Gräfe und Unzer Verlag, München 2018, 208 Seiten