Facebook nutzen, um gesellschaftlich aktiv zu sein

Julia Tim/ shutterstock.com
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Ein Gastbeitrag von Eva Ihnenfeldt

Die Bloggerin Eva Ihnenfeldt ist seit über zehn Jahren in sozialen Netzwerken aktiv. Gerade wer gesellschaftlich etwas bewegen will, solle die Netzwerke nutzen, um sich mit anderen zu verbinden, so ihre Überzeugung. „Kommt dazu und probiert´es aus“, so Ihnenfeldt.

 

Greta Thunberg ist auf Facebook, Twitter, Instagram. Die Klima-Aktivistin aus Schweden hat mit ihren charismatischen Botschaften und ihrer konkreten politischen Tat – Schulstreik jeden Freitag – eine weltweite Bewegung unter Kindern und Jugendlichen ausgelöst, die unter dem Hashtag #FridaysForFuture verfolgt werden kann.

Von ihren erschütternden Reden gibt es bei YouTube unzählige Videos in den verschiedensten Sprachen – mit mehreren Millionen Views. Was wäre Greta Thunberg ohne Social Media? Diese Frage verbietet sich eigentlich von selbst. Die Fakten sprechen eine eigene Sprache. Und wohl niemand wird bestreiten, dass die Kinder- und Jugendproteste und Schulstreiks auf der Kraft der sozialen Netzwerke beruhen. Man informiert sich, vernetzt sich, organisiert und verbreitet sich. Die individuellen und emotionalen Stellungnahmen und Gespräche entfachen das Feuer immer wieder aufs Neue – ohne soziale Netzwerke und deren ureigene Kraft undenkbar.

In analogen Zeiten wäre Greta auf die Unterstützung der Presse und Leitmedien angewiesen gewesen. Das Internet gibt ihr eine eigene Stimme, und ihren Anhängern gibt Social Media die Möglichkeit, weltweit Beziehungen zu knüpfen und virale Kampagnen durchzuführen.

Sich engagieren heißt, bewegen wollen

Organisationen haben unterschiedliche Motive, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Behörden wollen die Bürger informieren; kommerzielle Unternehmen wollen Wachstum, Handlungsautonomie und Gewinn; NGO’s brauchen Zuspruch für ihre Themen, Einfluss und starke finanzielle Ressourcen.

Gesellschaftliche Bewegungen wollen in den Herzen und Gehirnen ihrer Adressaten wirksam werden und deren spirituelle Einstellungen anregen. Entweder will man sich in einer Filterblase finden, in der Gleichgesinnte sich gegenseitig stärken. Oder man will nach außen wirksam werden und Überzeugungen beeinflussen.

Doch egal, was das Motiv der Bewegung ist – ohne Social Media bleiben Web-Publikationen elektronisch aufbereitete Printmedien. Die Kommentarfunktion in Blogs gleicht den Leserbriefen aus analogen Zeiten. Gespräche finden nicht statt.

Facebook, Twitter, Instagram

Die Frage ist also nicht, ob man überhaupt in soziale Netzwerke gehen sollte – sondern welche Netzwerke den besten Einstieg bedeuten. Im Folgenden ein kleiner Abriss darüber, wie sich Facebook, Twitter und Instagram unterscheiden. Wer mag, kann es bei Greta Thunberg analysieren und überprüfen:

Facebook ist international mit Abstand das größte soziale Netzwerk. Auch wenn es medial immer wieder totgesagt wird, breitet es sich weiter aus und kann von der Zahl der Mitglieder her als bevölkerungsreichstes Land der Welt betrachtet werden. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer beläuft sich auf 2,5 Milliarden Menschen – Tendenz steigend.

Facebook ist ein soziales Netzwerk, das den privaten Menschen anspricht. Man könnte sagen, Facebook ist eine weltweite Party, bei der man mitmachen kann. Jeder Partygast bahnt sich eigene Wege, wie er oder sie sich auf dieser Party verhalten will. Je nach Neigungen und Kommunikationsverhalten bekommt somit jede das, was sie verdient.

Twitter ist ein Echtzeit-News-Aggregator, dessen Alleinstellungsmerkmal in seiner Schnelligkeit und Unkontrollierbarkeit liegt. Dass Twitter im Gegensatz zu Facebook öffentlich ist und anonym genutzt werden kann, verzeichnet es gerade in politischen Fragen eine große Einflusskraft.

Twitter nutzen weltweit ca 212 Millionen Menschen – Tendenz leicht sinkend. Bevorzugte Themen bei Twitter sind Politik, Digitalthemen, Sport, Celebrities und Entertainment. Hauptsächlich wird Twitter von journalistischen Accounts und Bloggern genutzt.

Instagram, das visuelle Social Network von Facebook, wächst rasant. Anfang 2019 betrug die weltweite, monatlich aktive Nutzerzahl 800 Millionen Menschen – davon sind 60 Prozent täglich aktiv.

Die Menschheit schweißt sich zusammen

Ich bin seit über zehn Jahren in sozialen Netzwerken unterwegs und habe viele Phasen durchlaufen. Von der Facebook-Verweigerung („BILD-Zeitung für`s Volk“) bis zur Facebook-Begeisterung (ein riesiger Marktplatz von Menschen und Experten, die mir etwas bedeuten) – von der Twitter-Community (danke den Nerds, dass ich dabei sein darf) bis zum reinen Twitter-News-Archiv (zu umständlich, mir aus den vielen Tweets die relevanten herauszufischen) habe ich vieles ausprobiert.

Habe durchaus auch schon gestritten – und natürlich habe ich auch schon entfreundet und bei Twitter blockiert. Sobald mit etwas nicht guttut, schalte ich es aus. Dank dieser gewonnenen Angstfreiheit vor Konsequenzen bewege ich mich bei Facebook und Twitter wie ein Fisch im Wasser.

Mich stört es nicht, wenn Facebook-Freunde mich für albern, eitel, liebestrunken oder missionarisch halten. Ich mag es sogar, dass ich so unperfekt bin und dass sicher der ein oder andere immer mal wieder seufzend den Kopf schüttelt, wenn Eva mal wieder was in die Welt geschleudert hat. Alles gute Leute, die dürfen ruhig lachen, protestieren, mich ermahnen oder verbessern. Wenn sie es lieb tun, ist es doch ein unfassbar kostbares Geschenk! Es gibt mir Geborgenheit!

Die Menschheit im Stillen schweißt sich immer weiter zusammen über Facebook-Gruppen, Reddit, Foren, Blogs und WhatsApp. Man gesteht sich Probleme, spinnt gemeinsame Visionen aus, plant gemeinsame Projekte oder gibt sich Tipps bei gesundheitlichen Problemen. Es lässt sich nicht mehr rückgängig machen, mögen die Verweigerer noch so sehr dagegen wettern.

Mein Wunsch: Kommt dazu und probiert Euch aus! Es kann ja nichts passieren! Wenn Ihr wirklich merken solltet, dass es nichts für Euch ist, dann geht eben irgendwann wieder! Und dann kommt zurück, wenn Ihr es Euch anders überlegen solltet.

Eva Ihnenfeldt

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Eva Ihnenfeldt ist Expertin für Social Media Marketing. Sie berät und begleitet Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Sie betreibt den Blog Steady News

 

 

 

 

 

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Ich finde, Frau Ihnenfeldt hat Recht. Es liegt in der Verantwortung einer/eines jeden, wie man mit einem Instrument umgeht, sei es ein digitales oder ein analoges. Mit einem Hammer kann ich einen Nagel zum Aufhängen eines wunderschönen Bildes in die Wand schlagen. Ich kann damit aber auch jemanden töten. Es liegt also nicht am Hammer! Genauso verhält es sich mit Social-Media. Ich allein entscheide, ob und wie ich sie nutze, so dass es mir gut tut. Sie bieten so wunderbare Möglichkeiten, wie Frau Ihnenfeldt das so treffend beschreibt, aber es gibt wie bei allem auch Nachteile. Wichtig ist m.M.n., immer wieder bewusst zu entscheiden, wie ich Social-Media in einer guten Weise nutzen kann.

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