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Illustration einer Krebszelle

Für einen friedlichen Umgang mit Krebs

Standpunkt einer Betroffenen

Krebs ist eine bösartige Krankheit, die mit scharfen Mitteln bekämpft werden muss, so ist die gängige Vorstellung. Kerstin Chavent, selbst betroffen, hat einen anderen Weg eingeschlagen: Sie wollte verstehen, was der Krebs ihr zu sagen hat, und setzt auf ganzheitliche Wege zur Heilung.

 

 

Killerzellen greifen den Körper an. Aus dem Hinterhalt überfallen sie ihn und entwickeln sich über Jahre hinweg unbemerkt. Bösartige Tumoren machen sich im Organismus breit, Schreckensmonstern gleich, die einen langsam von innen auffressen. Das ist die heute geläufige Vorstellung von Krebs.

Mit diesem Bild vor Augen begab ich mich 2012 nach meiner Diagnose Brustkrebs in die Schlacht. Dem Bösen, dem Entarteten in mir wurde mit scharfer Artillerie zu Leibe gerückt. Es wurde vergiftet, verbrannt, herausgeschnitten: Chemotherapie, Radiotherapie, chirurgischer Eingriff.

An meiner Seite kämpften Heerscharen von Spezialisten. Keiner von ihnen konnte mir garantieren, dass die Strategie anschlagen würde. Jeder Mensch ist anders, versicherte man mir, während man mir eine Behandlung zukommen ließ, die bei Millionen Menschen angewendet wird. Zusammen konnten wir nur hoffen.

Mehr als die Hälfte aller an Krebs erkrankten Patienten überlebt schon die ersten fünf Jahre nicht. Viele erkranken nach dieser Frist an Zweittumoren oder an den Folgen der aggressiven Behandlung. Die Therapie selbst ist hoch krebserregend und kann das Immunsystem dauerhaft schädigen.

Meine Überlebenschancen lagen bei 90 Prozent, sagte man mir. Aber verschwieg, dass sich diese Aussicht auf fünf Jahre bezog. Man klärte mich ebenfalls nicht über die möglichen langfristigen Nebenwirkungen auf: Erhebliche Organschäden, Herzprobleme, Gedächtnisverlust, dauerhafte Nervenschädigungen, unter vielen anderen.

Heute, sechs Jahre später, bin ich am Leben. Und mit mir der Gedanke an das Rezidiv. Denn nur selten spricht man bei Krebs von dauerhafter und endgültiger Heilung. Das Böse in mir kann wiederkommen. Regelmäßige Kontrollen sollen das vermeiden. Verhindern können sie es nicht. Wie sollte ich mit dieser Aussicht weiterleben?

Ich habe mich entschieden, die Waffen niederzulegen

Viele Menschen sind heute betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken und zu sterben wird immer größer. Statistisch gesehen bekommt heute jeder Dritte Krebs. Tendenz steigend. In Zukunft, so lauten die Prognosen, könnte Krebs die Herz-Kreislauferkrankungen als Todesursache Nummer 1 ablösen.

Wird der Krieg niemals enden? Der beklemmende Schauer, wenn man nicht merkt, wie der Feind sich heranschleicht und die schreckliche Angst, sein eigenes Leben oder geliebte Menschen auf diese Weise zu verlieren? Diese entsetzlichen Bilder von ausgemergelten Körpern, kahlen Schädeln und dunklen Augenhöhlen? Wie sollte ich, eine bereits Gebrandmarkte, jemals wieder unbeschwert sein?

Ich habe mich dazu entschieden, die Waffen niederzulegen. Nicht, weil ich resigniert habe. Sondern weil ich aus tiefster Überzeugung glaube, dass Krieg, wie auch immer er geführt wird, niemals die Lösung bringen kann. Und tatsächlich erinnert bei der konventionellen Krebstherapie heute vieles an die Kriege des letzten Jahrhunderts:

Die Chemotherapie ist kein Medikament im eigentlichen Sinne, sondern ein Derivat des Senfgases, das erstmals im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Die Wirksamkeit der medizinischen Strahlentherapie wurde in ihrer Wucht erstmals am Ende des Zweiten Weltkrieges erwiesen.

Heute, so heißt es, breitet sich der Feind, das Entartete, in unseren Körpern aus. Doch von dieser Herangehensweise an ein Problem konnte ich mir keine dauerhafte Lösung versprechen. Ich wollte Frieden und Harmonie. Ich wollte unterbrochene Verbindungen wieder aufnehmen und beschloss, meinen Körper als Partner in meinem Heilprozess anzunehmen, was auch immer er mir sagte.

Der Feind als Botschafter

Ich bin Lehrerin für Fremdsprachen. Ich kenne mich gut in Kommunikation aus und weiß um die Wichtigkeit von Worten. Also begann ich, mein Vokabular zu ändern. Krebszellen sind nicht bösartig – wie könnte auch eine Zelle bösartig sein? – sondern krank. Krankes bombardiert man nicht. Man pflegt es.

Das Problem von Krebszellen ist, dass sie durch einen Kopierfehler ihre Fähigkeit zur Kommunikation mit ihrer Umgebung verloren haben. Sie haben sich vom Gesamten abgeschnitten und führen sozusagen ihr Eigenleben nach ihren Regeln. Das tun sie nicht mit der Absicht, mir zu schaden. Sie tun es einfach, weil etwas bei mir aus dem Ruder gelaufen und ein Ungleichgewicht entstanden ist. Die Informationen konnten nicht mehr richtig weitergeben werden.

Diese Vorstellung nahm mir die Angst. Ich musste gar nicht kämpfen und mich bis an die Zähne bewaffnen. Ich konnte die weiße Fahne hissen. So stellte sich der Feind schließlich als Botschafter heraus. Er war gekommen, um mir mitzuteilen, dass etwas in meinem Leben nicht stimmte. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, worum ich mich zu kümmern hatte.

Es war ein subtiler Vorgang der Kommunikation, für den ein feines Gespür notwendig war. Ich habe gelernt zu meditieren, mir den Tumor in meiner Brust bildlich vorzustellen und Visualisierungen zu entwickeln, wie er wie Schnee in der Sonne schmolz oder wie ein Häufchen Sand vom Meer weggespült wurde.

Der Radiologe Carl Simonton hatte bereits in den 1950er Jahren großartige Erfolge mit dieser Methode. Die traditionelle chinesische Medizin und die indische Heilkunst Ayurweda arbeiten schon immer mit Mantren und Visualisierungen, um Tumore zum Verschwinden zu bringen.

Andere Heilansätze

Ich entdeckte, dass es bei Krebs durchaus natürliche und lange erprobte Heilansätze gibt, von denen aber kaum gesprochen wird. Der Nobelpreisträger Otto Warburg zum Beispiel fand in den 1930er Jahren heraus, dass jeder Krebserkrankung eine Übersäuerung des Körpers zugrunde liegt. Zur selben Zeit entwickelte der deutsche Arzt Max Gerson eine auf Ernährung basierende Therapie, mit der bis heute viele Krankheiten, auch Krebs, behandelt werden können.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfand der französische Arzt André Gernez ein auf Fastenkuren basierendes Heilprogramm. In Indien werden Menschen mit dem auf Homöopathie basierenden Banerji-Protokoll seit über 100 Jahren gegen Krebs behandelt. Und der nach seinen Entdeckungen von der Ärztekammer ausgeschlossene deutsche Arzt Ryke Geerd Hamer wies anhand von Tausenden Gehirnscans nach, dass ein verdrängter emotionaler Schock Tumoren auslösen kann. Demnach kann Heilung erfolgen, wenn das Schockerlebnis verarbeitet ist.

Nach Befragung ehemaliger Patienten und Gesundheitsspezialisten in der ganzen Welt dokumentiert der Amerikaner Ty Bollinger in seiner Filmreihe Die Wahrheit über Krebs, dass Heilung keine Waffen braucht. In diesem Sinne hat auch die amerikanische Ärztin Kelly Turner ihr Radical Remission Project ins Leben gerufen, in dem ehemalige Krebspatienten von ihrer Gesundung mit natürlichen Mitteln erzählen.

Mit diesen Informationen erhielt ich meine Würde und mein Vertrauen zurück. Ich war nicht mehr Patientin mit erinem einzelnen Organ, das behandelt wird. Ich wurde Mensch mit einem Geist, einer Seele und einem Körper. Ein ganzheitliches Wesen, in dem alles zusammenhängt.

Ich übernehme selbst die Verantwortung

Nach meinen Recherchen und Erfahrungen wundert es mich, auf Spiegel Online von einer neuen Studie zu hören, nach der Krebspatienten, die alternative Wege wählen, ein höheres Risiko haben zu sterben. Dieses Risiko soll auch für Patienten gelten, die konventionelle und alternative Methoden miteinander kombinieren.1 Handelt es sich hier um eine wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache? Wie valide ist die Studie?

Bei derlei Informationen muss bedacht werden, dass der Staat sich heute aus der Finanzierung von medizinischen Forschungsprojekten weitestgehend zurückgezogen hat. Die Studien werden in der Regel von den Laboren finanziert, die entsprechende Medikamente auf den Markt bringen wollen. Richard Horton, der Herausgeber des angesehenen wissenschaftlichen Magazins „The Lancet“, gab schon 2015 seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass dadurch, wie er sagt, über die Hälfte aller wissenschaftlichen Studien „möglicherweise schlicht falsch“ sei.2

Ich gehe meinen Weg unbeirrt weiter. Es geht nicht mehr um Medikamente und Therapien, sondern um mich: um meine Haltung mir selbst gegenüber und um die Frage, was ich angesichts der möglichen Wiederkehr des Krebses tun kann. Ich stelle mir vor, wie ich heute mit einem Damoklesschwert über meinem Kopf lebe.

Ich benutze es jedoch nicht dazu, den Drachen zu töten. Ich nehme es in die Hand und befreie mich von den Schichten, die ich im Laufe meines Lebens um mich herum habe wachsen lassen: meine Härte, meine Verschlossenheit, meine Engstirnigkeit, mein Glaube, schon alles zu wissen, mein Festklammern an Althergebrachtem, meine Widerstände, Neues anzunehmen und eigene Wege zu beschreiten.

Ich übernehme die Verantwortung für meinen Körper und mein Leben. Nicht andere haben zu entscheiden, wie es mit mir weiter geht. Auch wenn ich Hilfe brauche und akzeptiere: Ich bin der Souverän über mein inneres Reich. Ich habe die Macht, Frieden in ihm einkehren zu lassen, indem ich mich für das Licht und die Liebe öffne.

1 Dazu der Artikel auf Spiegel Online: Wie Alternativmedizin Krebspatienten gefährdet

2 „Ein großer Teil der wissenschaftlichen Literatur, vielleicht die Hälfte, ist möglicherweise schlicht falsch. Durch Studien mit zu geringer Fallzahl, vernachlässigbar kleiner Wirkung, nicht stichhaltigen explorativen Analysen und offenen Interessenkonflikten im Verein mit einer Obsession, sich an zweifelhafte modische Trends anzuhängen, geht die Wissenschaft in Richtung geistige Blindheit.“ Zum Artikel in The Lancet

Kerstin Chavent

Kerstin Chavent lebt als Autorin und Sprachlehrerin in Südfrankreich. Sie hat einen eigenen Blog. Jüngste Veröffentlichung „Was wachsen will, muss Schalen abwerfen“. Ihre Bücher: „Krankheit heilt – vom kreativen Denken und dem Gespräch mit sich selbst“, 2014, „Traverser le miroir – de la peur du cancer à la confiance en la vie“ (Den Spiegel durchqueren – von der Angst vorm Krebs zum Vertrauen in das Leben), 2016. „Das Licht fließt dahin, wo es dunkel ist – Zuversicht für eine neue Zeit“ 2017.

 

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