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Make America kind again!

Ryan Rodrick Beiler/ shutterstock.com
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Eve Marko über die Sorgen der Latinos

Trumps Ankündigung, massenhaft illegale Einwanderer abzuschieben, hat unter den Latinos in den USA Angst ausgelöst. Die Amerikanerin Eve Marko berichtet von Netzwerken und Initiativen, die Menschen zu schützen, die schon so lange in den USA leben.

 

„Bei euch gibt es doch nur Kühe und Schafe“, sagen Städter gerne, wenn sie in unsere ländliche Gegend im County Franklin kommen. Ja, es stimmt schon: Menschen sind hier eher rar. Bis zum 21. Januar dieses Jahres hatte ich selbst keine Ahnung, wie viele von uns hier leben. Bis sich an diesem denkwürdigen Tag der landesweiten Frauenmärsche 3000 Frauen, Männer und Kinder in der kleinen Stadt Greenville versammelten, um gegen Trumps Ernennung zum Präsidenten zu demonstrieren.

Gestern blickte ich erneut erstaunt in die Gesichter von mehr als 200 Leuten, die zur Versammlung der von Bernie Sanders gegründeten Bürgerinitiative „Continuing Political Revolution“ zusammengekommen waren. Viele waren zum ersten Mal hier.

Sie waren empört und zutiefst beunruhigt von den Dekreten, die Trump in den ersten Wochen seiner Amtszeit verfasst hatte. Besonders von seiner Ankündigung der massenhaften Abschiebung von illegalen Einwanderern. Denn auch in unserer kleinen Stadt leben viele Latinos. Die meisten flohen als Jugendliche aus Guatemala vor Hunger und Armut und leben nun schon seit zwanzig Jahren bei uns. Illegal. Ohne Pass. Nahezu unsichtbar.

Wer ohne Führerschein fährt, kann abgeschoben werden

Heute traf ich mich mit Miranda, die aus Guatemala stammt. Sie ist die wichtigste Kontaktperson der illegalen Latinos. Sie erzählte mir von der schrecklichen Angst, die nun in der Community umgeht. Täglich erhält sie viele Anrufe von Menschen, die fürchten, von ihren Familien getrennt und abgeschoben zu werden. „Mein zehnjähriger Sohn blickte mich gestern mit großen Augen an und fragte: ‚Mama, werden sie mir meine Freunde wegnehmen?“,so Miranda. – “Wie können wir euch denn am besten helfen?“, fragte ich.

„Was wir dringend brauchen sind Transportmöglichkeiten für die Schulkinder. Fast alle Latinos, die illegal hier sind, leben in der Stadt, weil sie dort arbeiten. Die Schulbusse sind aber nur für die Kinder vom Land. In den Städten fahren die Eltern daher ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Latinos haben aber keinen amerikanischen Führerschein. Und wenn sie ohne Führerschein aufgegriffen werden, droht ihnen nicht nur Gefängnis, sie müssen jetzt damit rechnen, abgeschoben zu werden und ihre Familien nie mehr wiederzusehen.”

„Würde die Polizei das denn tatsächlich tun?“, wollte ich wissen. – “Die Polizei von Greenville wahrscheinlich nicht. Der Polizeichef kam kürzlich zu einem unserer Treffen und versicherte uns, dass er auf unserer Seite ist. Greenville ist eine „Sanctuary City“, eine der Zufluchtsstädte für illegale Einwanderer. Er versprach uns, dass Polizisten auch in Zukunft niemanden auf der Straße anhalten werden, um nach der Aufenthaltsgenehmigung zu fragen, ganz gleich, was in Washington entschieden wird.

Wenn sie jedoch jemanden ohne Führerschein bei einer Verkehrskontrolle aufgreifen, müssten sie trotzdem handeln. Und welche Konsequenzen dies haben würde, kann momentan niemand absehen. Er riet uns dazu, Greenville auf keinen Fall zu verlassen. Denn außerhalb der Sanctuary Cities drohen uns Kontrollen, Razzien und Abschiebung. Seine Worte waren für uns sehr hilfreich. Doch beruhigt sind wir trotzdem nicht. Und vor allem unsere Kinder sind völlig verängstigt.“

Mehr als einmal unterbrach sie sich während unseres Gesprächs, blickte mich an und wiederholte fassungslos: „Wie konnte dies nur geschehen? Das hier ist doch Amerika!“ Und dann erzählte sie von den Verstecken, die nun überall eingerichtet würden, um Menschen beim Untertauchen zu helfen. Auch auf unserer gestrigen Versammlung waren Netzwerke und Einsatzgruppen gebildet worden für den Fall, dass Razzien gegen Einwanderer durchgeführt würden. Schnell hatten sich Leute bereiterklärt, ihre Häuser als Unterschlupf bereitzustellen.

Ein katholischer Priester erklärte, dass seine Kirche den Verfolgten immer offen stehe und dass er dafür notfalls auch ins Gefängnis ginge. Mit dem hiesigen Polizeichef habe er bereits über die Rechtslage gesprochen und dieser hatte ihm gesagt: „Solange die Leute in ihrer Kirche Kirchenlieder singen, sind sie legal. Sobald sie aber mit dem Singen aufhören, sind sie illegal. Sorgen Sie also dafür, dass die Leute niemals aufhören zu singen.“

Wenn das so ist, dann lasst uns von nun an gemeinsam singen! Und lasst uns einander beistehen und mutig füreinander einstehen!

Eve Marko, aus dem Englischen übersetzt von Christa Spannbauer

evemarko-webEve Marko ist Mitbegründerin der Internationalen Zen-Peacemaker und lebt als Zenlehrerin und Friedensaktivistin in Massachusetts. Ihre spirituelle und politische Friedensarbeit führte sie an viele Krisenherde dieser Welt, unter ihnen Israel und Palästina, Bosnien und Ruanda. Nun ist ihr eigenes Land zu einem Krisenherd geworden und erfordert ihren vollen Einsatz für die Bewahrung der Menschenrechte.

 

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