Krishnamurti Meditation

Meditieren ohne Geländer

Ein Buch von Krishnamurti

Das in der edition steinrich erschiene Buch des indischen Meisters Krishnamurti (1895-1986) sprengt alle konventionellen Ansichten über Meditation. Als Freigeist lehnt er Autoritäten, Gurus und Methoden ab. Meditation versteht er als Zustand vollkommener innerer Freiheit.

 

 

 

Meditation ist in vielen Kulturen und religiösen Traditionen der Welt ein Thema, nicht nur im Osten. Denken wir an Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“, Descartes´ „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ oder christliche Mystikerinnen und Mystiker. Die Bedeutungen, Ziele und Methoden sind unterschiedlich.

Der indische spirituelle Lehrer Jiddu Krishnamurti (1895-1986) hat seine ganz eigene Sicht auf das Thema. Meditation ist für ihn „die ungeheure Empfindung der Ganzheit, das Schauen, Lauschen und Erleben.“

Die edition steinrich hat öffentliche Reden Krishnamurtis zum Thema Meditation aus den Jahren 1968 bis 1983 neu übersetzt und in einem schön aufgemachten Büchlein herausgebracht. Das Besondere an dem Ansatz: Krishnamurti lehnt jegliche Autoritäten, Gurus, Methoden und Hilfsmittel ab.

Wer meditieren will, solle alles verwerfen, seien es Atemübungen, besondere Sitzpositionen und alle Arten des Denkens. Denn nur so könne man einen nicht-dualistischen Zustand verwirklichen. „Wo das Selbst aktiv ist, ist Meditation nicht möglich“.

Das klingt einfach und ist es in gewisser Weise auch. Krishnamurti geht es um Meditation als Zustand vollkommener innerer Freiheit. Wie man dorthin kommt, erklärt er konsequenter Weise nicht. Denn sobald man sich Wege aufzeigen lässt und etwas von anderen übernimmt, ist es mit der Freiheit vorbei.

Die eigenen Gewohnheiten überprüfen

Das Problem: Wie können wir überhaupt „das Licht in uns“, die Freiheit berühren, wenn wir noch nie dort waren? Wie starten wir die Reise – ohne Reiseleiter in unbekanntes Terrain, mit unserem teilweise verwirrten Alltagsbewusstsein als Begleiter?

Darüber schweigt sich Krishnamurti aus, denn er will selbst nicht als Autorität gelten. Das mag aus seiner Sicht konsequent sein, ist aber für diejenigen, die am Anfang des Weges stehen, nicht unbedingt hilfreich. Wie sagte einmal der Dalai Lama auf die Frage, ob man einen Guru braucht: „Nein, aber es spart eine Menge Zeit.“

Somit ist dieses Büchlein vor allem Menschen zu empfehlen, die bereits einschlägige Erfahrungen mit Meditation gemacht haben. Sie erhalten wertvolle Impulse, ihre eigene Praxis zu überprüfen und eingefahrene Bahnen zu verlassen.

Dem Autor geht es nicht bloß um eine Sitzpraxis, um ein bisschen Ruhe und Entspannung, sondern um das ganze Leben. „Ein neues Bewusstsein und eine völlig neue Moral sind notwendig, wenn sich in unserer heutigen Kultur und Gesellschaft ein radikaler Wandel vollziehen soll,“ so seine Überzeugung.

Krishnamurti geht ganzheitlich vor und spricht immer aus der Perspektive der Einheit, der Nicht-Dualität. Damit berührt er die Essenz der Meditation, die leicht aus dem Blick gerät, wenn man sich Systemen und Traditionen anschließt oder das Sitzen zur Gewohnheit geworden ist. Das Buch sei allen ans Herz gelegt, die bereit sind, alles zu hinterfragen, was sie bisher an Erfahrungen auf dem Kissen gemacht haben.

Birgit Stratmann

Jiddu Krishnamurti. Das Licht in uns – Über wahre Meditation, edition steinrich 2015, 208 S., 16,90 €

 

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