Foto: bikeriderlondon/ Shutterstock
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Meditieren zwischen den Jobs

Die Zeit der Arbeitslosigkeit positiv nutzen

Die Zeit der Arbeitslosigkeit muss keine Phase der Depression sein. Die Autorin erklärt, wie wir die Auszeit als Chance für die berufliche Neubesinnung nutzen können. Hier kann auch Meditation gute Dienste leisten.

„Zwischen den Jobs“ arbeitslos zu sein, gehört für immer mehr Menschen zur normalen Berufsbiografie dazu. Es ist eine Zeit, die von den meisten Jobsuchenden als existenziell sehr belastend, stark verunsichernd und bedrohlich empfunden wird. Viele ziehen sich von ihrem sozialen Umfeld sozial zurück und führen nicht nur finanziell ein Leben auf Sparflamme.

Doch die Zeit der Arbeitslosigkeit kann auch positiv erlebt werden: Sie kann genutzt werden, um mit negativen Berufserfahrungen abzuschließen, aus unpassenden Verbindungen auszusteigen, der eigenen Neugier und Interessen zu folgen und über neue, passende Aufgaben ins Gespräch zu kommen.

Oft sind Menschen ohne Job aber so mit Grübeleien über die Vergangenheit und katastrophierenden Gedanken über die Zukunft beschäftigt, dass es ihnen schwer fällt, die vorhanden Freiheitsgrade und Möglichkeiten wahrzunehmen und zu nutzen. Meditation und Achtsamkeitstechniken können diese Muster wirksam auflösen. Es entsteht Raum für die Entwicklung neuer Erlebens-, Denk- und Verhaltensweisen, die uns auf dem Weg in eine passende berufliche Zukunft voranbringen.

Sieben Schritte, die den beruflichen Übergang erleichtern:

In der Berliner Beratungsstelle „Frau und Beruf e.V. Berlin“ werden beispielsweise sieben Schritte unterschieden, die im beruflichen Übergang zu bewältigen sind und sich natürlich auch für männliche Arbeitssuchende gelten. Bei jedem einzelnen dieser Schritte können Achtsamkeitstechniken und Meditationsübungen den Prozess positiv unterstützen.

Abschied nehmen

Wenn ein beruflicher Abschnitt zu Ende geht, mischen sich meist heftige Gefühle, – Angst ist in der Regel eines davon. Ob nun Trauer über den Verlust einer geliebten Arbeit oder Selbstvorwürfe über verpatzte Chancen hinzukommen: Die Emotionen können so überwältigend und überschwemmend sein, dass es schwer wird, einen klaren Gedanken zu fassen oder etwas Neues auch nur zu denken.

Wer meditiert, lernt, diese Gefühle zu beobachten, ohne sich weiter in sie hineinzusteigern. Die Gefühle sind dann vielleicht weiter da, verlieren aber ihre Bedrohlichkeit, meist verändern sie sich und verlieren ihren obsessiven Charakter. Manchmal leuchten auch positive Gefühle auf: zum Beispiel Erleichterung, dass etwas Altes zu Ende geht und Lust auf das Neue.

Bilanz ziehen

Wenn wir unsere Emotionen mit Abstand betrachten können, wird es möglich, sie zu benennen und so der Analyse zugänglich zu machen. Wir können unterscheiden, auf welche Erfahrungen wir zukünftig aufbauen und welche wir hinter uns lassen wollen. Wenn sich beim Üben die Angst beruhigt, beginnen Neugier und Interesse sich wieder zu regen und uns für den neuen Kontakt mit der Außenwelt und neuen beruflichen Feldern bereit zu machen. Die Übung der Stille hilft, diese zarten Impulse und Resonanzen wahrzunehmen und zu beobachten, auch wenn wir noch nicht wissen, was wir damit anfangen sollen. Wir stärken Selbstwahrnehmung und Intuition und entwickeln einen inneren Kompass, der uns durch eine Zeit der beruflichen Ungewissheit navigieren kann.

Horizont öffnen

Wenn sich nun neue Möglichkeiten für unsere berufliche Zukunft eröffnen, gilt es, die Zeit des Noch-Nicht-Wissens und Sich-noch-nicht-Entscheiden-Könnens auszuhalten. Viele Ideen-Keime müssen eine Zeitlang nebeneinander wachsen, geprüft und beobachtet werden, bevor man sie beurteilen und sich für
eine entscheiden kann. Wieder ist es die Meditation, die es uns leichter macht, diese Zeit durchzustehen, und ihr vielleicht sogar mit Neugier, Interesse und Humor zu begegnen.

Raum erkunden

Wir entwickeln Bereitschaft für den nächsten Schritt: Nach außen und in Kontakt zu gehen und ausgesuchte Optionen dem Realitätscheck zu unterziehen. Wer sich in der Meditation innerlich frei gemacht und einen Raum geschaffen hat, ist nun besser in der Lage, neue Informationen hineinzulassen, Resonanzen zu spüren, Anknüpfungspunkte zu erkennen und zu benennen, neue Verbindungen zu schaffen und ins Gespräch zu kommen.

Entscheidung treffen

Wenn wir in der Meditation die gesammelten Erfahrungen nachklingen lassen, können wir zu ihnen in Resonanz gehen. Je mehr wir uns in das Feld der beruflichen Option hineinbegeben, desto deutlicher spüren wir, ob es das passende für uns ist. Wenn die Entscheidung reif ist, fällt sie „wie ein Apfel vom Baum“.

Angebot machen

Nun wird es Zeit, mit unserer Entscheidung nach draußen zu gehen, über sie zu sprechen, sie zu Papier zu bringen und uns damit in Netzwerken und mit Werbemitteln bekannt zu machen. Beruflich sichtbar zu werden, heißt auch: sich angreifbar und verletzlich zu machen. Die Meditation gibt uns den nötigen Boden unter den Füßen. Sie ist der Raum, zu dem wir jederzeit Zuflucht nehmen können und in dem wir Weite und Schutz erleben – auch, wenn es Rückschläge, Peinlichkeiten und Ablehnungen gibt. Meditation hilft, Enttäuschungen durchzustehen und innerlich weit zu bleiben. Und sie hilft, auf dem Teppich zu bleiben, wenn sich schließlich der Erfolg einstellt.

Neustart vorbereiten

Wenn Land in Sicht ist und die Verhandlungen über Job oder Auftrag losgehen, brauchen wir einen offenen Geist und offene Sinne, um alle Informationen, die für den neuen Start wichtig sind, aufzunehmen und zu integrieren. Meditierende haben den „Anfängergeist“ geübt und erkennen im neuen Job ein neues Übungsfeld. Nicht mehr und nicht weniger. Sie lassen sich anstellen und bleiben innerlich frei.

Der berufliche Übergang, die Arbeitslosigkeit, ist also eine bestens geeignete Zeit, um das Meditieren zu erlernen. Nicht nur, weil wir allen Grund und den nötigen Leidensdruck dazu haben, sondern auch, weil wir die Zeit dazu haben. Wenn wir erst wieder im neuen Job stecken, ist ein freier Zeitraum oft schwer zu organisieren – obwohl wir es dann besonders nötig hätten. Es ist übrigens nicht unbedingt notwendig, sich einer religiösen Gruppe anzuschließen, um Meditation und Achtsamkeit zu erlernen. Volkshochschulen bieten nicht-religiöse Kurse an, Krankenkassen steuern in ihren Gesundheitsvorsorgeprogrammen Zuschüsse für einen achtwöchigen MBSR-Kurs in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion (Mindfulness bases Stress-Reduction) bei.

Cornelia Eybisch-Klimpel ist Beraterin und Trainerin bei „Frau und Beruf e.V.“, einer Beratungsstelle für Berufswegplanung in Berlin. Sie ist Diplompsychologin und gelernte Tageszeitungsredakteurin.
Weitere Infos unter: eybisch-klimpel@frauundberuf-berlin.de

 

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