Hilfe für obdachlose Frauen

Foto: Julien Thiele
Jennifer ist im 7. Monat schwanger und im Container-Projekt untergekommen. |
Foto: Julien Thiele

Unterstützen Sie das Container-Projekt

Obdachlose Frauen haben es besonders schwer. Das Container-Projekt in Hamburg nimmt Frauen auf und gibt ihnen für eine Zeitlang Unterkunft und Unterstützung. Ohne Spenden droht das Aus.
Jennifer, 28, ist im 7. Monat schwanger und obdachlos. Aber sie hatte Glück: Nachdem sie vor ihrem alkoholkranken Mann auf die Straße geflüchtet war und ein halbes Jahr im Zelt unter einer Brücke in der Hamburger City verbrachte, ist sie seit November 2014 im „Container-Projekt“ der Caritas untergekommen. Das Besondere: Die 10 Wohncontainer sind nur für Frauen.
Obdachlose Frauen brauchen besonderen Schutz. Auf der Straße sind sie vielen Gefahren ausgesetzt wie Gewalt und sexuelle Ausbeutung. Der Verlust der Privatsphäre wiegt schwer. Sofern sie Kinder haben, sind diese meist woanders untergebracht. Sie leiden unter Armut, etwa ein Drittel haben kein Einkommen, und sind oft nicht krankenversichert. Einige sind psychisch krank und zu schwach, staatliche Leistungen, die ihnen zustehen, anzunehmen.

obdachlose Frau
Frauen wie Sara sind auf der Straße vielen Gefahren ausgesetzt.

Zwar gibt es das „Winternotprogramm“ in Hamburg, das Obdachlosen nachts eine Sammel-Unterkunft bereitstellt, doch es mangelt an Projekten für wohnungslose Frauen, in denen sie sich sicher und unterstützt fühlen. Außerdem müssen die Betroffenen von April bis Oktober die Unterkünfte wieder verlassen.
Der Caritasverband hat daher in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) das Container-Projekt ins Leben gerufen. Hier werden Frauen aufgenommen, die aufgrund von psychischen Erkrankungen, Sucht, Prostitution oder ungeklärtem Aufenthaltsstatus ansonsten nirgends leben können. Sie sind extrem ausgegrenzt und in einer existenziellen Notlage.

Das Ziel ist, die Frauen eigenständig zu machen

Die HAW hat ein Areal für die Container freigeräumt, was nicht selbstverständlich ist für eine universitäre Einrichtung. In der Wallstraße 7a können sich die Frauen von den Strapazen des Lebens auf der Straße erholen.

Container-Projekt Hamburg
Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat Platz für die Container geschaffen.

Die Einzel-Container sind ausgestattet mit Bett, Tisch, Schrank und Stuhl. Sanitäre Anlagen und das Büro werden gemeinsam genutzt. Hier erhalten sie Unterstützung bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und Beratung, etwa zu Fragen von Einkommen und Verschuldung. Studenten der HAW übernehmen diese Beratungen, das ist Teil ihrer Ausbildung, etwas zum Sozialarbeiter.
So wohltuend die Zeit in den Containern für viele ist, es ist nur eine Übergangslösung. Das Ziel ist, die Frauen eigenständig zu machen. Andrea Hniopek von der Caritas ist da sehr klar: „Wir unterstützen sie dabei, neue Wege zu gehen. Es gelingt immer wieder, Frauen in weitergehende Hilfe oder manchmal sogar in eine Wohnung zu vermitteln.“
Die 46-jährige Sozialarbeiterin betreut seit 20 Jahren Wohnungslose und leitet bei der Caritas eine Abteilung mit rund 50 Mitarbeitern, die sich um Obdachlose in der ganzen Stadt kümmert. Mit großem persönlichem Engagement hat sie für das Container-Projekt gekämpft.

Obdachlose Hamburg
Stefania war Lehrerin in der Ukraine.

Die Finanzierung ist immer wieder ein Kraftakt. Denn das in Hamburg einmalige Projekt wird teils durch die Mittel der Hamburger Sozialbehörde und teils durch Spenden finanziert, und um diese muss jedes Jahr wieder neu geworben werden.
Andrea Hniopek will die Container für Frauen das ganze Jahr über betreiben. Ohne weitere Spenden säßen Frauen wie die hochschwangere Jennifer im April wieder auf der Straße.

Text: Birgit Stratmann, Fotos: Julien Thiele

Wir bitten um Unterstützung. Sie können zweckgebunden für das „Container-Projekt für Frauen“ spenden oder allgemein „Hilfe für Obdachlose“. Spendenbescheinigungen erhalten Sie von der Caritas:
Caritasverband
Darlehnskasse Münster
Kontonummer: 20 20 20 800
IBAN: DE34400602650202020800
BIC: GENODEM1DKM
In großen Städten gibt es Notunterkünfte für obdachlose Menschen, zum Beispiel in Hamburg.

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