Foto: Das macht Schule
Foto: Das macht Schule
Das gemeinsame Renovieren stärkt Teamgeist und Eigenverantwortung

Schule in Bewegung bringen

Ein Projekt stärkt die Eigeninitiative von Schülern

Das gemeinnützige Projekt „Das macht Schule“ unterstützt Schüler in ganz Deutschland darin, eigene Projekte auf den Weg zu bringen – etwa den Klassenraum zu renovieren oder die IT-Ausstattung zu verbessern. Nebenbei lernen sie Teamgeist und Verantwortung.

Es könnte auch anders sein – dies ist eine wichtige Erkenntnis im Leben. Doch oft fehlt es an Fantasie, sich das Leben anders vorzustellen. Das deutschlandweit arbeitende Projekt „Das macht Schule“ wirkt dem Fatalismus entgegen – und zwar in der Schule, wo die Weichen fürs Leben gestellt werden.

Die gemeinnützige Initiative unterstützt Schülerinnen und Schüler darin, eigene Projekte zu initiieren, damit Schule mehr mit dem Leben zu tun hat. Eine Klasse möchte ein Projekt in Afrika mit Spenden unterstützen? Bei „Das macht Schule“ findet sie Hinweise zum Fundraising. Oder die Schüler möchten ihren Klassenraum bunter machen? „Das macht Schule“ hilft mit Projekt-Anleitungen. Es fehlt an Computern? Die Initiative sorgt dafür, indem sie gebrauchte PCs aus Unternehmen an Schulen vermittelt.

„Wir wollen die Eigentinitiative junger Menschen stärken“, sagt Dörte Gebert, die zusammen mit ihrem Mann Bernd das Projekt federführend betreut. „Denn die Erfahrung von Selbstwirksamkeit gehört zu den Schlüsselerlebnissen im Leben: Ich tue etwas und verändere dadurch etwas; so mache ich die Erfahrung, Einfluss zu nehmen und mein Leben selbst gestalten.“

„Was ich gemerkt habe, ist, dass es die Tage keinen Streit gab und sich alle so gut verstehen. Nicht nur unsere Klasse, sondern auch mit den anderen. Sonst provozieren wir mehr.“ Dennis, 14

dms-Grundschüler beim Aufwärmen für den Sponsorenlauf Wilhbrg-web

Schüler machen sich warm für ihren Spendenlauf. Foto: Das macht Schule

Mittlerweile hat das hoch motivierte Team aus nur fünf Mitarbeitern über 1.500 Schul-Projekte in ganz Deutschland unterstützt, und es werden täglich mehr. Fast 150.000 Schülerinnen und Schüler haben davon einen Nutzen gehabt bzw. mitgemacht.

Auf der ständig aktualisierten Website findet man Projektvorlagen zu „Renovieren“, „Klima schützen“, „Essen und Trinken“, „Finanzierung“ und „PC und Web“ – mit wertvollen Informationen, Anregungen, Checklisten, Feedback-Bögen – alles wird kostenlos zum Download angeboten.

Die Idee ist: „Das macht Schule“ stellt Wissen und Erfahrungen aus vergangenen Projekten allen zur Verfügung. Denn aller Anfang ist schwer. Manchmal gibt es gute Ideen, aber es fehlt am Know how, diese auch umzusetzen. Die Website bietet geballtes Wissen, um Projekte zu beginnen, durchzuführen und zu einem erfolgreichen Ende zu bringen – in Form von Anleitungen und Vorlagen.

Die Projekte selbst, die die Schülerinnen und Schüler erfolgreich machen, sind die eine Seite. Die vielfältigen Erfahrungen, die sie im Laufe des Prozesses sammeln, die andere: Denn ob man einen Klassenraum neu gestaltet oder einen Spendenlauf für die Schule organisiert – es geht nicht ohne Teamgeist und soziale Kompetenzen. Wie packen wir das gemeinsam an? Wer macht was? Wie gehen wir mit unterschiedlichen Meinungen um?

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gemeinsam arbeiten schneller geht und dass man etwas zu Ende bringen kann.“ Daniel, 16

Für Bernd Gebert geht es vor allem um Verantwortung und Gemeinsinn. „In unserer Gesellschaft gibt es die Tendenz, nur auf sich selbst zu schauen: Wie geht es mir, was brauche ich. Mich interessiert, wie wir Kindern vermitteln können, dass das Gemeinwohl Priorität vor dem Eigenwohl hat.“ Und genau da setzt seine Initiative an. Denn Kinder übernehmen, etwa beim gemeinsamen Renovieren ihres Klassenraums, ganz praktisch Verantwortung für das Ganze. Jeder trägt seinen Teil zum Gelingen bei und ist auf die Unterstützung der Mitschüler angewiesen. Das ist eine Erfahrung fürs Leben, ist Bernd Gebert überzeugt.

Es sind nicht bloße Worte. Sein eigener Lebensweg ist ein Zeugnis für dieses Engagement. Im Jahr 2005, Bernd Gebert arbeitete als selbständiger Kommunikations-Berater, erhielt er den Auftrag, Marketing für ein zweifelhaftes Finanzprodukt zu machen, das Menschen in die Schuldenfalle getrieben hätte. Er lehnte ab.

„Wir sind jetzt mehr Gemeinschaft, wir verstehen uns besser. Das ist so, weil wir die Hilfe von den Anderen brauchen. Wir sind aufeinander angewiesen.“ Francisco, 14

Schüler erleben, dass sie selbst gestalten können. Foto: Das macht Schule

Zu der Zeit lief der Spot der die Kampagne „Du bist Deutschland“. Sie wollte Menschen zu mehr Eigeninitiative und Zuversicht bewegen und traf bei Gebert auf fruchtbaren Boden. „Die Idee war gut, aber die entscheidende Frage war für ihn: Wie können die Impulse der Kampagne in Handeln umgesetzt werden? Was nützen all die Appelle, wenn wir untätig bleiben?“

Kurze Zeit später hängte er seinen Job an den Nagel und entwickelte „Das macht Schule“ mit der Grundidee, dass Schüler selbst ihr Lernumfeld gestalten. Dann ging es Schlag auf Schlag: Weiterentwicklung der Idee, Kostenplan, Fundraising, Erstellen einer Website bishin zur Gründung eines Vereins. Bernd Gebert machte in der Anfangszeit alles allein.

Ende 2008 hatte auch seine Frau Dörte Gebert Feuer gefangen. Sie gab ebenfalls ihren Job im Marketing auf, um den Aufbau zu unterstützen. Was beide motiviert? Die feste Überzeugung, etwas Sinnvolles zu tun, was die Gesellschaft wirklich braucht, und das Vertrauen, dass alles gut wird. Und dieses Vertrauen wird oft auf die Probe gestellt.

„Ich glaube an das Positive im Menschen und in der Gesellschaft“, Bernd Gebert, Gründer von „Das macht Schule“

Das Betreiben gemeinnütziger Initiativen ist „ein Hindernislauf“, wie die Geberts es nennen. Man bringt etwas Neues in die Welt, muss Untersützer und Anhänger finden und binden, Sponsoren gewinnen. Das größte Hindernis im Moment ist, dass es an Geld fehlt, denn in den letzten Jahren mussten langjährige Geldgeber aus der Wirtschaft aussteigen. Dies stellt das Engagement des Ehepaars auf eine harte Probe.

Bernd Gebert lächelt: „Wenn ich mir bewusst mache, wie viel wir in den letzten Jahren bewegt haben und an die Geschichten der Schüler denke, die mit unserer Hilfe so wichtige Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, weiß ich: Es muss weitergehen. Ich habe keinen Plan B. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich unsere Gesellschaft trotz aller schlechten Nachrichten insgesamt positiv entwickelt. Und wir wollen Teil dieses Prozesses sein.“

Birgit Stratmann

Bernd gebert-webBernd Gebert gab 2005 seinen Job auf und gründete das Projekt „Das macht Schule“.

 

 

dörte gebert  14748-web

Dörte Gebert entschloss sich 2008, bei „Das macht Schule“ zu arbeiten.

 

 

 

Mehr Infos:
www.das-macht-schule.net

Sie können das Projekt mit einer Spende unterstützen

 

 

Beitrag teilen:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.