Tsipras kämpft für die Freiheit

Foto: Arvnick/Shutterstock
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Eine neue griechische Tragödie

Im Hintergrund der politischen Turbulenzen in Griechenland steht eine epochale Auseinandersetzung um die künftige Weltordnung. Es ist ein Ringen zwischen dem Politischen und dem Ökonomismus. Der Philosoph Christoph Quarch zieht Parallelen zur antiken Tragödie. Kann Tsipras den Kampf für die Selbstbestimmung gewinnen?

In Athen wird eine Tragödie gegeben. Doch heißt ihr Held nicht mehr Orest, und auch nicht Ödipus, sondern Alexis Tsipras. Und wir sehen ihn in einem Plot, der eines Aischylos oder Sophokles würdig ist: Es ist die uralte Geschichte vom Ringen zweier Mythen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen und die nicht miteinander zu vermitteln sind. Das ist der Stoff, aus dem Tragödien sind.

So auch heute in Athen. Wir werden Zeugen eines Kampfes von epochaler Größe. In der Tragödie „Tsipras“ haben wir zum einen jenen Mythos, der in Athen vor mehr als 2500 Jahren geboren wurde: den Mythos der Freiheit und Selbstbestimmung einer Bürgerschaft mit seinem Vertrauen in die Kraft der praktischen Vernunft und seinem Glauben an das Politische. Auf der anderen Seite steht ein Mythos, der im 18. Jahrhundert entstand: der Mythos des Ökonomismus mit seinem Glauben an die segenspendende Macht des Marktes und seinem Vertrauen in die instrumentelle Vernunft. Worüber wir uns lange hinweggetäuscht haben, wird auf der Athener Bühne sichtbar: Die beiden Mythen gehen nicht zusammen. Es ist eine Tragödie.

Beide Seiten folgen ihrer eigenen Logik

Die beiden Mythen gehen nicht zusammen, weil sie in sich geschlossen sind. Sie folgen ihrer eigenen, stringenten Logik, die sich dem anderen Mythos widersetzt. Tsipras verfolgt die Logik des Politischen, er klagt das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein und verweist auf die Prinzipien der Demokratie; er hat in seinem Weltbild Recht.

Dagegen stehen Frau Merkel und Herr Schäuble, die Troika und die Priesterschaft des Marktes. Sie pochen auf das eherne Gesetz der Wirtschaft: Wer Schulden macht, hat diese zu begleichen. Und siehe da: Nach Maßgabe des Mythos, dem sie folgen, haben sie nicht minder Recht. Genau da liegt das Problem. Es ist wirklich eine Tragödie.

Um sie noch besser zu verstehen, lohnt es, sich kurz den alten Dramen zuzuwenden. Besonders eignet sich ein Stück des Aischylos. Es heißt „Die Eumeniden“, uraufgeführt im Jahre 458 v. Chr. Das Drama schildert den Konflikt zwischen dem alten Mythos der großen Muttergöttin und dem neuen Mythos der Olympischen Götter.

Der Held, Orestes, hat den Zorn der Erinnyen auf sich gezogen – der Schergen und Töchter der großen Nacht, der Sachwalterinnen des alten Mythos. Unerbittlich bestehen sie darauf, dass dessen Mord an seiner Mutter nur mit seinem eigenen Blut zu sühnen sei. Kompromissloch pochen sie auf das Grundaxiom ihrer Weltordnung: Wer Mutterblut vergießt, muss dafür büßen. Auf Schuld folgt unausweichlich Sühne.

Kampf gegen den Mythos des Marktes

Doch treten den Erinnyen die olympischen Götter entgegen: Apollon und Athene, Sachwalter der Klugheit und Vernunft. Sie drängen darauf, die ewige Kette von Schuld und Sühne zu zerteilen und Orestes freizusprechen. Anderenfalls würde die Blutspur immer weiterreichen und jedes freie Leben auf der Erde schlechterdings unmöglich machen.

Die Parallele sticht ins Auge. Auch Tsipras ficht nicht einfach für politische Interessen. Er kämpft nicht einfach nur gegen die Troika und gegen Frau Merkel. Er kämpft gegen den mächtigen Mythos des Marktes, der mit derselben Unerbittlichkeit wie die Erinnyen sein ehernes Gesetz vertritt: Wer Schulden macht, muss sie begleichen. Da gibt es kein Entrinnen. Es ist das alte Mutterrecht in nüchterner Gewandung: Die Kraft, die nährt – wir nennen sie heute Ökonomie – macht ihre Logik machtvoll geltend; und allen, die für diese Logik streiten, gibt sie unbeirrbar recht.

Die Chancen stehen so gesehen schlecht für Tsipras. Zumal da kein Apollon ist, der schützend seine Hand über ihn hält. Und auch eine Athene ist nicht sichtbar, die stolz und klug der Troika der Erinnyen die Stirn zu bieten wüsste. In Russland oder China jedenfalls, findet man sie sicher nicht. Tsipras ist allein auf sich gestellt, mit seinem treuen Helfer Varoufakis … und wird wohl tragisch enden, wenn, ja wenn nicht doch zuletzt ein Gott vom Himmel steigt und den Konflikt auf eine gute Weise löst.

Der Geist der Freiheit

Wie aber soll das gehen? Es steigt kein Gott vom Himmel. Das mag wohl sein, doch ist es immer möglich, dass sich ein neuer Geist entfaltet – in unserem Falle nicht einmal ein neuer Geist, sondern kein anderer als der, der einst in Griechenland Europa aus der Taufe hob: der Geist der Freiheit, der Geist der Demokratie, der Geist der Selbstbestimmung.

Im alten Griechenland hat er schon einmal das Wunder vollbracht und die Herrschaft des alten Mythos nebst seiner unerbittlichen Gesetzen gebrochen. Nur so konnte sich der Raum des Politischen öffnen, nur so konnte es zu jener unvergleichlichen kulturellen Blüte kommen, die Europa groß gemacht hat.

Der Marktmythus des 20. Jahrhunderts bedroht auf ähnliche Weise das Leben, wie es das Mutterrecht von Schuld und Sühne tat. Seine Logik der Schulden erwürgt ebenso schonungslos das Leben auf Erden – zumal seine ehernen Gesetze nicht nur gebieten, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern mit Zinsen vervielfacht zurückzuzahlen.

Hier liegt die Wahrheit im Kampf des Tsipras – auch wenn er selbst es gar nicht ahnen sollte. Sein Angriff gilt einer sich verselbständigt habenden Weltordnung, die mit der Macht des Mythos über die Menschheit herrscht. Und seine Verteidigung gilt der vom Untergang bedrohten Weltordnung des Politischen, die vom entfesselten Ökonomismus überwuchert wird. Nicht nur in Athen, sondern auch da, wo jene Gespenster walten, die TTIP oder TIAP heißen…

Mythen sind Menschenwerk

Wie wird die Tragödie enden? Tragisch, so ist zu vermuten. Tragisch für Tsipras. Doch darf der Held auf eines hoffen: Vielleicht, dass seine Zuschauer begreifen: Es geht um mehr als nur um Griechenland und Euro. Es geht um einen Kampf der Mythen – und Mythen, das ist die Lektion, sind trotz allem Menschenwerk. Ihr Geltungsanspruch währt nicht ewig. Und ihre Logik ist vergänglich. Die unerbittlichen Gesetze von Schuld und Sühne, Schulden und Tilgung, sind in Wahrheit nicht unwandelbar. Sie leben nur solange wie der Mythos lebt, der sie ernährt.

Schon einmal starb ein Mythos, der den Menschen in Ketten legte: Heute glaubt niemand mehr an Blutschuld und an Sühne. Wird auch der neue Mythos sterben, der heute das Gros der Menschheit knechtet? Wird eine neue Zeit beginnen, in der es nicht mehr jedermann selbstverständlich ist, dass eine Schuld mit Zins und Zinseszins beglichen werden muss? Es muss doch wenigstens zu fragen erlaubt sein, ob dieses Gesetz wirklich ewig gelten soll. Die Antwort der Tragödie kann nur lauten: Nein – doch ist es zu ihr noch ein weiter Weg. Es ist der Weg in eine neue Welt.

Athenes Weisheit

Wenn Sie es für unmöglich halten, dass eine neue Welt jemals heraufziehen wird und glauben, dass der Marktmythos alternativlos ist, dann sollten Sie noch mal in die Geschichte blicken. Dort lernen Sie, dass noch kein Mythos auf ewig währte – und viele scheinbar ewige Gesetze und Logiken zerbrochen sind.

Und wenn Sie das Kapitel über die Griechen lesen, lernen Sie auch, wie der Wandel möglich wurde: indem das Alte in das Neue aufgenommen wurde. Die göttliche Weisheit von Aischylos‘ Athene liegt eben darin, dass sie die alten Muttergottheiten zwar entmachtete, ihnen dabei aber die größten Ehren und Reverenzerweise gewährte. Das wiederum veranlasste diese, aus Rachegottheiten zu Segenspenderinnen zu werden: zu Eumeniden.

Wird diese Weisheit auch im heutigen Athen gedeihen? Wird dort ein Geist entstehen, der die Segnungen des Ökonomismus wertschätzt und achtet und gleichzeitig die Macht des Mythos bricht, bevor seine Schuldendynamik die Menschheit ins Verderben treibt? Keinen größeren Dienst könnte Athen uns erweisen. Dass es ihn der Welt schon einmal erwies, nährt die Hoffnung, die Tragödie „Tsipras“ könne doch noch ein gutes Ende nehmen.

Christoph Quarch

Nomi Baumgartl

Nomi Baumgartl

Dr. Christoph Quarch (*1964) ist freischaffender Philosoph, Autor, Vortragender und Veranstalter philosophischer Reisen. www.christophquarch.de 

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12 Gedanken zu „Tsipras kämpft für die Freiheit

  1. Bürger Europas
    Hört die Signale von Griechenland. schließt euch an im Kampf gegen
    das Finanz kapital und die, die es anbeten wie Scheuble und Co gegen
    Euro Bürokraten und den Freihandels abkommen der USA
    Alle Unterstützung für Tsipras !!!

    1. So einfach ist es leider nicht – man kann nicht Verpflichtungen eingehen, die Andere innerhalb einer Gemeinschaft um die Früchte ihrer Arbeit bringen, und das mit dem Argument, man verteidige die Freiheit! Was ist das für eine Art von Freiheit, wenn die erreicht wird auf Kosten und auf den Schultern Anderer! Was erreicht, wie in diesem Fall, am Ende ein Alexis Tsipras? Er erreicht, dass sich die Türen schließen anstatt sich zu öffnen, weil gegebenen Versprechen nicht mehr geglaubt werden kann, weil getroffene Vereinbarungen nicht mehr ernst genommen oder eingehalten werden! Will heißen: Er erreicht Unruhe und Misstrauen durch sein Verhalten, das alles Andere ist als diplomatisch, und da hilft der hehre Grund, den Herr Quarch hinter solchem Gebaren zu erkennen meint, auch nicht, die Tatsachen zu beschönigen. Ansonsten brauchte ja niemand mehr Verträge zu beachten und einzuhalten mit dem Argument, diese beschnitten ja die Freiheit – Freiheit UND Vertrauenswürdigkeit gehen Hand in Hand.

      1. in dem artikel kann man durch die zeilen lesen dass tsipras die EU „abzogt“. ok angenommen es währ so! und dann? das land braucht das geld es ist pleite willentlich oder nicht! aber es gibt innerhalb der EU ein anderes viel reicheres land dass die „rosinen pickerei“ vom EU kuchen betreibt, finanziell oder anders ist nicht wichtig, aber da schreit kein hahn. was ist jetzt korekt/schlimmer direkt das geld der EU beanspruchen, weil not am mann, oder ROSINENPICKEREI betreiben?

    2. Sehr geehrter Herr Richter,
      da bin ich ganz bei Ihnen und Ihrer Meinung, obwohl
      ich im Bekannten-und Freundeskreis alleine bin.
      Nun bin ich politisch nicht sooooo gebildet, aber meiner Meinung nach versucht die heutige Regierung, Fehler die sie beim Eintritt Griechenlands gemacht hat, heute mit fehlender Empathie (möchte fast sagen daß dies an Narzissmus reicht) vertuschen wollen bzw. darauf hoffen, daß der deutsche Bürger dies verdrängt hat. Es macht mich richtig wütend, wie mit
      Griechenland umgegangen wird. Hoffe Herr Tsipras
      sein stolzes Land wieder auf Spur bringt und sich die
      Griechen auch wieder auf ihr schönes, stolzes Land
      besinnen und sich nicht von Heeerrrnnn SCHÄUBLE
      domestizieren lassen.
      LG B. Fischer

      1. Sehr geehrte Frau Fischer,
        Wir sollten alle mal alle Emotionen beiseite lassen und ganz sachlich bleiben.
        Tatsache ist, dass die vergangenen Regierungen GR in diese Situation gebracht.
        Tatsache ist auch , dass der Beitritt Griechenlands zu Eurozone ein abgekarteter Schwindel war.
        Ob Herr Schröder hierbei eine Rolle spielte , weis ich nicht.
        Der von Ihnen attackierte HHHHHHH Schäuble war es jedenfalls nicht.
        Tatsache ist , dass die neue Regierung für diese Situation nicht verantwortlich ist.
        Tatsache ist aber auch, dass diese Regierung sich aufführt wie eine Horde Politcowboys und keinerlei Bereitschaft zeigt, sich an internationale Verpflichtungen zu halten .
        Für ein stolzes und schönes Land eigentlich etwas schwach ! Oder was meinen Sie ? ( Kleiner Hinweis für Geschichtsmuffel : erst vor kurzer Zeit hat Deutschland seine Reparationszahlungen für den 1. Weltkrieg beendet !!! )
        Sollten w i r sagen, dass war die REGIERUNG von WILHELM II. vor 100 Jahren. ???–Oder was meinen Sie dazu?
        Natürlich wird die Welt und die Menschheit durch die Ökonomie bestimmt, denn logischerweise ist diese die Grundlage unseres Lebens.
        Kultur / Kunst und Philosophie sind schöne , wichtige und interessante Details unseres Lebens – aber leider nicht entscheidend.
        Auch ein Philosoph braucht ein Stück Brot ( wenn möglich mit Wurst und Butter ) zum Leben. Insofern sehe ich den Artikel als verständlichen Broterwerb an. Überzeugt hat er mich nicht.
        Ein ständiger Bezug auf eine geschichtliche Vergangenheit () auch die griechische ) bringt nichts !!!! ( oder — wie sollte man dann den Einfall der Mongolen nach Europa beurteilen,das Leid das die französische Armee über Europa und Russland gebracht hat, den Angriff der Japaner auf Pearl Harbour, die amerikanischen Atombomben in Japan, die Napalm-Angriffe der Am. in Vietnam , die weitgehende Vernichtung der Indianer in den USA, natürlich den deutschen Faschismus und 1000 andere Beispiele.
        Übrigens– auch D e u t s c h l a n d ist ein sehr schönes Land,
        den Stolz müssen wir vielleicht zurück gewinnen ( bitte nicht mit Nationalismus; Chauvinismus oder Fremden-Feindlichkeit verwechseln).
        Leute , die sich ständig als Deutsche schuldig fühlen oder Tränen über andere vergiessen , sollten möglichst schnell in die von ihnen bevorzugten Länder ausreisen.
        Letzter Satz: Dies schreibt ein deutscher Mindestrentner, der mit Mwst . für alle Dinge letztendlich diese ganze wenig erfreuliche Sache mitbezahlt
        Mit vorzüglicher Hochachtung
        J.F.Zimmer

    3. hallo Herr Richter
      warum leben sie dann allem Anschein nach noch in so einem verhaßten kapitalistischen Land mit seinen nicht unerheblichen Vorteilen; wandern sie doch aus und unterstützen Sie Syriza vor Ort;
      übrigens Herr Schäuble schreibt sich mit ä

  2. Ich bin immer wieder sprachlos, wie leicht sich Menschen hinters Licht führen lassen. Bildung sollte man immer 3-dimensional betreiben und aich nach Beobachtung aller Fakten sein unvoreingenommenes Urteil bilden.

    Die bisherigen Chats verraten auch schon einges:
    Es gibt emotionsgeladene Griechenlandliebhaber und Menschen, die die aktuelle „Kriese“ nach Fakten beurteilen. Von beidem ist etwas nötig. Auf der einen Seite sind wir in der Eu eine Staatengemeinschaft, die sich gegenseitig stützen soll, auf der anderen Seite sind die Europäischen Staaten immernoch eigenständige Länder und für sich selbst verantwortlich und nch nicht unter einem gemeinsamen europäischen Grundgesetz vereidigt.

    Eines stimmt schon mal:
    Deutschland – und das ist nicht schwer zu recherchieren, wenn man die Geschichte zurückverfolgt – ist nicht schuld and der Kriese in Griechenland.

    Betrogen wurde schon bei der Aufnahme in die EU durch Chinesische und Französische Kredite, die Griechenland benutzte, um die ausreichende Geldliquidität zu besitzen, in der EU aufgenommen zu werden. Eine Luftblase, die dann platzte. => Was passiert, wenn ein Bürger unserer Republik eine Lebensversicherung abschliesst und falsche Angeben macht? Er fliegt raus, oder er bekommt nichts. Dennoch haben die Griechen bisher mehr als 265 Milliarden bekommen – und nichts davon benutzt, um etwas zu tun um ihr System zu verbessern.

    Was in Griechenland alles schlecht gewirtschaftet wurde dürfte mittlerweile aber auch bekannt sein:
    Renten für Verstorbene über Jahre wenn nicht weiter Jahrezehnte bezogen, die Millionäre und Milliardäre nicht besteuert. Generell ein katastrophales Steuersystem um es kurz zu fassen.

    Generell war es wohl das Zusammenspiel von Rating-Agenturen und Banken sowie Kreditgebern und schlechter Wirtschaft, die zum Eklat führten und zum beinahigen Zusammenbruch des griechischen Staates.
    Es gibt hierzu zahlreiche interessante Reportagen zu Goldmann&Sachs und zu den Rating-Agenturen, die anscheinend schon vorher wussten, dass Griechenland so etwas bevorsteht. Jedenfalls wurden darauf schon Wetten abgeschlossen. Interessant war im übrigen auch, dass Angela Merkel damals ganz dringen von Hollande nach Frankreich bestellt wurde, bevor man entschloss, die Griechischen Notpakete im mehrstelliger Milliardenhöhe zu bewilligen. Dabei ging es um eine nicht unbeträchtiche Beteiligung der Französischen Banken als Kreditgeber für Griechenland. Wäre Griechenland damals bankrott gegangen, hätten wohl einige Französische Kreditinstitute die Pforten schliessen dürfen. Somit hielt die Bundeskanzlerin ihre Nase hin und wir waren der europäische Sandsack.

    Grundsätzlich liegt aber auch das Problem in der Politik mit dem Europäischen Rettungsschirm, der im Grunde nur die schlecht wirtschaftenden Staaten belohnt und die gut wirtschaftenden zur Kasse bittet. Sich gegenseitig helfen, das war der Grundgedanke, der mittlerweile aber schon bei einigen Europäischen Staaten nicht mehr im Vordergrund steht. Der idealistische Ansatz, dass Griechenland als die „Urdemokratie“ ein Grundrecht hätte, dieser EU beizuwohnen ohne etwas dafür tun zu müssen ist leider, auch dank der griechischen Reaktionen auf Deutschland, überholt. Schade. Aber gleiches Recht für alle.

    Es ist eben wie bei verwöhnten Kindern. Sie bekommen alles und wenn die Eltern mal nicht mehr können werden sie unverschämt oder schlagen zu. Wenn man Europa somit als eine große Familie sieht wird hier mit einer Belohnung für ständige Misswirtschaft eine falsche Erziehung betrieben. Und die griechischen Kinder müssen jetzt mal lernen Geld selber zu erwirtschaften, soe wie es alle anderen EU-Mitgliedstaaten auch tun.

    Die Beste Lösung ist Griechenland raus aus Europa und die Drachme wieder einführen. Das Finanz- und Sozialsystem überarbeiten und von der Pike auf wieder anfangen. Ein gesundes korruptionsfreies Griechenland hätte bestimmt einiges zu bieten ausser den Mittelfinger oder ständige Nazivergleiche gegenüber einem Land, dass ich jetzt nicht nenne.

  3. Ich bin immer wieder von Menschen „beeindruckt“ die höchste ethische und moralische Werte beanspruchen – nur in der Regel von anderen. Doch mehr noch bin ich von Menschen verblüfft die, sicherlich gutmeinend, deren Positionen vertreten und verteidigen. Wenn man nun die Ethik mit der Theorie und die Moral mit der Praxis gleichsetzt, besitzt die griechische Regierung bestimmt ein Höchstmaß an Ethik.
    Die von ihnen beschriebene griechische Tragödie wird jedoch dominiert von Elemente der Odyssee mit all ihren Irrungen bis hin zur Verschlagenheit des dort beschriebenen „Helden“. Viele ärgerten sich über den gezeigten Finger des Herrn Varoufakis und seine pubertäre Reaktionen dazu auf. Für mich demonstrierte diese Geste, zusammen mit seinem Interview in der französischen Zeitung „La Tribune“, nur seine Einstellung denen gegenüber, die Griechenland helfen „wollten“. Darüber hinaus ist Herr Tsipras Zusammenarbeit mit rechten Kräften wohl eher eine Koalition mit nützlichen Idioten, deren markige Sprüche zur Verschleierung der eigentlichen Intension beitragen. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass die Protagonisten ihres Heldenepos nur auf das Auszahlen der letzten Tranche warten und dann nicht nur einen -, sondern zwei Finger heben werden.
    Mit desillusionierten Grüßen
    F. Walsdorf

  4. ich bin immer wieder erstaunt, wie Philosophen hier ex cathedra Lösungen für politische und finanzielle Probleme anbieten wollen, aber dabei den klaren Zusammenhang mit rechtlicher Praxis vermissen lassen;
    übertragen Sie doch das Beispiel Griechenland auf einen einzelnen Bürger, der mit gefälschten Sicherheiten zur Bank geht, einen großen Kredit verlangt und auch bekommt und dann großspurig rumposaunt, daß er den nicht zurückzahlen wird;
    dann kommt noch heraus, daß er erhebliche Geldmengen anderswo gebunkert hat, auf die er aber nicht zurückgreifen will(siehe die etwa 84,7 Milliarden Euro, die in der Schweiz und England liegen und griech. Bürgern gehören, die davon kaum etwas versteuert haben);
    stattdessen kauft er sich teure Autos leiht sich von der Verwandtschaft weiterhin Geld und gibt es aus;
    bereits seit etlichen Jahren hätte die griech. Regierung( die frühere) Zugriff auf das in der Schweiz liegende Geld gehabt und in einer Fernsehsendung wurde der zuständige Schweizer Bankbeamte gefragt, wieviele Nachfragen er im Jahre 2011 aus Griechenland gehabt habe, verschämt hob er drei Finger in die Höhe;
    wenn nun die jetzige Regierung erst nach nahezu 3 Monaten Verhandlungen darüber aufnimmt, um mit der Schweiz über dort etwa 12-15 Milliarden Steuern einzufrieren, dann wäre es sicher besser gewesen, Yanis Varoufakis hätte sich ein oder 2 provozierende Interviews gespart und hätte seine Arbeit in diesem Zusammenhang gemacht, dann hätte er jetzt schon Geld; allein wenn man auflistet, welche Aussagen der drei höchsten griech. Politiker in die Welt gesetzt wurden, um dann im Stunden- oder Tagestakt wieder zurückgenommen zu werden, muß man sich wirklich fragen, was die eigentlich sich dabei denken
    16.3.2015 „wir haben kleine Liqiditätsschwierigkeiten“
    18.3.2015 „wir haben keine Schwierigkeiten, wir werden alles termingerecht bezahlen“
    20.3.2015″ wir werden die Gehälter und Renten auszaheln, für den rest haben wir kein Geld mehr“
    was soll man davon glauben, oder sind das alles nur Versuche, die Spieltheorien von Y. Varoufakis zu demonstrieren, worüber er ja seine Doktorarbeit geschrieben hatte, vielleicht wäre er in ein Spielbank am Pokertisch besser aufgehoben;
    leider kenne ich die griech. Verhältnisse etwa seit 1966, bin mehr als regelmäßig im Lande und habe bereits zu Beginn der Krise sofort gesagt: „Griechenland hat keine Chance, jemals diese Schulden zurückzuzahlen“, die ja meist auch noch mit gefälschten Bruttosozialproduktzahlen erschwindelt wurden;
    man sollte von griech. politischer Seite endlich mal auch den eigenen Bürgern klaren Wein einschenken, daß zuerst die Schulden waren und dann erst mußte die Troika und die EU Länder eingreifen;
    einfaches Beispiel: wären von 1999 bis 2006 die griech. Steuern bezahlt und auch eingetrieben worden, wäre es überhaupt nicht zu dieser Krise gekommen, die nun zu 100 % die Kleinen ausbaden dürfen;
    aber in diesen Jahren blühte ja das System von fakelaki und rusfeti und man hat sich darin gut etabliert;
    zum ersten Mal in diesem Jahr bin ich noch nicht sicher, ob ich die gebuchte Reise auf die Mani nicht stornieren werde/ oder muß

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