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Verlangen in der Meditation anschauen

James Lee/ Unslpash
James Lee/ Unslpash

Eine Meditationsanleitung

Wie kann man gut umgehen mit der Furcht vor Wohlstandsverlusten und dem Verlangen, dass alles so bleiben soll, wie es ist? Meditationslehrer Gerald Blomeyer gibt Anregungen, um mit Verlangen, Sehnsucht und Erwartungen achtsam umzugehen.

Lesen Sie auch den Beitrag „Auf dem Verlangen surfen“ von Gerald Blomeyer.

Wann immer man sich zur Meditation hinsetzt, dauert es nicht lange, bis irgendein Verlangen aufkommt, sei es nach Ablenkung, Essen, Trinken. Wenn man geschickt damit umgeht, kann man innerlich freier werden.

Eine Meditationsanleitung, um Verlangen willkommen zu heißen, ohne sich zu verurteilen oder zu schämen. Es geht darum, nicht sofort auf das Verlangen, sondern innezuhalten. Dann entscheiden wir uns, ob wir handeln wollen oder nicht.

Kurze Anleitung

Nimm eine bequeme Position ein.

Wie atmet der Körper jetzt?

Folge dem Atem.

Wie fühlt sich die Luft in der Nase und der Lunge an?

Spüre, wie der Bauch sich beim Ein- und Ausatmen hebt und senkt.

Wie fühlt sich der Körper an?

Wie fließt der Atem?

Wir beobachten die Gedanken und Empfindungen neugierig.

Wir beobachten sie, ohne zu bewerten.

Welche Gedanken erscheinen?

Wenn die Gedanken abschweifen, ist das ganz normal.

Richte die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem.

Wer eine Zeit meditiert, wird ein Verlangen nach etwas verspüren.

Vielleicht Durst, es juckt etwas oder es erscheint ein anderer Wunsch.

Beginnt ein Teil des Körpers zu jucken, vermeiden wir es, sofort zu kratzen.

Wir beobachten den Juckreiz.

Wie fühlt sich die körperlichen Empfindungen, die es auslöst, an: Heiß oder kalt, kitzelig oder prickelnd? Hat die juckende Stelle eine Form oder Grenzen?

Der Juckreiz kann sich verstärken, wenn wir ihm viel Aufmerksamkeit schenken.

Wir heißen das, was wir fühlen, willkommen und sind neugierig.

Wie eine Welle im Ozean erreicht ein Verlangen einen Höhepunkt und verliert dann seine Kraft.

Die Stärke eines Drangs bleibt nicht lange gleich.

Nach einiger Zeit wird er schwächer.

Wir erlauben uns, ein weiteres Verlangen zu spüren.

Es sind Gefühle, die kommen und gehen.

Wie steigt ein Verlangen auf?

Wie fühlt sich der Höhepunkt des Verlangens an?

Wenn der Drang zu handeln an Intensität zunimmt, beobachten wir weiterhin den Atem.

Wie fühlt sich das Verlangen im Körper an?

Ändert sich die Intensität des Verlangens mit der Zeit?

Kann man die Empfindungen benennen?

Ist das Verlangen in einen bestimmten Bereich des Körpers zu spüren?

Wie fühlt es sich an?

Wie stark ist die jeweilige Empfindung?

Nehmen die Gefühle und der Drang zu handeln mit der Zeit ab?

Sei neugierig.

Gibt es ein Auf und Ab, wenn das Verlangen den Höhepunkt überschreitet?

Wie fühlt sich der Körper dabei an?

Erlaube dir – ohne Vorwürfe – Verlangen oder Heißhunger zu spüren.

Welche Gewohnheiten und Süchte stehen dahinter?

Akzeptiere dein Verlangen und beobachte, ohne es zu bewerten.

Foto: Heidi Scherm

Nach acht Jahren in Indien und Nepal unterrichtet Gerald Blomeyer seit 2015 Kurse zur Meditation, achtsamen Kommunikation und Buddhismus in Berlin und Hamburg. Beruflich lehrte er zehn Jahre an Universitäten und leitete 17 Jahre seine eigene PR-Agentur. Auf seiner Website finden Sie auch geführte Audio-Meditationen: www.blomeyer.berlin Eine Auswahl auch auf Insight Timer

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Warchi/ iStock

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Mit Referenten aus verschiedenen Disziplinen.

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