Das Unternehmen Mani Bläuel

Die Firma Mani Bläuel produziert in der Peloponnes biologisches Olivenöl und vertreibt die Produkte in ganz Europa. Unternehmer Fritz Bläuel setzt auf Vertrauen: Er wird unterstützt von 300 Kleininvestoren und bezieht die Bevölkerung und Kunden mit ein.

 

 

Wie sich die Wirtschaft weiterentwickeln kann, ist gerade ein viel diskutiertes Thema: Wie kommt unser ökonomisches System durch diese aktuelle Krise? Dabei wollen viele Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft eine möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität von Produktion, Beschäftigung und Konsum.

Aber es gibt auch Stimmen, die dazu auffordern, diese erzwungene Drosselung der Wirtschaft dazu zu nutzen, dieses Wirtschaften selbst neu zu denken und zu gestalten. Und hier spielen Pioniere, die in ihrer unternehmerischen Arbeit schon neue Wege gehen, eine besondere Rolle. Sie können als Ideengeber, Biotope, Prototypen eines möglichen anderen Umgangs mit Arbeit, Prozessdesign, Warenherstellung, Unternehmenskultur, Führung, Kundenbeziehung und Finanzierung dienen.

Die Firma Mani Bläuel ist solch ein Pionierunternehmen, das in allen diesen Bereichen Neuland betreten hat und nun auch innovative Wege in der Finanzierung geht.

Ansässig im Landstrich der Mani im Süden des Peloponnes hat die Unternehmerfamilie Bläuel innerhalb von 40 Jahren ein Unternehmen für den Handel mit biologischem Olivenöl, Olivenprodukten, weiteren Biolebensmitteln und Olivenöl-Kosmetik aufgebaut. Bei jedem meiner vielen Besuche im Biohotel der Bläuels, das sie neben ihrer Firma betreiben, war ich immer wieder fasziniert, überrascht und berührt von der Geschichte und Integrität des Unternehmens.

Wichtigster Arbeitgeber der Region

Fritz Bläuel kam mit einer Kommune von Wien in die Peloponnes, die dort ihren Traum von einem unabhängigen Leben in Selbsterkenntnis, freier Liebe und Naturverbundenheit verwirklichen wollte. Aber nach einem Winter reisten die meisten Kommunarden wieder ab, zu stark waren die Konflikte und die Mühen des Landlebens in einem noch weitgehend unerschlossenen Landstrich.

Fritz Bläuel blieb und widmete sich nach dem Scheitern dieses gemeinschaftlichen Lebens der Erforschung des eigenen Geistes in der buddhistischen Meditation. Um lange Zeiten der Meditation finanziell zu ermöglichen, begann er, Olivenöl von den lokalen Bauern abzufüllen und auf abenteuerlichen Wegen durch das damalige Jugoslawien nach Österreich zu transportieren und dort zu verkaufen. Immer wieder besuchten ihn Freunde und Bekannte, so auch seine spätere Frau Burgi, die seine Partnerin beim Aufbau des Unternehmens wurde.

Beide erkannten das Potenzial des hochwertigen Olivenöls der Region. Als die Biobranche auch im deutschsprachigen Raum erst in den Anfängen stand, begann Fritz Bläuel die Bauern der Region davon zu überzeugen, zum Bioanbau überzugehen bzw. dabei zu bleiben und keine chemischen Düngemittel zu verwenden, die damals durch EU-Hilfen überall verbreitet werden sollten.

Im Laufe dieser jahrelangen, zähen Auseinandersetzung mit den Vertretern der Düngemittelindustrie, den Hürden der griechischen Bürokratie und dem Misstrauen der Landbevölkerung sowie zahllosen Gesprächen in den Tavernen produzieren heute hunderte landwirtschaftlich Betriebe der Region hochwertiges biologisch-dynamisches Öl, das regelmäßig auf Fachmessen ausgezeichnet wird.

Crowdfunding: Neue Wege der Finanzierung von Unternehmen

Das Unternehmen ist mit mehr als 50 Mitarbeitern zum wichtigsten Arbeitgeber der Region geworden. Dass eine von Österreichern geführte Firma hier Fuß fassen konnte, liegt auch daran, dass Fritz Bläuel von Anfang an die Werte der dortigen Landbevölkerung einbezog.

Der Zusammenhalt der Familie ist dort ein zentrales Lebensanliegen und die Firma Mani Bläuel wollte solche familiären Werte wie Vertrauen, Fürsorge, Verantwortung, Loyalität, Respekt gegenüber den Mitarbeitenden zum Ausdruck bringen. So ermutige Fritz Bläuel die Arbeiterinnen, bei ihrer Arbeit am Fließband ihre traditionellen Lieder zu singen, oder das Unternehmen kümmerte sich um Familienmitglieder der Beschäftigten.

Felix und Fritz Bläuel heute, Foto: Mani Bläuel

Vertrauen ist für Fritz Bläuel auch das Herz eines reifen Unternehmens im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, mit Zulieferern, Partnern und vor allem auch den Kunden. Im Laufe der Jahre ist das Unternehmen ständig gewachsen, was vor allem auch auf dem zunehmenden Kundenvertrauen basiert. Im Jahr 2019 ist Mani Bläuel diesen Weg des Vertrauens einen Schritt weiter gegangen in einen Bereich, wo man eher an kühles Kalkül und die Dynamik von Kredit und Zinsen denkt.

Mit dem Olivenölbäumchen-Darlehen wurde ein Crowdfunding-Projekt gestartet, bei dem die Kundinnen und Kunden Geld in die Firma investieren können und dafür Zinssätze erhalten, wie sie momentan im Bankensektor unmöglich sind. Die Intention von Seiten der Firma war einerseits, eine zunehmende Unabhängigkeit von Banken zu erreichen und andererseits auch, die Beziehung mit den Kunden zu stärken.

Heute ist Fritz Bläuel überrascht, auf welch großes Interesse diese Initiative gestoßen ist. Mittlerweile gibt es schon an die 300 Kleininvestoren, die dem Unternehmen bis jetzt weit über eine Millionen Euro an Darlehen gewährt haben.

Partnerschaft zwischen Unternehmer und Verbrauchern

Das Unternehmen konnte mit dieser Unterstützung lang gewünschte Projekte umsetzen wie die Anschaffung einer Maschine zum automatischen Verschließen von Olivengläsern unter Vakuum oder die Finanzierung eines neuen biologischen extra nativen Olivenöls mit besonders hohem Gehalt an Polyphenolen, das nach sechs Monaten bereits zweifach ausgezeichnet wurde.

Auch soziale Projekte konnten umgesetzt werden, wie die Unterstützung einer lokalen Lehrgärtnerei, in der junge Griechinnen und Griechen mit Behinderungen zu Helfern im biologischen Gartenbau ausgebildet werden.

Damit entsteht zwischen dem Unternehmen und den Kundinnen und Kunden ein Beziehungsraum, der von gemeinsamen Werten und Anliegen getragen wird. Die Investierenden können ihr Geld sinnvoll gewinnbringend anlegen und ermöglichen dem Unternehmen, sich im Sinne eins nachhaltigen, ökologischen und gemeinwohlorientieren Wirtschaftens weiter zu entwickeln und diesen Impuls in das gesellschaftliche Ganze zu geben.

So entsteht ein unternehmerischer Kulturimpuls, der selbst Ausdruck einer partnerschaftlichen Kultur zwischen Unternehmern und Verbrauchern wird, die dadurch zu Mitgestaltern und Ermöglichern werden. Für Fritz Bläuel verändert sich durch diese Erfahrung auch der Blick auf die Zukunft seines Unternehmens und die Möglichkeiten eines vertrauensbasierten Wirtschaftens:

„Durch diese Erfahrung ist mein Vertrauen in ein humaneres Wirtschaften gewachsen. Mir scheint, die wahre Währung ist Vertrauen. Scheinbar bildet sich in Teilen unserer Gesellschaft eine zunehmend breitere Basis heraus, die sich an Werten orientiert, die ein direktes Vertrauen ermöglichen. Damit lässt sich ein solidarisches Wirtschaften aufbauen, nicht nur unter Berücksichtigung, sondern tatsächlich unter Einbeziehung aller Stakeholder, und damit meine ich jetzt ganz besonders die Kunden/Konsumenten, die zu Beteiligten werden.“

Nachdem viele Menschen seit geraumer Zeit schon durch umweltbewusste Kaufentscheidungen einen spürbaren Einfluss auf die Wirtschaft nehmen, scheint mit solchen neuen Wegen der Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden ein weiterer Schritt möglich: Die Beteiligung an verantwortungsvoll und solidarisch wirtschaftenden Unternehmen, zum Vorteil aller.

Auf diesem Wege bekommen ethische Anliegen wie ein ökologischer Umbau unserer Gesellschaft, Klimaschutz, Gemeinwohlorientierung oder solidarische Beziehungen, die Menschen über Grenzen von Ethnie oder sozialer Stellung verbinden, eine gesellschaftliche Wirkkraft. Und solche scheinbar kleinen Veränderungen könnten der Keim sein, aus dem ein neues Wirtschaften aus Vertrauen immer möglicher wird.

Mike Kauschke

Mike Kauschke ist Autor, Übersetzer, Dialogbegleiter und Redaktionsleiter des Magazins evolveZu seiner Website

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