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Wie ernähre ich mich klimaschonend?

Oleg D/ Shutterstock
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Eine Familien-Challenge

Die Ernährung trägt wesentlich zur Erderwärmung bei. Autorin Maria Köpf hat recherchiert und überlegte sich, wie sie mit ihrer Familie gegensteuern kann. Erste Maßnahme: weniger Fleisch essen. Aber auch eine „Tomaten- und Käse-Challenge“ brachte neue Erfahrungen.

Das gesamte globale Ernährungssystem ist, so schätzen Forscher aus verschiedenen Instituten, mit etwa einem Viertel an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen beteiligt. (1) Wenn man die indirekten Emissionen hinzurechnet, z.B. im Zuge der Abholzung von Wäldern für den Anbau von Lebensmitteln, käme man sogar auf ein Drittel. (2)

Wie wir uns ernähren, ist also höchst relevant – nicht nur für unsere Gesundheit, sondern auch für das Klima. Wo kann ich mit meiner Familie selbst etwas beitragen, um das Klima zu schützen, habe ich mich gefragt und recherchiert.

Dreh- und Angelpunkt ist der Fleischverzehr. Auf die Massentierhaltung lassen sich beinahe 15 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen zurückführen. Diesen gewaltigen Anteil kann ich mit meiner Ernährung beeinflussen.

Wähle ich als Mittagsmenü für die Familie ein selbstgekochtes Gulasch und kaufe hierfür ein Kilogramm Rindfleisch ein, so hat dieses hinsichtlich Erzeugung, Kühlung, Transport, Verkauf 14 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) verursacht. Bei einem Kilo Hähnchenbrust sind es lediglich 3,5 Kilogramm CO2. Verzichte ich gänzlich auf Fleisch und esse ausschließlich vegan und frisch, erzeuge ich nur 0,15 Kilogramm Kohlendioxid. Bei Bio-Gemüse, das nicht aus der Tiefkühltheke stammt, sind es sogar nur 0,12 Kilogramm.

Nun kann ich einen Schritt weitergehen und bewusst nur saisonales Gemüse auswählen, das nicht in Gewächshäusern beheizt werden muss. Dies spart weitere Treibhausgase ein. Dabei hilft mir ein Saisonkalender für meine Region. Es gibt auch eine kostenlose App der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BZfE). (3)

Fleisch und Plastik vermeiden

Wenn ich mich im Sommer für Tomaten entscheide, weil diese gerade Saison haben, und bewusst zwischen November und Mai keine Tomaten esse, weil sie importiert oder im Gewächshaus gezüchtetet wurden, verhalte ich mich klimabewusst. Doch es geht noch mehr.

Ich habe auch Einfluss darauf, wie viele Plastikschalen und Plastikgefäße ich bei jedem Einkauf mitnehme und den Müllbergen hinzufüge. Plastik schädigt übrigens nicht nur die Meere und Umwelt. Bereits bei der Produktion z.B. auf der Basis von Kohlekraft, entstehen Treibhausgase. 4,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen gingen 2015 auf die Herstellung und den Transport von Kunststoff zurück. (4) Wichtig zu wissen ist auch, dass ein Teil des Plastiks überhaupt nicht wiederverwertet und im Kreislauf geführt wird.

Addiert man nun die Anteile von Massentierhaltung und Plastikherstellung, so verantworten Fleischkonsum und Plastik ungefähr rund 16 bis 19 Prozent aller Treibhausgasemissionen, und daran bin ich als Verbraucherin beteiligt.

Eine Familie, die hauptsächlich saisonales Obst und Gemüse isst und zusätzlich im Unverpackladen einkauft und auf Plastik verzichtet, trägt zur Reduktion bei. Die Ökobilanz von Obst und Gemüse ist übrigens erheblich besser als die von Fleisch.

Die Politik muss die Rahmenbedingungen setzen

Ökologisch einzukaufen kann tatsächlich helfen, Umwelt und Klima zu schützen, aber: Umweltschutzorganisationen und Klimaaktivisten mahnen, dass einzelne Konsumenten das Klima nicht retten können. Vielmehr brauchen wir politische Rahmenbedingungen, die das Verhalten aller in die gewünschte Richtung lenken. Agrarexperten fordern gezielte politische Weichenstellungen.

Greenpeace beispielsweise schlägt Alarm, weil sich im Zuge des Ukrainekrieges Lebensmittel verknappen. Dabei würden 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland als Futtermittel für Tiere, 8,9 Prozent als Bio-Kraftstoffe genutzt. Nur 20 Prozent der Getreideernte landeten auf den Tellern. (5)

Doch das in Deutschland produzierte Futtermittel deckt Greenpeace zufolge nicht einmal den Bedarf der Massentierhaltung hierzulande: Für besonders eiweißreiches Tierfutter werden Sojapflanzen in Brasilien, auch im Regenwald angebaut. Und so treiben wir über das, was wir essen, die Urwaldvernichtung, die Klimakrise und das Artensterben gleichzeitig voran.

Es gilt also auf der einen Seite, mehr Nahrungsmittel statt Biokraftstoffe zu produzieren, und auf der andern Seite weniger Fleisch zu essen und mehr Lebensmittel zu retten. Auch hier könnte man gesetzlich einschreiten.

Frankreich hat bereits 2016 ein Gesetz erlassen, das Lebensmittelvernichtung begrenzt. Schon das Ersetzen des Mindesthaltbarkeitsdatums durch das Herstellungsdatum könnte dem massenhaften Wegwerfen entgegenwirken. Auch eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch, während Gemüse mit niedrigerer Mehrwertsteuer belastet wird, würde dem Klima helfen.

Meine „Tomaten-und-Käse-Challenge“

Auf eine solche Gesetzgebung möchten viele Verbraucher nicht länger warten. Ich stelle mich daher sieben Tage lang einer persönlichen Herausforderung: meiner „Tomaten- und Käse-Challenge“. Bei den Tomaten achte ich stets darauf, dass sie besonders saftig und aromatisch schmecken, beim Käse schätze ich den herzhaften Geschmack.

Daher habe ich grundsätzlich, wenn der Preis nicht zu hoch ist, lieber Bio-Tomaten oder Bio-Käse als chemisch gedüngte Tomaten oder Käse aus Massentierhaltung gekauft. Gleichzeitig will ich auf die Plastikschalen verzichten.

Dafür gibt es in meinem Fall zwei Möglichkeiten: In der Gemüseabteilung des großen Supermarkts sind Strauchtomaten aus regionalem Anbau und an der Käsetheke auch Bio-Käse direkt aus unserer Region verpackungsfrei erhältlich. Zum Abwiegen gebe ich meine Ware in ein biologisch abbaubares Maissäckchen.

Eine zweite Möglichkeit: Selbst in unserer kleinen Stadt gibt es fünf ökologische, nachhaltige Läden, um unverpackt, fair, regional und ökologisch Lebensmittel des Bedarfs einzukaufen. Für meinen Appetit auf Käse wähle ich zunächst den Bio-Käse aus dem Supermarkt, der unserer Familie für Großeinkäufe dient. Zum Vergleich erwerbe ich drei Tage später dieselbe Käsesorte und Strauchtomaten im Unverpacktladen.

Dem Geldbeutel taten weder die unverpackten Strauchtomaten aus dem Supermarkt noch aus dem Unverpacktladen weh; die Preise unterschieden sich nicht so sehr, seit die Inflation angezogen hat. Manchmal ist Bio-Gemüse zurzeit sogar günstiger, weil die Preise für künstlichen Dünger so in die Höhe geschossen sind, auf diesen wird aber im Biolandbau verzichtet. Der Käse hingegen war empfindlich teurer. Das ist jedoch, wenn ich meinen Käsegenuss auf einmal wöchentlich reduziere, finanziell nicht bedeutsam.

Gegenrechnen konnte ich den teureren Käse zudem mit den günstigeren, weil abgezählten Strauchtomaten, die nicht mehr in der 500-Gramm-Plastikschale eigentlich meinen Bedarf übersteigen und schlecht werden können.

Was ein großer Vorteil im Unverpackladen war: Ich konnte ganz nebenbei während meines Lebensmitteleinkaufs andere Vorräte auffüllen, etwa das Waschmaschinen-Gel und Haarshampoo. Diese kann man in mitgebrachte Behältnisse füllen. Das ist zwar etwas umständlich, dürfte jedoch bald zur Gewohnheit werden. Mein Fazit: Es fühlt sich einfach richtig an, nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur zu leben.

Die nächste Challenge wartet schon

Allerdings sind sich trotz der Bedeutung von persönlichen Bemühungen die Experten sicher: Neben politischen Gesetzen sollte das Thema Klimaschutz mehr in den Schulunterricht integriert werden, vor allem in den Biologie-, Chemie- und Geografieunterricht. So kann man Schülerinnen und Schülern die Zusammenhänge zwischen Fleischkonsum und Treibhauseffekt anhand belastbaren Zahlen und Grafiken vermitteln.

Aber auch viele Erwachsene könnten Nachhilfe in Sachen Klimaschutz gebrauchen. Wer weiß schon, dass Kühe und Rinder Treibhausgase wie Methan freisetzen, die 25-mal so wirksam sind wie CO2?

Doch auch in der Landwirtschaft müssten mehr Anstrengungen für den Klimaschutz unternommen werden. Aus landwirtschaftlich intensiv genutzten Böden, die chemisch gedüngt werden, entweicht Lachgas, das sogar 298-mal so wirksam ist wie C02.

Und selbst wenn man auf Waren aus konventionellem Anbau verzichtet und zu Biogemüse greift, so kann dies dem Klima schaden, z.B. wenn Obst und Gemüse im Gewächshaus gedeihen und außerhalb der Saison verzehrt werden. Es gibt also noch viel zu tun. Und die nächste Challenge wartet schon.

Foto: privat

Maria Köpf arbeitet als Journalistin und Dozentin in Klagenfurt. Sie hat Germanistik und Judaistik studiert und schreibt u.a. für Magazine wie die Amira, den Wissenschaftsladen Bonn, Natur & Heilen, Ethik heute und das AVE-Institut. Sie schreibt über Bildung und Beruf, Gehirn und Gesellschaft und Achtsamkeit als Selbst- und Beziehungskompetenz. Sie lebte einige Zeit in Israel und in Spanien. Maria Köpf stammt aus Berlin und lebt heute mit ihrer Familie in Kärnten/Österreich. Mehr über sie auf www.mariakoepf.com.

Quellenhinweise

(1) https://landwirtschaft.de/diskussion-und-dialog/umwelt/wie-gross-ist-der-einfluss-der-landwirtschaft-auf-den-klimawandel

https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/essen-wir-das-klima-auf

(2) https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/essen-wir-das-klima-auf

(3) https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/saisonkalender.html

Sie können sich die kostenlose App der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BZfE) herunterladen.

(4) www.mdr.de/wissen/plastik-klima-treibhausgas-produktion-100.html

(5) https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/landwirtschaft/anbau/knappes-getreide-eu-exportausfaelle-ukraine-ausgleichen

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Warchi/ iStock

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