Online-Magazin für Ethik und Achtsamkeit

Auf die Seele hören

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Das neue Buch von Michael Tischinger

Michael Tischinger, Psychotherapeut und Theologe, stellte sein neues Buch in der Adula Klinik für Psychosomatik vor, in der er als Chefarzt tätig ist. In einer komplexen Welt, in der psychische Erkrankungen beängstigend zunehmen, präsentierte er einen Wegweiser, dem Ruf der Seele zu folgen.

Wie können wir selbstbestimmt leben, wem können wir vertrauen, in einer Zeit, in der Stress, Ängste und Zukunftssorgen dominieren und Fake-News zur Normalität geworden sind? Was gibt Halt in einer haltlosen Welt?

„Von Kindheit an werden wir dazu erzogen, nach außen zu hören und ein fremdbestimmtes Leben zu führen“, so Tischinger bei der Buchvorstellung vor großem Publikum. Dabei liege die Sicherheit in uns selbst, in unserer Seele. Sie sei wie ein Kompass, der uns Kraft gibt, alte Muster zu verlassen und neue Wege zu wagen. Sein Buch lade mit vielen Inspirationen dazu ein, innezuhalten, der eigenen Seele nachzuspüren und der Stimme des Herzens Vertrauen zu schenken, um ein erfüllendes Leben zu führen, an dessen Ende man nichts bereuen muss.

In seinem Grußwort betitelte Simon Biallowons, Cheflektor des Herder Verlages den Arzt und Theologen Michael Tischinger als optimalen Autor. Er verkörpere die ethischen Werte des Verlages und sei Repräsentant für ein gutes Buch. „Ein gutes Buch ist ein beseeltes Buch“, so sein Statement.

„Memento mori“

Die Motivation für das derzeit dritte Buch von Chefarzt Tischinger war der plötzliche Unfalltod seines Freundes und Kollegen Patrick Schank. „Erst, wenn uns etwas erschüttert, wachen wir auf. Der Tod von Patrick war ein Weckruf.“ Trotz vieler Verpflichtungen nahm er an einer zweiwöchigen Visionssuche teil und verarbeitete seine Einsichten in seinem Buch.

Darin nimmt er auch Bezug auf die berühmte Rede des Visionärs Steve Jobs, Mitbegründer von Apple, dem die Bewusstheit über die eigene Endlichkeit dazu verhalf, der inneren Stimme zu folgen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Ein beseeltes Leben zu führen, heißt für den fachkompetenten Autor Tischinger, sich von innen her führen zu lassen. Seele ist für ihn ein Ausdruck des Spürbewusstseins. Indem wir in die Stille gehen, Einkehr halten, können wir erfühlen, erahnen, intuitiv erfassen. „Im Bereich des Seelischen geht es darum, uns ergreifen zu lassen, Erfahrungen zu machen, die unter die Haut gehen, anstatt lediglich vom Kopf her etwas begreifen zu wollen.“

Sehr authentisch und menschlich tief bewegend und uneitel präsentiert Tischinger sein Anliegen als Facharzt für Psychosomatik bei der Buchpräsentation. Aus eigener langjähriger Erfahrung mit seinen Patienten wisse er: „Wenn wir nicht auf die innere Stimme hören, dann schickt uns die Seele vielleicht eine Krankheit.“ In jeder Krankheit stecke ein Rufen. Sie sei eine Gelegenheit, innezuhalten und auf die Seele zu hören.

In seinem Buch kritisiert er auch das mechanistische Bild des Menschen in der modernen Medizin. Danach sei der menschliche Körper vergleichbar mit einer Maschine, die gefälligst reibungslos ihre Funktion erfüllen sollte. Krankheit werde als Symptom des Nichtmehr-Funktionierens der Maschine gedeutet.

Materiell reich, seelisch arm

Tischinger zitierte auch die Studie der „Generation Mitte“ einer Allensbach Umfrage, wonach sich die befragten Menschen zwar reich an materiellem Wohlstand fühlten, aber unverbunden und seelisch arm. Erschüttert sei er auch darüber, dass sich die Zahl der Krankschreibungen in den letzten zehn Jahren verdoppelt habe. So seien die Wartezeiten in der Adula-Klinik für Menschen mit psychosomatischen Krankheiten derzeit sehr lang.

Der seelische Zustand sei kein individuelles Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Daher habe er gemeinsam mit anderen Chefärzten einen „Aufruf für das Leben“ gestartet, dessen lange Unterschriftenliste im Internet mit bisher rund 3500 Unterzeichnern beeindruckt (www.aufruf-zum-leben.de). Dieser Aufruf für mehr Menschlichkeit ist auch am Ende des Buches abgedruckt.

Darin heißt es u.a.: „Wir sind erschüttert über die psychosoziale Lage in allen Industrienationen, denn seelische Erkrankungen sind dermaßen häufig, dass sie trotz einer Zunahme von medizinischen und therapeutischen Versorgungsangeboten bei weitem nicht angemessen behandelt werden können. … Die Welt ist so beschaffen, dass wir nur gemeinsam leben und überleben können. Wir brauchen Menschen, die ihr Herz öffnen. Wir brauchen Orte, an denen wir das Beste, was in uns steckt, wachsen lassen können…“

Pater Anselm Grün in seiner Laudatio auf dem Klappentext: „Ein berührendes Buch, das persönliche Erfahrungen, tiefes Wissen und eine hohe Spiritualität verknüpft.“

Michaela Doepke

Buchtipp:

Michael Tischinger: Auf die Seele hören. Wegweiser in ein selbstbestimmtes Leben, Herder Verlag 2019

Weitere Bücher von Michael Tischinger im Herder Verlag:
Selbstliebe. Weg der inneren Heilung
Jeder Tag ist ein geschenktes Leben. Schritte der Achtsamkeit

 

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Warchi/ iStock

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Alle Kommentare

Warum???
Ich bin tief bewegt über den Tod von Michael Tischinger zu dem ich als „Ehemaliger“ immer noch Kontakt hatte.
Als Perfektionist läuft man immer Gefahr das es nicht reicht….. Nein ist ein Fremdwort.
Michael hat mich beeindruckt durch seine Art und man(n) konnte nicht genug bekommen….
Er hat auf seine Seele gehört aber sie vielleicht nicht richtig verstanden !? Er kannte viele „Werkzeuge“ und hatte das „richtige“ im entscheidenden Moment nicht in seinen Gedanken !
Ich werde ihn nie vergessen und daran glaube. Was er als sein Motto beschrieben hatte „Auf die Seele hören“

Ich habe mir seine Videos auf youtube angesehen und die Bücher gelesen. Das gibt mir sehr viel.
Nun lese ich, dass er überraschend verstorben ist.
Ich bin fassungslos. Kann mir jemand schreiben, was passiert ist?

Wir in der Redaktion von Ethik heute waren tief bestürzt, als wir von der Nachricht gehört haben. Leider kennen wir nicht die Hintergründe. Für seine Familie und Freunde ist das eine schwere Zeit. Wir denken voller Mitgefühl an sie. Uns bleibt nur, seine Texte und Bücher zu lesen und seine Weisheit in uns lebendig werden zu lassen.