Neu: Ethik Quiz – Testen Sie Ihr Wissen

Denken wie ein Buddha

Hanson-neu

Wie wir das Gehirn trainieren und positiv verändern.

Rick Hanson erklärt in seinem neuen Buch, wie durch wiederholte mentale und damit neuronale Aktivitäten dauerhafte neuronale und damit mentale Veränderungen erzielt werden können.
Publikationen zum Grenzbereich Neurowissenschaften und Meditation häufen sich. Das Thema ist en vogue. Wir stehen erst am Anfang der Erforschung der sogenannten selbst gesteuerten Neuroplastizität, aber es könnte der Anfang einer „geisteswissenschaftlichen“ Revolution sein.
In seinem neuen Buch Denken wie ein Buddha konzentriert sich der amerikanische, mittlerweile international bekannte Neuropsychologe Rick Hanson besonders auf den Aspekt der erfahrungsabhängigen Neuroplastizität. Das heißt, durch wiederholte mentale und damit neuronale Aktivitäten können dauerhafte neuronale (und damit wiederherum mentale) Veränderungen erzielt werden.
Dabei geht es ihm speziell darum, das Gute in sich aufzunehmen, oder mehr wissenschaftlich ausgedrückt: die vorsätzliche Internalisierung positiver Erfahrungen ins implizite Gedächtnis.
In seinem neuen Buch erklärt er vier Schritte, um das Gute in sich aufzunehmen. Dabei geht es um die Aktivierung von positiven Eindrücken und ihre neuronale Installierung. In seiner Darstellung verzichtet Hanson, anders als in früheren Büchern wie seinem bekannten Werk „Das Gehirn eines Buddha“, fast ganz auf komplizierte und für den Laien schwer nachvollziehbare wissenschaftliche Erklärungen. Daher kann dieser neuen Titel im guten Sinne als populärwissenschaftlich bezeichnet werden.
Unser Gehirn stürzt sich auf negative Erfahrungen
Der Hintergrund seines praktischen Ansatzes verbirgt sich in Hansons Slogan: Unser Hirn ist normalerweise Teflon für unsere gute Erfahrungen und Klett für die negativen. Es leidet unter einer chronischen Papiertiger-Paranoia, die es mit Hilfe der von Hanson vorgestellten 4-Schritte-Übung wieder auszugleichen gilt. Kurze Übungseinheiten sollen auf Dauer diese überholte Standardeinstellung unseres Steinzeitgehirns nachhaltig zum Positiven verändern.
Lässt sich der Leser auf die Übungen ein, werden sicherlich in kurzer Zeit einige positive Veränderungen möglich sein. Wenn man Denken wie ein Buddha jedoch nicht als ein Übungsbuch zu nutzen gewillt ist, sondern einfach nur liest, wird man von den Doppelungen und Redundanzen erschlagen.
Würde man nicht wissen, dass der Autor ein profilierter Wissenschaftler und erfahrender Meditierender ist, könnte man viele Aussagen als simplifizierend missverstehen. Man könnte den Eindruck gewinnen, die (zwar wissenschaftlich nun etwas fundiertere Grundidee) hätte man bereits bei den Comic-Helden von Peanuts vernehmen können, wo Charlie Brown sagte: „Wenn man sich zur einen Seite neigt, dann läuft das Gute über das Schlechte, und wenn man sich zur anderen Seite neigt, geschieht das Gegenteilige.“
Das Buch ist sehr amerikanisch
Obwohl sich Hanson in einigen kurzen Passagen gegen das bloße Positive Denken abgrenzt, fühlt man sich doch an mechanische Prinzipien erinnert, die für den Hausgebrauch hilfreich sein können, aber keine Hilfestellung bei tiefer sitzenden psychischen und emotionalen Problemen sind. Wo bleibt z.B. die Gültigkeit von psychodynamischen Prozessen und therapeutischer Schattenarbeit? Man muss bei Hanson, der es als erfahrender Psychologe eigentlich besser wissen müsste, einen fast rein behavioristischer Hintergrund vermuten.
Und dann stellt sich noch die Frage zum Titel: Was hat der Buddha mit dem von Hanson vorgeschlagenen Übungspfad zu tun? Solche (auch bei anderen Autoren in Mode gekommenen Titel-Anwandlungen) implizieren, dass der Buddha seine schöne Erinnerungen immer wieder auffrischte und assimilierte. Aber kann es sein, dass er durch solche banalen Übungen zu fundamental anderen Geisteszuständen und tiefen Einsichten gelangte, die einen völlig anderen Seinsmodus ermöglichten?
Neben diesen kritikwürdigen Aspekten wird der Leser jedoch gut daran tun, die simplen, aber sehr anschaulichen und wirkungsvollen Methoden auszuprobieren, um sich eine eigene Meinung (bzw. Erfahrung) zu machen.
Jürgen Manshardt

Rick Hanson. Denken wie ein Buddha. Gelassenheit und innere Stärke durch Achtsamkeit. Irisiana Verlag, München 2013. 268 S., 16,99 €
Interview mit Rick Hanson: Das Gute im Gehirn verankern

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