Felber, Ethischer Welthandel, Buch

Der Traum vom fairen Welthandel

Ein Buch von Christian Felber

WTO in der Sackgasse, Proteste gegen TTIP & Co. – die Lage ist gut, über Alternativen zum Freihandel nachzudenken. Christian Felber, Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie, kritisiert in seinem neuen Buch das bestehende System und entwirft Ideen für eine Alternative zwischen Freihandel und Protektionismus.

 

Christian Felber ist ein Querdenker und Visionär. Er hat nicht nur mit seiner Gemeinwohl-Ökonomie eine alternative Form des Wirtschaftens ins Leben gerufen und überdies noch eine Gemeinwohlbank gegründet – in seinem neuesten Buch „Ethischer Welthandel“ schlachtet er eine heilige Kuh des Kapitalismus: den Freihandel. Der Autor zeigt auf, wie der globale Handel gegenwärtig die Reichen begünstigt und die Armen benachteiligt. Für ihn gibt es Alternativen es zum bestehenden System: den ethischen und fairen Welthandel.

Doch bevor er seine Vision entwickelt, zerpflückt er das bestehende System des Freihandels; 12 Punkte umfasst seine Kritik: Der Handel, wie er zurzeit über die WTO gestaltet wird, sei reiner Selbstzweck und diene nicht, wie immer bekundet, dem Gemeinwohl. Menschenrechte, Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz würden gar als „Handelshemmnisse“ eingestuft. Daran kranken übrigens auch bilaterale Handelsabkommen, die derzeit so hoch im Kurs stehen.

Das Thema „Unausgeglichene Handesbilanzen“ nimmt der Autor besonders in den Blick. Denn sie seien ungesund und führten zu einem Ungleichgewicht, wie man am Beispiel von Griechenland und Deutschland sehen könne. Freihandel zwischen Ungleichen führe zu noch mehr Ungleichheit und treibe schwächere Länder in eine Verschuldung, von der sie sich nicht mehr erholten.

Der Witz ist: Die heutigen Wohlstandsnationen haben sich im Zuge der Industrialisierung überhaupt erst mit Hilfe von Zöllen entwickelt, denn diese dienten dazu, den eigenen Binnenmarkt aufzubauen und zu stärken. Wer die Länder des Südens jetzt in die Freihandel drängt, ohne dass sie ihre eigenen Wirtschaftskreisläufe aufbauen können, treibt sie weiter in die Armut.

Ethische Handelszone

Im zweiten Teil entwirft Felber seine Vision eines ethischen Welthandels, den er als Mittelweg zwischen Freihandel und Protektionismus sieht. Da die WTO nach den gescheiterten Doha-Verhandlungen ohnehin in der Sackgasse stecke, bestehe jetzt die Chance, den Welthandel neu zu organisieren. Dafür sollten die Vereinten Nationen zuständig sein, denn so wäre es möglich, ihn in den Dienst der UNO-Nachhaltigkeitsziele zu stellen.

Der Handel solle an definierten Werten und Zielen ausgerichtet werden wie den Menschenrechten, der Armutsbekämpfung, dem Klima- und Umweltschutz. Dafür fordert der Vordenker „ethische Zölle“. Ein Land, das die Menschenrechte verletzt oder an Zwangsarbeit beteiligt ist, müsse mit hohen Zöllen für seine Exporte rechnen. Strafen würden auch für diejenigen fällig, die mehr exportieren als importieren – eine Forderung, die schon der britische Ökonom Keynes (gest. 1946) erhoben hatte. O-Ton Felber: „Die Teilnahme am Weltmarkt ist ein Privileg der ethischsten Unternehmen.“

Wie das alles im Einzelnen organisiert werden kann, bleibt unklar. Offenbar schwebt Felber eine Art „Ethischer Handelszone“ vor, zu der diejenigen Unternehmen Zutritt haben, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Auch von einer „Weltsteuerbehörde“ ist die Rede, diese müsste vermutlich entscheiden, was aus welchem Grund und in welcher Höhe besteuert wird.

Neue Konzepte für eine gerechte Welt

Die Vorstellungen wirken naturgemäß noch ein wenig unfertig und zusammengepuzzelt, schließlich strebt der Autor nichts Geringeres als eine Neugestaltung der Weltwirtschaft an: eine „ethische Globalisierung“.

Die Ausgestaltung ist ein komplexes Unterfangen, schon weil die Voraussetzungen ganz andere wären als im bestehenden Welthandelssystem. Daher widmet Felber den abschließenden Teil des Buches seinem Lieblingsthema „Souveräne Demokratie“. Denn der Wille zur Neugestaltung, so seine Überzeugung, müsse von unten kommen. Er plädiert für mehr Partizipation und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Entscheidungen, um so etwas wie Ethischen Welthandel durchzusetzen.

Es gibt also einiges zu tun, wenn seine Vision von Gemeinwohl-Ökonomie und fairem Handel Wirklichkeit werden soll. Stellenweise mutet es wie Fiktion an, denn alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens müssten neu gestaltet werden, und das kann man unmöglich auf dem Reißbrett planen. Trotzdem ist es gut, mit diesem Buch einen neuen Denkansatz vorzustellen, der ein Gegengewicht zum bestehenden System der Zerstörung und Ausbeutung schafft, das auch an seine planetarischen Grenzen stößt.

Tausende Menschen sind in in Europa gegen TTIP, CETA und andere Freihandelsabkommen auf die Straße gegangen. Doch die Bewegung krankt daran, dass sie immer nur gegen etwas ist. Aber wofür ist sie eigentlich? So prallen Proteste und Demonstrationen an der Phalanx aus Wirtschaft und Politik ab. Das Buch Christian Felbers könnte die Initialzündung geben, konkreter über neue Konzepte für eine gerechte Welt nachzudenken.

Birgit Stratmann

Christian Felber: „Ethischer Welthandel. Alternativen zu TTIP, WTO & Co“
Deuticke Verlag, 224 Seiten, 18 Euro.

Lesen Sie auch den Beitrag von Christian Felber zur Gemeinwohl-Ökonomie: „Eine andere Ökonomie ist möglich“

 

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