Frustrationstoleranz im Job

Monkey Business Image/ Shutterstock
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Die innere Haltung ist wichtig

Frustrationstoleranz, Geduld und gesunder Realismus sind wichtige Qualitäten im Beruf. Und diese kann man lernen, wie die Resilienzforschung herausgefunden hat. Maria Köpf hat recherchiert. Vor allem geht es darum, in schwierigen Situationen aktiv Handlungsspielräume auszuloten und mit Niederlagen gut umzugehen.

Zahlreiche Berufe erfordern die Fähigkeit, in stressigen Phasen gelassen und konstruktiv zu bleiben. Für die Resilienzforscherin Dr. Donya Gilan vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) gibt es diverse Berufstypen und Positionen, die mehr Frustrationen erleben als andere:

„Besonders in Berufen mit erhöhter zwischenmenschlicher Interaktion oder auch in Führungstätigkeiten mit viel Verantwortung erlebt man stressvolle Herausforderungen, die auch Niederlagen mit sich bringen. Aber auch Berufstätige mit hochkomplexen und verzahnten Projekten oder Menschen mit Mehrfachbelastung erleben vermehrt Frust.“

Der Begriff „Frustrationstoleranz“, 1938 von Saul Rosenzweig geprägt, bezeichnet „die individuelle Fähigkeit, Frustrationen zu ertragen, mit Rückschlägen fertigzuwerden und in schwierigen Situationen nicht sofort aufzugeben.“

Resilienz geht in eine ähnliche Richtung, wird aber etwas anders definiert. Darunter versteht man „die psychische Stärke eines Menschen (…), schwerwiegende, kritische, traumatische Lebensereignisse zu meistern (…) – ja sogar gestärkt daraus hervorzugehen.“

Manche wollen 150 Prozent Leistung bringen

Manche Experten sind der Auffassung, Frustrationstoleranz sei ein veralteter Begriff. Zumindest, wenn er als passives Hinnehmen von Frustrationen verstanden wird. Manche Ereignisse, die für einen Arbeitnehmer schädigend sind, erfordern eben kein „passives Akzeptieren“, sondern aktiv Grenzen zu setzen oder sogar die Arbeitsstelle zu wechseln.

Das betont etwa die Expertin Gabriele Amann von der Stiftung ResilienzForum in Berlin: „Viele Menschen werden von veralteten Leitbildern der Nachkriegsgeneration dazu verleitet, trotz widriger Arbeitsumstände permanent 150 Prozent Leistung abzuliefern. Nach dem Motto: „Nur die Harten kommen in den Garten“.Was hier noch glorifiziert wird, ist die Einstellung, sich selbst nicht wichtig zu nehmen.“

Doch kein Mensch sei wie ein Fels in der Brandung, an dem alle Belastungen einfach so abprallen. „Permanente berufliche Frustrationen und ein negatives Arbeitsumfeld können uns auf Dauer psychisch hoch belasten“, betont die Resilienzexpertin.

Laut Dr. Donya Gilan geht man heute davon aus, dass die genetische Disposition hilft, psychologische Schutzfaktoren wie Optimismus oder Flexibilität im Denken und Handeln zu haben.

Lebenslanges Lernen ist möglich!

Frustrationstoleranz ist noch eine weitere Qualität, die sich zuallererst durch persönliche Lernprozesse forme. „Bereits Kinder sollten durch Interaktion mit der Umwelt lernen, Geduld aufzubringen, Kompromisse einzugehen und die Bedürfnisse nicht immer durchsetzen zu können“, weiß Gilan.

Auch später im Leben lässt sich die eigene Frustrationstoleranz ihrzufolge jederzeit verbessern. Ein wichtiger Lernprozess bestehe darin, den entstehenden Frust auszuharren und ihn konstruktiv zu überwinden. Wer auf Frust geduldiger und lösungsorientierter reagieren möchte, muss lernen, seine Schwächen und negativen Emotionen zu akzeptieren und sie als vorübergehende Stimmungslage zu begreifen.

Bei der Suche nach individuellen Lösungswegen sollten nicht nur die Hindernisse, sondern vor allem auch die Handlungsspielräume fokussiert werden. Im Bedarfsfall sollte man sich nicht davor scheuen, soziale Unterstützung zu holen. „Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit, sich optimistisch und selbstbewusst einen kreativen Weg aus einer Situation zu suchen und dabei flexibel im Handeln und Denken zu bleiben.“

Wer darüber hinaus bei sich selbst verzerrte Wahrnehmungsmuster aufdeckt und die ganze Schieflage einer Situation nicht sofort an sich selbst festmacht, sei auf dem besten Wege, seine Frustrationstoleranz zu verbessern.

Resilienzfaktoren helfen, die Frustrationstoleranz zu erhöhen

Ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz ist also notwendig, um im Beruf lösungsorientiert handeln zu können. Resilienzfaktoren können dazu beitragen, die Frustrationstoleranz zu erhöhen.

Heute gehen Forscher von mehr als den häufig zitierten sieben Resilienzfaktoren aus. Einig sind sich Wissenschafter darüber, dass bestimmte Faktoren stärker zur Gesundheit beitragen: Dazu gehören gute soziale Beziehungen, Selbstwirksamkeit, Selbstwahrnehmung und Spiritualität. Auch Selbstakzeptanz, positive Emotionen, realistischer Optimismus und Akzeptanz des Gegebenen werden oft genannt.

„Besonders die Selbstwahrnehmung spielt eine große Rolle für gelingendes Lernen aus Frustrationen“, ist Romana Sailer überzeugt, Psychologin und Gesundheitsmanagerin mit Lehrstelle an der Wirtschaftsakademie Wien.

Um mit Frustrationserlebnissen besser umgehen zu können, seien hingegen eher Selbstwirksamkeitserwartung und soziale Unterstützung gefragt. Sailer weist auf Arbeiten der Resilienzexpertin Dr. Lucy Hone hin, wonach das ständige Hinterfragen eine der Strategien widerstandsfähiger Menschen sei.

„Sie reflektieren, ob ihre Verhaltens- und Denkweisen hilfreich und gut oder schädlich für sie selbst sind. Das heißt, sie sind sich ihrer selbst und ihrer Handlungen sehr bewusst“, so Sailer.

Aber nicht nur eine gute Selbstwahrnehmung ist wichtig, sondern auch realistischer Optimismus. „Die innere Haltung, von einem guten Ende der Dinge auszugehen und einen tieferen Sinn darin zu sehen, ist von Bedeutung“, macht Dr. Donya Gilan deutlich.

„Wer in Frustrationsmomenten daran denkt, wo er noch aktive Handlungsspielräume hat und wer es während einer Niederlage schafft, sich selbst zeitweise in positive Stimmung zu bringen, eine Aussicht auf Erfolg sieht, gewinnt Lebensmut, ist aktiv und produziert positive Emotionen.“

Lesen Sie auch den Praxis-Artikel: Wie geht Frustrationstoleranz im Job?

Foto: privat

Maria Köpf arbeitet als Journalistin und Dozentin in Klagenfurt. Sie hat Germanistik und Judaistik studiert und schreibt u.a. für Magazine wie die Amira, den Wissenschaftsladen Bonn, Natur & Heilen, Ethik heute und das AVE-Institut. Sie schreibt über Bildung und Beruf, Gehirn und Gesellschaft und Achtsamkeit als Selbst- und Beziehungskompetenz. Sie lebte einige Zeit in Israel und in Spanien. Maria Köpf stammt aus Berlin und lebt heute mit ihrer Familie in Kärnten/Österreich. Mehr über sie auf www.mariakoepf.com.

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