Im Sturm der Meinungen

Jaz_Online/ shutterstock.com
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Orientierung finden mit Achtsamkeit und Dialog

Im Zuge der Diskussion um den Umgang mit der Corona-Krise erreichen Ideen einer geheimen Verschwörung zunehmend auch die Mitte unserer Gesellschaft. Wie finden wir Orientierung im Dschungel „alternativer Nachrichten“? Dialogbegleiter Mike Kauschke erklärt, wie wir Klarheit finden und unsere Bereitschaft zum Dialog erhalten.

 

Gesellschaftliche Krisen und die damit verbundenen Ströme an Informationen, Meinungen, echten und nicht ganz so echten News sind eine Herausforderung und eine Realitätsprüfung für uns alle. In der Corona-Krise erlebe ich es so, dass Verhaltensmuster in mir selbst, die Dynamiken in Beziehungen und auch gesellschaftliche Spannungen klarer hervortreten. Das ist manchmal schmerzhaft und irritierend. Gerade für Menschen, die sich um ein achtsames, bewusstes, nachhaltiges Leben bemühen, ist deshalb eine Realitätsprüfung wichtig – und zwar in drei Aspekten: Achtsamkeit, Resonanz und Dialog.

Achtsamkeit im meditativen Sinne bedeutet unter anderem ein Gewahrsein, in dem wir die auftauchenden Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrnehmen, ohne auf sie zu reagieren, ihnen zu folgen. Daraus eröffnet sich oft eine innere Freiheit und Klarheit des Geistes. Aus dieser Freiheit erwächst auch eine heilsame Kraft. Eine scherzhafte Formulierung einer solchen Freiheit ist, dass sie darin besteht, nicht allem glauben zu müssen, was wir denken.

Die Achtsamkeitsprüfung

Die gegenwärtige Zeit empfinde ich auch als eine „Achtsamkeitsprüfung“: Bin ich in der Lage, die Vielzahl der Informationen, die oft auch in einer großen Erregtheit oder mit aufklärerischem Gestus daherkommen, wahrzunehmen, ohne sofort darauf zu reagieren? Finde ich in mir den freien Raum, verschiedene Nachrichten auf mich wirken zu lassen? Um dann deren Inhalt und die Absicht, mit der sie verfasst, veröffentlicht und versandt wurden, achtsam wahrzunehmen und zu prüfen?

Hier sind Tugenden notwendig, die momentan sehr selten sind: Gelassenheit und Besonnenheit. Dazu gehört die Fähigkeit, innerlich so offen zu sein, dass wir verschiedene, sich auch widersprechende Ansichten hören und in uns halten können, um daraus zu unserem eigenen Urteil zu kommen. In dem Wissen, dass es immer nur vorübergehend sein kann bzw. immer wieder überprüft werden muss.

Dabei beunruhigt mich, wie oft dieser innere, achtsame Freiraum kollabiert. Das erlebe ich in mir, wenn mich die Ansichten anderer so verstören, dass ich sie nicht mehr hören will und nicht mehr den Menschen dahinter sehen oder spüren kann. Und ich erlebe es auch bei Freunden und Bekannten und natürlich in den sozialen Medien, die gerade eher asozial zu wirken scheinen. Konträre Meinungen prallen aufeinander und machen eine Resonanz unmöglich.

Resonanz und die Bereitschaft zu verstehen

Resonanz ist ein schönes Wort, welches der Soziologe Hartmut Rosa populär gemacht hat. Es beschreibt eine Qualität von Beziehung, in der wir uns wirklich berühren und bewegen lassen, in der wir verwandelt werden. Solche Resonanzbeziehungen sind in einer krisenhaften Zeit in Gefahr. Oft scheint es eher, dass Dissonanz das kulturelle Klima bestimmt.

In der im Zuge der Corona-Krise verordneten Entschleunigung eröffnen sich jedoch auch neue Räume der Resonanz. Ich erlebe zum Beispiel die Verbundenheit mit der Natur intensiver. Und auch in Beziehungen oder Dialogräumen, zum Teil auch über Videokonferenz scheint ein Resonanzgefühl verstärkt spürbar zu werden. So kann ein achtsamer Reflexionsraum eröffnet werden, um individuell und gesellschaftlich unser Leben und unsere Zukunft mit mehr Freiheit und Weitsicht zu überdenken.

Auch Dialog ist ein Resonanzphänomen. Der Dichter David Whyte sagt: „Niemand überlebt ein echtes Gespräch.“ Ich will den anderen spürend verstehen, will ihn erreichen und erreicht werden und gehe verwandelt aus einem Dialog hervor.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift von Evolve (1) beschreibt der Kommunikationswissenschaftler Bernhard Pörksen drei Dimensionen der Kommunikation: Verstehen, Verständnis, Einverständnis. Verstehen und Verständnis bedeuten nicht, dass ich mit allem, was der andere sagt, einverstanden bin, aber die Resonanzbeziehung des Verstehenwollens und des Verständnisses für die Beweggründe des anderen kann trotzdem lebendig bleiben.

Pörksen erklärt auch, dass Kommunikation und Dialog dann misslingen, wenn ich den anderen herabsetze, wenn ich ihn gar nicht hören will, ihn übertöne, überzeugen will. Dabei möchte ich nicht sagen, dass Dialog eine Art Allheilmittel ist. Manchmal gelingt ein Gespräch nicht, weil nicht die Bereitschaft besteht, sich an verbindliche Werte wie die Wahrung der Würde jedes Menschen zu halten.

In diesem Sinne erklärt Pörksen, dass es auch rote Linien brauche, die nicht überschritten werden dürfen. Dabei plädiert er für eine „Gleichzeitigkeit des Verschiedenen, dazu gehört das Gespräch, die respektvolle Konfrontation und manchmal eben auch die Intoleranz gegenüber der Intoleranz.“

Orientierung im Dschungel „alternativer“ Nachrichten

Achtsamkeit, Resonanzfähigkeit und Dialogoffenheit erlauben mir, mich mit Informationen und Meinungen auseinanderzusetzen. So gewinne ich auch einen klareren Blick auf die „alternativen Stimmen“ von KenFM, Rubikon oder Ruediger Dahlke, um nur einige zu nennen. Darin sehe ich oft eine Erregtheit, Aggression und Herabsetzung anderer, die mich misstrauisch macht. Die Intention besteht häufig eben nicht in einem Gesprächsangebot oder der Wahrheitssuche, sondern in Meinungsmache und Manipulation.

Nun positionieren sich Vertreter „alternativer Medien“ oder „alternativer Meinungen“ häufig als Verfechter der Freiheit und der Wahrheit. Dabei beanspruchen einige die für mich absurde Verbindung zur Bürgerbewegung in der ehemaligen DDR. Als jemand, der selbst in der DDR aufgewachsen ist, würde ich sagen, dass sie nicht erfahren (oder vergessen) haben, wie es ist, wirklich in einer Diktatur zu leben.

Mich besorgt es, wenn jetzt das Bild einer Corona-Diktatur an die Wand gemalt wird, in einem Ton, der mich deutlich eher an die Propaganda meiner Jugend erinnert, als das, was ich in den angeblich so gleichgeschalteten offiziellen Medien lese. Weil diese Propaganda das Vertrauen in unsere Demokratie unterminiert, findet sie auch Unterstützung von rechtspopulistischen Kräften.

So entsteht ein merkwürdiger und zunehmend beängstigender Zusammenschluss von Menschen, die berechtigte Fragen zum Umgang mit der Corona-Krise haben, mit rechtspopulistischen, esoterischen oder verschwörungstheoretischen Bestrebungen, wie aktuell in der Partei „Widerstand2020“ von Bodo Schiffmann oder bei den sogenannten „Hygiene-Demos“.

Wenn ich solche kritischen Überlegungen anstelle, möchte ich nicht aus einer ähnlichen Haltung der Abwertung sprechen, und das erfordert Achtsamkeit. Achtsamkeit bedeutet aber nicht, ruhig und gelassen über allem zu schweben. Es ist ein Zeichen der Anteilnahme, wenn uns etwas aufregt und empört – das ist besser als passiver Verdruss.

Und ich verstehe die vielen Äußerungen von Frustration: Sorgen über die Lockdown-Maßnahmen oder einen möglichen Impfpass, Verzweiflung an anderen brennenden Krisen oder die Frage, ob die Freiheitseinschränkungen überzogen sind. Und ich glaube auch, dass unsere Systeme der Politik und Wirtschaft einer grundlegenden Transformation bedürfen.

Aber wir sind ein Teil dieser Systeme, auch wenn wir uns als ihr alternativer Rand empfinden. Politkern, Wissenschaftlern oder geheimen Mächten die Schuld zu geben, fördert die Spaltung in das „Wir gegen die Anderen“. Einen Weg durch oder aus der Krise, der demokratisch gelingen kann, finden wir aber nur zusammen.

Dialogoffensive starten

Viele „alternative Stimmen“ fühlen sich als Bewahrer von Wahrheit und Freiheit und beziehen diese Werte vor allem auf sich: „Meine Wahrheit“ und „meine Freiheit“. Aber Demokratie ist ein achtsames, resonantes, dialogisches Geschehen, in dem ich meine Freiheit oder Wahrheit immer in Beziehung, in Resonanz zur Freiheit und Wahrheit anderer verstehen muss.

Es führt nirgendwo hin, die Freiheit oder gar die Leben z. B. der älteren Risikogruppen gegen die der jüngeren Menschen zu stellen. Eine demokratische Gesellschaft will allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen. Eine Pandemie bringt Leid mit sich, und wir brauchen einen Diskurs darüber, wie wir Leiden mindern. Genauso wichtig ist das Mitgefühl. Diese Krise ruft für mich auch nach einer gesellschaftlichen Revolution des Mitgefühls für alle, die durch diese Krise körperliches, psychisches Leid erfahren oder deren Existenzgrundlage wegbricht.

Und eigentlich ist der wichtigere Dialog die Frage nach einem guten Leben: Welche Werte wollen wir als Gesellschaft zum Ausdruck bringen? Wie gehen wir mit Kranken und Sterbenden um? Wie können wir die Erfahrung der Entschleunigung und des wirksamen Reagierens auf eine Gefahr für Herausforderungen wie den Klimawandel, das Artensterben, die globale Ungerechtigkeit, die Flüchtlingskrise oder Sinnkrise nutzen? In welcher Welt wollen wir leben?

Das sind Fragen, die wir gemeinsam bewegen müssen. Die Polarisierung, die wir jetzt erleben, ist möglicherweise auch die Folge einer systemischen Nachlässigkeit in der Entwicklung unserer politischen Kultur: dass wir als Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend einbezogen werden, dass die politische Entscheidungsfindung zu sehr auf einer häufig durch wirtschaftliche Interessen geleiteten Parteipolitik basiert und zu wenig auf einem zivilgesellschaftlichen Diskurs, dessen Zerrbild wir gerade in den sozialen Medien erleben.

In diesem Sinne bräuchte es vielleicht eine Dialogoffensive in der Post-Corona-Zeit: Bundesweite Bürgerräte, in denen wir uns als dialogbereite Menschen begegnen können, ohne die „Masken“ von WhatsApp, Facebook oder YouTube, jenseits der „physischen Distanz“ von Meinungsblasen und Echokammern.

Dann können wir von Angesicht zu Angesicht auch unsere Ängste, Hoffnungen und Visionen eines guten Lebens für uns, für unsere Gesellschaft und den Planeten teilen. Dabei wird es auch nötig sein, uns neu der gemeinsamen Grundlage eines demokratischen Diskurses zu vergewissern und klare Grenzen zu Falschbehauptungen und Verschwörungsfantasien zu ziehen.

(1) Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift evolve

Interview mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zu den Protesten gegen die Corona-Regeln am 12. Mai 2020 im Deutschlandfunk

Mike Kauschke ist Autor, Übersetzer, Dialogbegleiter und Redaktionsleiter des Magazins evolve. www.mike-kauschke.de

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Sie reden hier zwar von “Dialogbereitschaft” und “Offenheit”, jedoch bestenfalls als Erwartung an andere. Sie selbst bleiben ganz offensichtlich hinter Ihren Forderungen zurück. Denn Ihre eigene Haltung setzt sich aus Diffamierung, Diskreditierung und der offensichtlichen Abwertung anders denkender Menschen zusammen. Sie vertreten hier einen leicht durchschaubaren Populismus mit faschistoiden Zügen. Es gibt mir sehr zu denken, dass so ein Beitrag auf einer Ethik-Plattform erscheint. Solche Auffassungen sind nämlich alles andere als ethisch. Es handelt sich dabei letztlich nur um den leicht durchschaubaren Versuch, den Lesern Ihre Ansichten überstülpen zu wollen, statt die Menschen in ihrer Freiheit zu selbständigem Denken zu bestärken. Letzteres wäre eine äußerst ehrenwerte und vor allem auch philosophische Haltung gewesen. Schade, hier wurde die Chance vergeben, einen wirklich hilfreichen und auf Offenheit und Toleranz basierenden Artikel zu präsentieren!

Ja, da haben Sie völlig Recht: ich habe hier in der Tat keine Argumente gebracht, sondern bin sofort zum Fazit gelangt. Das mag Ihnen missfallen, kann ich aber trotzdem so machen. Niemand ist befugt mir das vorzuschreiben, wir sind hier ja nicht in der Grundschule. Freilich wäre es vermutlich eleganter und für manchen Leser hilfreich gewesen, wenn ich mir die Mühe gemacht hätte, die hier vorgestellten Aussagen in guter philosophischer Manier zu zerpflücken und die Unsachlichkeit sowie die fehlgehenden Behauptungen dieses Beitrags bloßzustellen und zu widerlegen, Pardon!

Dies habe ich jedoch aus zweierlei Gründen nicht getan: Erstens halte ich die Leser auf dieser Plattform für grundsätzlich kompetent genug, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Wer den Text des Autors genauer liest, kann problemlos selbst zu den von mir gezogenen Schlüssen gelangen. Diese Fähigkeiten dürfen Sie den Menschen hier ruhig zutrauen. Ich glaube nicht, dass diese in solch einer bevormundenden Art und Weise belehrt werden müssen und auch bestimmt nicht möchten!

Zweitens: Ich kann diesen Unsinn, der schon seit Wochen und Monaten zum Thema Corona von den unterschiedlichsten Seiten verzapft wird, nicht mehr hören! Die Fakten sind 1.) Die Corona-Pandemie ist seit spätestens Anfang April vorbei. Zu dieser Erkenntnis kann jeder kommen, der die offiziellen amtlichen Statistiken lesen und verstehen kann. 2.) Es hat sich noch zu keiner Zeit beim Corona-Virus um einen besondern gefährlichen Virus gehandelt. Auch zu dieser Erkenntnis kann jeder vernünftige Mensch gelangen, der sich einigermaßen gut informiert und intellektuell in der Lage ist, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. 3.) Wer dies erkannt und verstanden hat, dem ist außerdem klar, dass uns in Bezug auf zumindest diese beiden Punkte unsere Regierung, das Robert Koch Institut, Herr Drosten sowie die Massenmedien mit falschen Informationen für dumm verkaufen wollen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen habe ich mich über dieses Thema durch das Studium beinahe unzähliger Beiträge, Bücher, Videos und die direkte und indirekte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Aussagen auf’s Beste informiert und habe mittlerweile zu diesem Thema selbst dutzende Texte verfasst und mehr als reichlich Gespräche sowohl mit Experten als auchLaien geführt. So, und jetzt habe ich einfach keine Lust mehr dazu, jeden Unsinn, der irgendwo verbreitet wird, auch noch im Detail zu kommentieren. Dafür ist mir meine Zeit definitiv zu schade. Dies selbst auf die Gefahr hin, dass mich hier der Autor womöglich auch in die Reihe der dummen und uneinsichtigen Weltverschwörungs-Theoretiker, Dahlke-Anhänger, Impfgegner sowie rechtsradikalen und unbelehrbaren Spinner einreiht. Was von jemandem zu halten ist, der so über andere Menschen denkt, urteilt und redet, überlasse ich dann gerne den geneigten Lesern selbst. Deshalb ist dies auch mein letztes Wort dazu. Punkt.

Lieber Herr Kirschberger,

Ihren Kommentar nehme ich gern zur Kenntnis. Etwas Konstruktives kann ich darin zwar nicht erkennen, aber das muss ein Kommentar auch nicht sein. Mich hat es zunächst erstaunt, warum solch ein Text, den ich vor allem aus einer persönlichen Betroffenheit und Suche nach Orientierung geschrieben habe, die Zuschreibungen „Diffamierung“, „Diskreditierung“ und „offensichtliche Abwertung“, „Populismus“ und faschistoid“ verdient. Es gibt mir zu denken. Ich sehe für mich, dass Abwertung immer eine „Falle“ ist, wenn man etwas benennt, mit dem man nicht übereinstimmt. So wie Sie mich mit Ihrem Kommentar abwerten, so empfinde ich es jedenfalls. Wo die Grenze zwischen dem Beziehen eines Standpunktes und der Abgrenzung gegen Äußerungen und Handlungen, die den eigenen ethischen Überzeugungen widersprechen, und der persönlichen Abwertung verläuft, muss sich wohl jeder von uns immer wieder selbst fragen.
In ihrem Folgekommentar legen Sie dann die Fakten zu Corona dar und die ausgiebige Quellenstudie, die Sie betrieben haben, ohne eine einzige Quelle zu benennen. Für mich ist es die Herausforderung dieser Zeit und eines so komplexen Geschehens, dass es aber diese eindeutige Interpretation der Faktenlage nicht gibt, die Fakten, die uns bekannt sind, können wir ganz verschieden gewichten und interpretieren. Das ist ja auch ganz normal und Inhalt einer Diskussion, um gemeinsam zum wahren Kern vorzudringen. Aber die eigene Interpretation als letztgültige Wahrheit darzustellen, verhindert diesen Prozess.
Zu Punkt Eins ihrer Gewissheiten reicht meines Erachtens ein Blick auf neue Ausbruchssituationen wie bei Tönnjes oder in die USA, um ihn zumindest diskussionswürdig zu machen. Zu Punkt Zwei vertreten sehr viele Mediziner eine andere Sichtweise und es gibt mittlerweile auch zahlreiche Fallberichte, die die Gefährlichkeit des Virus vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen untermauern. Und Punkt drei ist, mit Verlaub, eine manipulative Unterstellung genau der manipulativen Intention, die Sie „der“ Regierung, dem RKI und „den“ Medien vorwerfen. „Die Regierung“ und „die Medien“ sind für mich Ausdrucksformen, die mich sehr misstrauisch machen, denn sie halten der Komplexität der Meinungen, die wir auch in Regierung und Medien erleben, in meinen Augen nicht stand.
Für mich sind Ihre Ausführungen also keine Faktenlage, sondern eine Interpretation, um die momentane Situation sinnhaft zu verstehen. Das kann ich auch gut nachvollziehen, ich selbst bilde mir auch eine Interpretation. Um der Wahrheit bzw. den Fakten nahezukommen, müssten wir wohl einerseits eingestehen, dass wir nicht im Besitz des letztendlichen Verstehens sind, und in Diskussionen eintreten, auch mit Menschen, die zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Dabei können wir uns auch der Gründe bewusstwerden, durch die wir zu unserer Sichtweise kommen.
Bei Ihnen höre ich eine Empörung darüber, das andere abgewertet werden, weil sie anderer Meinung sind. Das finde ich nachvollziehbar und verständlich. Und es bringt mich zu der Reflexion, wo ich Menschen mit anderen Sichtweisen so behandle. Dafür danke ich Ihnen. Gleichzeitig gibt es ethische Überzeugungen, die ich für mich für wichtig halte und werde weiterhin auch Sichtweisen benennen, die für mich nicht konstruktiv zur Wahrheitsfindung beitragen, wie ich es in dem Artikel benannt habe.
Als zweites Anliegen höre ich die Angst, belogen zu werden. Auch das kann ich gut nachvollziehen. Und ich glaube, es gibt berechtigte Gründe, misstrauisch zu sein, wie ich in diesem Text auch geschrieben habe (https://mike-kauschke.de/nach-corona/). Aber pauschale Urteile und undifferenzierte Anschuldigungen bringen niemanden weiter.
Ich hoffe jedenfalls, dass Sie einen Weg finden, diesem Unmut Ausdruck zu geben, ohne andere abzuwerten, Lügen zu unterstellen und Ihre eigenen Interpretationen als letztgültige Wahrheit darzustellen. Für mich hoffe ich, dass ich besser lerne, Sichtweisen, die ich als destruktiv erlebe, klar zu benennen, ohne die Menschen abzuwerten. Im Grunde haben wir alle unsere Erfahrungen, Verletzungen, Traumata, unsere Befürchtungen und Hoffnungen, die uns zu unserer Sichtweise bewegen. Gespräche über diese Beweggründe können Räume des Verstehens öffnen, das erlebe ich in dieser Zeit immer wieder. Das ist eigentlich das, was ich mit Achtsamkeit, Resonanz und Dialog in dem Text ansprechen wollte.
In diesem Sinne alles Gute
Mike Kauschke

Bin ich vielleicht zu “einfach” gestrickt, um hier unter Autoren und Ethikern den Kern des Artikels wirklich herauszulesen? Im Titel wird ein “Sturm der Meinungen” angekündigt und dann werden ausgerechnet Menschen für ihre abweichende Meinung kritisiert, die sich eben sachlich und fundiert äußern?

Warum dann nicht die Argumente mit echten Beispielen von “Hetzern” mit unsachlicher und nicht belegbarer Kritik untermauern? Versteh ich nicht. Ich bleibe wohl ein “Kleingeist” …

Vielen Dank! Wie ich schon im vorherigen Kommentar geschrieben habe, ich halte es durch aus für wichtig, andere Meinungen auch kritisieren zu können, das kann ein konstruktiver Diskurs manchmal aber gar Streit sein. Auch darüber, ob eine Meinung fundiert und sachlich ist oder eben manipulativ und unfundiert, kann man und muss man vielleicht sogar streiten. Das alles aber mit der Wertschätzung für den Menschen und dem jeweiligen Versuch, die Welt besser zu verstehen. In diesem Sinne brauchen wir auch eine neue, achtsame Kultur der Konfrontation und Kritik, jenseits von Ignorieren und Diffamieren. Aber das ist schwierig, das merke ich selbst.