Foto: Jan Ainali

Über Greta Thunbergs Kampf für das Klima

Mit ihrem Schulstreik für das Klima erregt die Schülerin Greta Thunberg aus Schweden weltweit Aufmerksamkeit. Sie kritisiert das Nichtstun und die Gleichgültigkeit der Erwachsenen. Denn es geht um die Zukunft ihrer Generation. Birgit Stratmann kommentiert ihre Aktionen.

Beim Klimaschutz gibt es keine Kompromisse. Das ist die feste Überzeugung der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die durch ihr Umweltengagement inzwischen weltbekannt ist. „Die Erwachsenen setzen die Zukunft ihrer Kinder aufs Spiel“, so die 16-Jährige.

Im August 2018 startete sie ihre erste Aktion vor dem schwedischen Parlament. Seitdem sitzt sie jeden Freitag dort, statt die Schulbank zu drücken, mit ihrem Schild „Schulstreik für das Klima“. Ihr Vorbild ist der Umweltaktivist Bo Thorén. Aber die Idee für ihre eigene Aktion habe sie sich selbst ausgedacht, so Thunberg in einem Interview auf Spiegel online. „Weil niemand mitmachen wollte, habe ich mich alleine vor das Parlament gesetzt.“

Und sie werde nicht zurückweichen, bis ihre Regierung Maßnahmen ergreift, um die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens von 2015 umzusetzen. Ihr folgen mittlerweile Gleichgesinnte in Deutschland, Belgien und Australien. Tausende junge Leute, die dem Unterricht fernbleiben, um gemeinsam politisch aktiv zu sein.

Bekannt wurde Greta Thunberg durch ihren spektakulären Auftritt beim Weltwirtschaftsforum im Januar 2019 in Davos. Vor laufenden Kameras redete sie der Welt ins Gewissen: „Unser Haus brennt. Ich bin hier zu sagen, dass unser Haus brennt.“

Die Schwedin meint damit die Klimakrise und die Tatenlosigkeit der Erwachsenen. In Davos wandte sie sich an die internationale Öffentlichkeit: „Die Erwachsenen sagen immer, wir müssen den jungen Menschen Hoffnung machen, aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich möchte, dass ihr in Panik geratet. Ihr sollt die Angst spüren, die ich jeden Tag spüre. Und ich möchte, dass ihr handelt. Dass ihr so handelt wie in einer Krise.“

 

Dieses Video wurde zuerst in Greta Thunbergs Twitter-Account am 22. Januar 2019 veröffentlicht.

Hauptsache, es ändert sich nichts

Man könnte die Aktivitäten der Schülerin abtun, und manche tun das: als Übertreibung, als Ausdruck eines pubertären Feuereifers oder jugendlicher Weltuntergangsstimmung. Manche behaupten sogar, sie werde “instrumentalisiert” – wofür auch immer. Doch so einfach ist es nicht, denn Greta Thunberg hat ein klar definiertes Ziel, nämlich dass das Pariser Klimaabkommen umgesetzt und die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird. Und sie erhebt konkrete Vorwürfe: dass die Erwachsenen zu passiv sind, ja geradezu apathisch und gleichgültig angesichts der akuten Bedrohung. Auffällig ist, dass sich die Kritiker mit diesen Inhalten kaum auseinandersetzen.

Tatsächlich finden Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch Bürgerinnen und Bürgern immer andere Dinge wichtiger als den Klimaschutz. Ständig führen sie Sachzwänge ins Feld, um Klimaziele und Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen aufzuweichen.

Mal sind es die Kohlereviere und die Arbeitsplätze der Kumpels, die gegen den Klimaschutz ausgespielt werden. Dann wieder wird die Autoindustrie gehätschelt, damit die gesetzlich vorgegebenen Werte für den CO2-Ausstoß bloß nicht zu niedrig ausfallen. Überhaupt darf das Auto, die „heilige Kuh“ der Deutschen, wie Klimaforscher Mojib Latif es einmal formulierte, nicht angetastet werden. Hauptsache, die Autofahrer können weiterhin mit 180-Sachen über den Asphalt brettern – Treibhausgase hin oder her.

Einschränkungen beim Fliegen? Eine Steuer auf Flugbenzin? Fehlanzeige. Als ginge es darum, ein Menschenrecht zu bewahren, wehrt man sich massiv gegen jegliche Versuche, Fliegen teurer zu machen oder das Flugzeug als Ausnahme statt als Regel zu nutzen.

Es gibt Bürgerinitiativen, denen Windräder nicht gefallen, schon gar nicht vor der eigenen Haustür. Und Umweltgrüppchen, die sich im Falle von Offshore-Windanlagen um Vögel sorgen machen, die in die Windräder fliegen und sterben könnten. Dabei verlieren sie aus dem Blick, wie viele Menschen und andere Lebewesen werden leiden müssen, wenn die Klimafolgen noch schlimmer werden.

Und unser Konsum und überdimensionierter Lebensstandard ist sowieso gesetzt: „Verzicht“ ist ein böses Wort, das man besser nicht in den Mund nimmt. Klimaschutz wäre eigentlich schon gut, aber ändern darf sich nichts, schon gar nicht an den eigenen Gewohnheiten.

Die Schülerin Greta Thunberg sieht dies alles mit einer Klarheit, die viele überrascht und herausfordert. Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen stoppen, sagt sie gegenüber Spiegel Online. Und: „Entweder besteht unsere Zivilisation fort – oder nicht. Ich kann es nicht verstehen, wenn Leute einerseits sagen, dass Klimawandel eine existenzielle Bedrohung ist – und dann andererseits einfach so weiterleben wie immer – fliegen, Fleisch essen, Autofahren“.

Eigentlich wissen wir all das längst. Doch es ist etwas anderes, wenn ein 16-jähriges Mädchen uns den Spiegel vorhält. Wenn das eigene Haus brennt, würden wir uns dann sorglos zurücklehnen?

Birgit Stratmann

 

Interview mit Greta Thunberg auf Spiegel Online “Es ist ein gutes Zeichen, wenn sie mich hassen”

Tipps, was wir tun und lassen können, um das Klima zu schützen im Artikel “Die Klima-Diät. Testen Sie einen klimaschonenden Lebensstil”