Von Freiheitsliebenden, Ängstlichen und kleinen Napoleons

Rwapixel/ shutterstock.com
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Ein Standpunkt von Birgit Stratmann

Wir verlieren leicht den Durchblick – so viele Informationen und Meinungen prasseln in Corona-Zeiten auf uns nieder. Da ist zu einem großen Teil wenig Sachlichkeit, sondern Wunschdenken und Ideologie, moniert Birgit Stratmann. Sie ruft dazu auf, Quellen zu überprüfen und die Motive und Absichten der Sprechenden zu erforschen, um sich vor Manipulation zu schützen.

Es ist in diesen Zeiten schwer, den Überblick zu behalten: Informationen und Zahlen prasseln auf uns nieder, Meinungen und Standpunkte verbreiten sich in Windeseile: von Virologen und selbst ernannten Experten, von Ethikern und Liberalen, von Demokratiebeschützern und -verächtern, Impfgegnern, Journalisten-Kritikern und Verschwörungstheoretikern.

Wer all das einordnen und dabei einigermaßen vernünftig bleiben will, muss die Quellen der Aussagen hinterfragen und vor allem die Motive der Sprecherinnen und Sprecher erforschen, wenn diese sie selbst nicht preisgeben oder sich dessen nicht bewusst sind. Dabei stellt man häufig fest, dass nicht Sachlichkeit das Bild prägt, sondern Ideologien, Wunschdenken, Verzerrungen der Wirklichkeit, heftige Emotionen oder sogar Neurosen. Schauen wir uns einige Standpunkte beispielhaft an, die zurzeit kursieren – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, täglich kommen neue hinzu:

Wer sagt was, aus welchem Motiv heraus?

Individualisten und Freiheitsliebende: Sie stürzen sich auf Schweden, wo das offene Leben trotz Covid-19 weitergeführt wird und es wenige Einschränkungen gibt. So könnten wir es auch machen: Eigenverantwortung statt staatlicher Gängelung. Das „Aussetzen der Grundrechte“, wie sie es pauschal nennen, prangern sie an.

Dabei blenden sie aus, wie viel Unsicherheit in der Corona-Krise im Spiel ist. Der Philosoph Jürgen Habermas sprach davon, dass es selten so viel „Wissen über das Nicht-Wissen“ gab. (1) Niemand weiß, ob Schwedens Sonderweg das Virus eindämmt oder mitten in den exponentiellen Verlauf hineinführt, wie es etwa in Großbritannien der Fall war. Aber das stört die Individualisten nicht. Sie wollen einfach nur frei sein, ob mit oder ohne Corona.

Die kleinen Napoleons: Wer immer schon gern Ansagen gemacht und mit der Faust auf den Tisch gehauen hat, kommt in diesen Zeiten auf seine Kosten. Ministerpräsidenten können, das Infektionsschutzgesetz im Rücken, strikte Maßnahmen und Verbote erlassen. Örtliche Behörden und Polizisten setzen sie um und schießen dabei manchmal über das Ziel hinaus.

So war es etwa in München nicht erlaubt, Bücher auf Parkbänken zu lesen; Hamburger durften nicht mit dem Rad die „Grenze“ nach Schleswig-Holstein übertreten usw. Dann ruft die Krise Blockwarte auf den Plan, die überall aufpassen, nach dem Rechten schauen und vielleicht sogar die Polizei rufen, wenn sie ein fremdes Autokennzeichen gesichtet haben.

Unternehmer und Wirtschaftsliberale: Sie sprachen schon von Lockerungen, als andere noch brav zu Hause saßen. Sie taten dies aber nicht, weil die Corona-Lage weniger gefährlich wäre, sondern weil sie eine große Rezession mit schlimmen Folgen fürchten. Das ist alles nur zu verständlich. Nur sollten sie offenlegen, dass ihre Priorität jetzt die Wirtschaft ist und erst an zweiter Stelle die Gesundheit.

Wirtschaftsexperte Michael Hüther beispielsweise behauptete in der Talkshow Anne Will (2) sogar, der R-Faktor, der anzeigt, wie viele Menschen ein Covid-19-Infizierter durchschnittlich ansteckt, sei eine nebulöse Sache und müsse nicht weiter beachtet werden. Es ist nicht anzunehmen, dass Hüther selbst nicht um die Bedeutung des R-Faktors wüsste, denn dieser zeigt an, ob es ein exponentielles Wachstum der Infektionen gibt, aber dies passt nicht in sein Konzept: Die Wirtschaft darf nicht in den Abgrund stürzen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Intellektuelle und Freigeister, die sich zur kritischen Masse zählen: Sie sind gegen alles, was von oben verordnet wird und nehmen für sich in Anspruch, gegen den Strom zu schwimmen. Wen wundert, dass manche von ihnen Covid-19 für eine normale Grippe halten und nicht müde werden zu betonen, dass nicht mehr Menschen sterben als in einer normalen Grippe-Saison. Ein Haken dabei: Influenza breitet sich vor allem in den Wintermonaten aus. Covid 19 hält sich nicht an die Saison und geht weiter. Ob sie magische Kräfte haben und in die Zukunft blicken können?

Schwarzseher und Journalisten-Kritiker

Ängstliche und Schwarzseher: Sie gehen nicht mehr aus dem Haus. Sie haben Angst zu erkranken, Verwandte anzustecken. Kerngesunde, junge Menschen zucken zusammen, wenn jemand hustet. Oft liegen andere Ängste dahinter, die alle Menschen kennen: Existenzangst, Angst vor Verarmung, vor Einsamkeit, vor dem Tod, vor den ganz großen Katastrophen. Manche hätten am liebsten eine Ausgangssperre für alle wie in Frankreich. Ihr Motiv ist nicht der Schutz der Bevölkerung, sondern ihre eigene Panik. Denn schützen könnten wir uns vielleicht auch auf anderem Wege, zum Beispiel mit strengen Abstandsregeln, mit Hilfe einer App oder eines Mundschutzes.

Wissenschaftler abseits vom Mainstream: Das sind Forscher, die der herrschenden Lehrmeinung von Wieler und Drosten Kontra bieten. Und das ist gut so, denn wenn die Wissenschaft für weitreichende Entscheidungen herangezogen wird, ist ein sachlich geführter Disput heilsam. Der Virologe Hendrik Streek zum Beispiel war der erste, der die Wirkungen von Corona in Heinsberg direkt erforscht hat. Zwar hat er seine Ergebnisse mit PR-Tamtam in die Welt gebracht, aber sie werden dadurch nicht weniger wahr.

Die Frage ist nur: Kann man Heinsberg auf Deutschland übertragen? Auf Großstädte wie Berlin und Hamburg? Schweigen. Stattdessen spricht Streek, wie die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim in einem Video (3) erklärte, in der Talkrunde bei Markus Lanz (4) plötzlich als Bürger: „Ich als Bürger würde Lockerungen gut finden.” Und was sagt der Wissenschaftler Streek zu dieser Frage? Werden die Zuschauer das auseinanderhalten können: Einmal verkündet Streek als Wissenschaftler Ergebnisse seiner Studien, dann fordert er als Bürger Lockerungen. Das ist nur ein Beispiel, man müsste noch mehr Aussagen von kritischen Wissenschaftlern unter die Lupe nehmen.

Die Impfgegner: Eine bunte Gruppe aus besorgten Bürgern, Naturheilkundlern und Laien-Homöopathen waren schon immer für unkonventionelle Wege. Sie misstrauen der Schulmedizin und oft auch der Politik. Jetzt bringen sie sich in Stellung und verschicken schon mal Petitionen gegen eine Corona-Impfpflicht – und das, obwohl es noch gar keine Impfung, geschweige denn eine Impfpflicht gibt.

Während Wissenschaftler fieberhaft an einer Impfung arbeiten, die uns schützt, und weite Teile der Bevölkerung, Politik und Virologen einen Impfstoff herbeisehnen, halten die Gegner unverdrossen an ihrer Meinung fest, die sie schon vor Corona hatten. Man könnte meinen – aber das ist eine Unterstellung -, es sei ihnen nicht so wichtig, dass Kitas und Schulen wieder normal öffnen können, die Krankenhäuser entlastet werden und die Wirtschaft wieder arbeiten kann. Hauptsache, niemand wird zur Impfung gezwungen.

Journalisten-Kritiker: Menschen, die sich als Querdenker sehen und selbst publizieren, beklagen den Mainstream in den Medien, sprechen von „Hofberichterstattung“, ja von “Gleichschaltung”, einem Begriff aus dem Nationalsozialismus. Der Grund: Medien lassen häufig Virologen zu Wort kommen, veröffentlichen täglich Infektionszahlen und haben lange über die Maßnahmen der Regierung berichtet, als seien diese Einschränkungen das Normalste von der Welt.

Fatal ist, wenn Querdenker keine stichhaltigen Argumente dafür bringen, dass der so verhasste Mainstream falsch liegt. Sie finden es einfach nicht gut, dass es wenig Gegenmeinungen gibt und sehen es, ihrem Image als Kritiker entsprechend, als ihre Aufgabe an, den Laden aufzumischen. Es ist ihnen egal oder sie nehmen in Kauf, wie viel Zweifel, Unsicherheit und Verwirrung sie säen, wenn sie sich nicht die Mühe machen, inhaltlich zu argumentieren.

Kritischer Geist und Offenheit

Was machen wir nun? Als Sprecher, Autorinnen, Publizisten und Social Media-Nutzerinnen haben wir eine große Verantwortung. Wir dürfen in diesen Krisenzeiten nicht zu Verwirrung und Verunsicherung beitragen, vor allem dann nicht, wenn wir es nicht wirklich besser wissen und die Lage nicht überblicken. Es ist unsere Pflicht, Quellen zu überprüfen und gegenzuchecken und uns mit Gegenargumenten zu unserer eigenen Position intensiv auseinanderzusetzen.

Vor allem sollten wir unsere eigene Motivation erforschen: Was treibt mich an, diese Position oder Meinung zu vertreten? Was liegt hinter meiner Angst, meinem Freiheitsdrang, meinem Autoritätsgehabe, meiner Besserwisserei? Es ist okay, ängstlich oder freiheitsliebend zu sein, aber wir sollten uns dessen bewusst sein, gerade wenn wir etwas veröffentlichen. Denn unsere Emotionen und Absichten prägen die Art, wie wir Fakten einordnen und auch, welche Fakten wir womöglich weglassen, weil sie nicht in unser Bild passen.

Wenn möglich, sollten diejenigen, die etwas in die Welt hinaussenden, ihre Absichten offenlegen. Damit geben sie anderen die Chance, ihre Aussagen umfassend zu überprüfen, die Begrenztheit des Standpunkts zu erfassen und weitere Perspektiven hinzuzufügen.

Als Empfänger, Nutzer, Leser müssen wir Aussagen von anderen hinterfragen und überprüfen, um in diesen Zeiten nicht selbst ernannten „Experten“ und Aposteln aufzusitzen und um uns vor Manipulation zu schützen.

Gerade wenn Meinungen mit Feuereifer und starkem Sendungsbewusstsein vorgetragen werden, sollte man stutzig werden und hinterfragen: Wer schreibt das, wie ist sein Motiv, sein Werdegang? Auf welche Informationen stützt sich die Person? Sind die Argumente wirklich stichhaltig oder werden nur Ideologien bedient, die ich vielleicht auch teile, vorgefertigte Meinungen und womöglich tiefer sitzende Muster?

Neben dem kritischen Geist brauchen wir eine große Offenheit für das, was ist und sich entwickelt, und die Fähigkeit, mit Unsicherheit, Ambivalenz und Nicht-Wissen umzugehen. Das ist schwierig für uns, die wir in Kategorien von Schwarz oder Weiß Schutz suchen und mit Ungewissheit nicht leben können. Es ist aber wichtig, sich für das Unbekannte zu öffnen – auch dem, was nicht sein darf, was wir nicht für möglich hielten, was wir heftig zurückweisen. Und immer im Hinterkopf behalten: Wir könnten uns irren.

Birgit Stratmann

Zitierte Quellen:

(1) Jürgen Habermas: So viel Wissen über unser Nicht-Wissen gab es noch nie. Frankfurter Rundschau, 10.4. 2020

(2) Talk bei Anne Will am 19.4.2020

(3) Virologen im Vergleich, Mailab, 19.4. 2020

(4) Talk bei Lanz am 1.4.2020

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ja, das ist vorbildlich geschrieben, danke. Ich ertappe mich selbst immer wieder, wie ich mich über die Direktiven von oben ärgere und manche “Napoleons” für Dummköpfe halte, aber dahinter steckt meine Sorge, dass meine Altersvorsorge durch eine enorme Finanzkrise den Bach runter geht.

Als erstes möchte ich meinen ganz herzlichen Dank für den Appell bekunden, die öffentlichen Debatten auf jenes zu hinterfragen, was eigentlich die “so” getätigten Aussagen in Wirklichkeit angetrieben hat.
“Achtsamkeit” hier primär, jenseits eigener psychischer Befindlichkeit, auch als gesellschaftspolitische Verantwortungsbereitschaft zu behandeln, verleiht der gepflogenen Auffassung ethischer Positionierung erst die Qualitätsstufe, ab der Änderung greifen kann.
Wie sehr wünschte ich es mir, diese Plattform “Ethik Heute” so zu erweitern, das hier eine permanente Debatte bezüglich gesellschaftspolitischer Ethik geführt werden kann.
Der noch brachliegende Horizont – wie “Ethik” in politischer Kommunikation gewichtet werden kann – und – wie stellen sich ethische Grundwerte eigentlich im öffentlichen Raum dar, wäre doch das Fundament, auf dem die Vision einer ethischen Gesellschaftsordnung wachsen kann!

Liebe Frau Stratmann,

ich halte Ihr Engagement wirklich für rührend und finde es richtig klasse, dass Sie sich so vehement in die Corona-Debatte einbringen. Danke dafür! Allerdings nehme ich für mich selbst in Anspruch, nicht über Andersdenkende auf diese Weise zu urteilen. Als Wissenschaftler und besonders als Philosoph ist es jedenfalls mein Anspruch, mich möglichst nur auf Fakten und nicht auf Meinungen zu stützen. Dabei sind – und da bin ich ganz bei Ihnen – seriöse Quellen vonnöten. Die Sendungen von Anne Will und Markus Lanz würde ich jedoch nicht in diese Kategorie einstufen.

Gut, dass Sie hier Herrn Prof. Habermas zitieren. Die Prinzipien seiner Diskursethik sollten sich meiner Auffassung nach möglichst viele Menschen als Leitbild für ihre Umgangsformen wählen. Diese basiert nämlich unter anderem darauf, zunächst einmal jedem anderen und seiner Meinung den gleichen Respekt zu zollen, wie sich selbst und der eigenen Auffassung. Jeder hat dabei die gleichen Rechte, jeder darf dabei sein und die Wahrung seiner Interessen beanspruchen. Alle Beteiligten haben sich gleichermaßen an die Diskursregeln zu halten. Die Art und Weise wie gegenwärtig im Zusammenhang mit der Corona-Krise mit Andersdenkenden in den Medien umgegangen wird, spricht dieser Auffassung jedoch Hohn! Wie teuer haben die Generation vor uns und alle von den Verwüstungen und Greueltaten des NS-Regimes betroffenen Menschen, für unsere heutigen Grundrechte bezahlen müssen! Wohl die meisten Bewohner der Vielzahl von Ländern in dieser Welt wären vermutlich froh und dankbar, wenn sie solch eine Verfassung hätten wie wir hier in Deutschland.

Doch diese mit kaum mehr beschreibbarem Blutzoll und unglaublichem Leid geborenen demokratischen Rechte, werden zur Zeit sowohl von unserer Regierung als auch den meisten Medien mit Füßen getreten. Nur eine Handvoll Menschen geht zurecht auf die Straßen, um gegen die Verletzung unserer Freiheitsrechte zu demonstrieren. Dabei werden sie noch als Rechtspopulisten und Weltverschwörungsanhänger diffamiert. Und dies nur, wegen eines angeblich so hochgefährlichen Virus (wofür seriöse Belege bislang fehlen) und Menschen, die gegen Andersdenkende polemisieren und sich damit selbst als undemokratisch und intolerant gebärden.

Dennoch erlaube ich mir – jetzt mal ganz unwissenschaftlich und unphilosophisch – eine eigene Meinung zu vertreten. Diese basiert nicht nur auf beinahe unzähligen Interviews, Berichten, Beiträgen und Kontakten zu mehreren Ärzten, Professoren der Medizin und anderen Heilkundigen zum Thema Corona, sondern auch auf eigenen medizinischen Studien. Ich verwahre mich dagegen, die Seriosität von diesen zum Teil schon seit Jahrzehnten anerkannten Fachleuten einfach durch die immer gleichen platten Phrasen in Frage stellen zu lassen, wie sie nunmehr schon seit Wochen in den Massenmedien verbreitet werden. Lässt man diese einmal weg, so komme ich zu dem Schluss, dass der größte Teil der Corona-Beschränkungen völlig unangemessen und falsch ist. Der dadurch verursachte Schaden samt Todesfällen ist meiner Meinung nach erheblich größer als ihn das Virus je hätte anrichten können.

Auf jeden Fall wünsche ich mir auf ethik-heute eine ausgewogene und sachliche Debatte zu diesem inzwischen sehr emotional-besetzten Thema. Da ich hier bislang immer wieder verschiedene, sich zum Teil auch widersprechende Standpunkte finden konnte, bin ich jedoch auch bei diesem Punkt sehr zuversichtlich!

Sehr geehrter Herr Kirschberger,
können Sie mir bitte erklären, warum Sie den Artikel von Frau Stratmann als “rührend” bezeichnen? Ich erlebe das als eine nicht zu überbietende Geringschätzung. Aber Sie als Wissenschaftler und Philosoph bewegen sich ja ohnehin auf einem nicht zu erreichenden Niveau.
Haben Sie einmal darüber nachgedacht, zu welcher der von Frau Stratmann beschriebenen Gruppe (Wer sagt was, aus welchem Motiv heraus?) Sie wohl gehören? Ich denke, reflektieren st Ihre Stärke. Aber vielelicht fehlt Ihnen die Möglichkeit zum Mentalisieren.

Liebe Frau Stratmann,

da bin ich ganz mit Ihnen d’ac­cord! Meine Kritik richtet sich ja gar nicht gegen Ihren Artikel. Vielmehr bin ich enttäuscht und empört darüber, wie in den meisten Medien mit Kritikern umgegangen wird und oftmals Andersdenkende entweder gar nicht zu Wort kommen dürfen, oder diese Menschen diffamiert werden, wenn sie nicht dem Mainstream folgen. Das halte ich für eine ganz fatale und üble Entwicklung und ist meines Erachtens einem demokratischen Land unwürdig. Und wie schon gesagt: es geht hier gar nicht in erster Linie um einen Virus. Es geht mir vor allem um eine Geisteshaltung, die primär auf Intoleranz, Obrigkeitshörigkeit und der Unfähigkeit selbständig zu denken beruht. Das hatten wir leider vor rund 70/80 Jahren schon einmal in diesem Lande. Offensichtlich haben nur ganz wenige etwas daraus gelernt… .

Kant hat uns seinerzeit geraten: “Sapere aude!” – Wage es, weise zu sein und dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Dies ist gerade in der heutigen Zeit und ganz besonders im Zusammenhang mit der Corona-Debatte dringend angeraten. Da sehe ich aber ehrlich gesagt momentan nur wenig Hoffnung.

Dazu kommt die mittlerweile weit verbreitete Unsitte, dass sich heutzutage offensichtlich eine Vielzahl von Menschen für Experten halten und sich berufen fühlen, zu fast jedem Thema Stellung zu beziehen. Und zwar egal, ob sie die dafür erforderlichen Kompetenzen besitzen oder eben nicht. Hauptsache, man tut die eigene Meinung kund. Und glaubt auch noch, diese wäre wichtig. Vermutlich bestenfalls für das eigene Ego.

Bei weit über 90 Prozent aller Beiträge zum Thema Corona denke ich nur: “Si tacuisses philosophus mansisses!” – Hättest Du geschwiegen, wärst Du ein Philosoph gewesen (geblieben)! Es würde meines Erachtens erheblich weniger Schaden in der Welt entstehen, wenn viele Menschen einfach einmal ihren Mund halten und den Leuten zuhören würden, die sich in Bezug auf ein bestimmtes Fachgebiet – im Gegensatz zu ihnen selbst – wirklich auskennen.

Es freut mich auf jeden Fall sehr und es spricht auch ganz klar für Ihre Arbeit sowie dieser Internetplattform, dass hier sowohl Kritik und voneinander abweichende Meinungen möglich sind und von Ihnen sowie anderen Autoren kritisch hinterfragt werden (dürfen). – Bitte weiter so!