Wenn ein Bankenchef umdenkt

Marion Vogel/ Sparda-Bank München
Marion Vogel/ Sparda-Bank München

Helmut Lind steht für eine Wirtschaft, die dem Menschen dient

Helmut Lind gilt in der Bankenwelt als Pionier für die Gemeinwohl-Ökonomie. Der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank München eG engagiert sich für Ethik und eine Unternehmenskultur der Achtsamkeit. Er bringt nicht nur die Wirtschaftswelt zum Staunen. Michaela Doepke besuchte ihn in der Münchner Zentrale.

„Wir sind überzeugt, dass die Zukunft dem Miteinander gehört und nicht dem Gegeneinander“, sagt der Bankenchef mit Herz. Seinen Mitarbeitern kommt sein Bewusstseinswandel zu Gute. So ist die Sparda-Bank München 2015 zum 8. Mal der bestplatzierte Finanzdienstleister im Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ in der Größenkategorie 501 bis 2.000 Mitarbeiter.

Das Bankinstitut, 1930 gegründet, ist heute die größte Genossenschaftsbank in Bayern mit über 270.000 Mitgliedern, 47 Geschäftsstellen in Oberbayern und einer Bilanzsumme von rund 6,4 Milliarden Euro.

Wie verbinden sich die geforderte Profitmaximierung in der Bankenwelt der Zahlen, Daten und knallharten Fakten mit weichen Werten? Ist der Erfolg der Finanzkrise geschuldet, der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Wirtschaftssystem und dem Vertrauenseinbruch bei den Verbrauchern? Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung wünschen sich 88 Prozent der Deutschen eine neue Wirtschaftsordnung.

Helmut Lind, seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München, ist jedenfalls überzeugt, dass wir neue Werte wie Menschlichkeit, Wertschätzung, Solidarität und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft brauchen. Reines Gewinnstreben lehnt er ab.

Der sympathisch und sensibel wirkende Top-Manager sitzt in ein edel-weißes Sakko gekleidet in der Vorstandsetage unweit vom Münchner Hauptbahnhof und sinniert. „Wirtschaft ohne Ethik und Maß funktioniert nicht“. Daher hat der reformfreudige Unternehmer 2011 die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie in die Bank eingebracht und erstmals eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen lassen.

Kooperation statt Konkurrenz

Ist Gemeinwohl-Ökonomie das Wirtschaftsmodell der Zukunft? Die Gemeinwohl-Bilanz gilt als das „Herzstück“ der Gemeinwohl-Ökonomie. Sie stellt den Menschen und alle Lebewesen sowie das Gelingen ihrer Beziehungen in den Mittelpunkt des Wirtschaftens. Sie belohnt die Wirtschaftsakteure dafür, dass sie sich human, wertschätzend, kooperativ, solidarisch, ökologisch und demokratisch verhalten und organisieren.

Entstanden ist die Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie 2010 in Wien. Eine Gruppe von 15 Unternehmerinnen und Unternehmern hat das Modell gemeinsam mit dem österreichischen Autor und Wirtschaftsvordenker Christian Felber entwickelt. Der Homepage der Bewegung ecogood.org zufolge hat Felber bereits 1859 Unternehmen aus 27 Staaten als Partner gefunden.

Die Sparda-Bank München engagiert sich darüber hinaus für die Humanisierung der Arbeitswelt. 2015 hat sie den Sonderpreis „Humanpotentialförderndes Personalmanagement“ für ihren ganzheitlichen Ansatz der Förderung und Weiterentwicklung der Potenziale ihrer Mitarbeiter erhalten.

Die Bank unterstützt und begleitet seit langem Projekte, die die Stärken von Menschen fördern und ist Inhaberin einer eigenen Stiftung. Im Kern geht es darum, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Talente, die sie von Natur aus in sich tragen, zu erkennen und zu nutzen.
Das Audit „berufundfamilie“ zertifiziert die Sparda-Bank München außerdem als familienfreundlichen Arbeitgeber. Auch der Umweltgedanke ist tief in der Unternehmensphilosophie verankert. So wird für jedes neue Mitglied seit 1. Januar 2015 ein Baum in Oberbayern gepflanzt.

Neben der Gemeinwohl-Ökonomie setzt sich der soziale Reformer Helmut Lind für eine Unternehmenskultur der Achtsamkeit in der Bank bzw. in der Arbeitswelt ein. Da er selbst intensiv an sich arbeitet, kommt er authentisch, glaubwürdig und als Vorbild bei den Mitarbeitern an.

Was er als größten Erfolgsfaktor ansieht: „Ich arbeite regelmäßig an meiner inneren Entwicklung.“ Selbstführung und das Hören auf die innere Stimme sind ihm wichtig. „Wir müssen uns in der Wirtschaftswelt von einem Ego-Bewusstsein lösen und zu einem globalen Bewusstsein kommen“, so seine Überzeugung.

Ökonomie und Menschlichkeit vereinen

Wie stellt er sich die Post-Wachstumsgesellschaft vor? Sie ist für ihn in jedem Fall eine Bewusstseinsgesellschaft. Für Lind geht gesellschaftliche Veränderung immer vom Einzelnen aus. „Alles, was wir tun, hängt mit Transformation und Persönlichkeitsentwicklung zusammen.“ Obwohl er früher vielfach missioniert hat, weiß er es heute besser: „Die Welt ist in mir!“ So versucht er heute nicht mehr, die anderen zu ändern, sondern in erster Linie sich selbst.

In der Sparda-Bank München werden Rahmenbedingungen geschaffen, in denen sich Talente entfalten können und der Mensch nicht auf seine Nützlichkeit reduziert wird. Zunächst haben die Führungskräfte an einem Seminar „Unternehmenskultur der Achtsamkeit“ teilgenommen, das vom Vorstandsvorsitzenden der Bank und dem transpersonalen Coach Ralph Wilms durchgeführt wurde.

Seit Anfang 2015 werden auch die Mitarbeiter der Bank aktiv eingebunden. Ende 2016 sollen alle rund 750 Mitarbeiter der Bank das Seminar absolviert haben. Als Zeichen der Wertschätzung und zur Prägung der Kultur leitet und moderiert Helmut Lind selbst die Workshops rund um die persönliche und organisationale Transformation.

Seit einiger Zeit haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, regelmäßig an geführten Meditationen in der Zentrale teilzunehmen, und jetzt ist sogar ein eigener Raum der Stille in Planung.

Rund 45 Minuten Meditation gönnt sich der Bankenchef täglich, um sich zu regenerieren, in der inneren Mitte zu bleiben und die Verbindung zur inneren Quelle zu finden. Bedeutete Meditation früher für ihn die Praxis auf dem Kissen, so vernetzt er Meditation heute mit Arbeit und Alltag, z. B. wenn er achtsam von zu Hause zur S-Bahn oder in den Bürogängen zwischen den Meetings geht.

Was er an der jetzigen Arbeitswelt mit ihrer hohen Funktionalisierung kritisiert? „Wir behandeln uns wie Maschinen und nicht wie lebende Organismen mit Beziehungen.“ Seine Zukunftsvision für eine ethische Wirtschaft ist daher eine neue Bewusstseinsökonomie. Und so ist er überzeugt: „Wir müssen in der Wirtschaft den tiefen Graben zuschütten, den wir zwischen Ökonomie und Menschlichkeit gezogen haben.“

 

 

Beitrag teilen:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone
Bitte beachten Sie beim Kommentieren die Netiquette unserer Plattform

2 Gedanken zu „Wenn ein Bankenchef umdenkt

  1. Ich finde den Artikel super und stehe voll hinter diesen Aussagen. Leider kannich im Moment nicht spenden, da ich selber an diesem Thema dran bin und Möglichkeiten schaffen möchte. Das Gemeinwohl zu stärken,Menschen zu unterstützen und die Vereineinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Ich bin Vorsitzende der KAB Pfaffenhofen/Ilm und KAB Kreisvorsitzende von Donau-Paar in der Diözese Augsburg. Ich bzw. Wir machen gerade Nägel mit Köpfen, allerdings nicht als KAB sondern als engagierte Bürgerinnen, die auch mit anderen Organisationen zusammenarbeiten möchten, die KAB und CAJ eingeschlossen. Deshalb sind wir im Begriff ein Innovativzentrum bzw. ein gemeinnütziges Zentrum für Berufs und Familienförderung aufzubauen. Wir haben 2 UG gegründet eine ist für die Anmietung und Untervermietung des Hauses, Zusammenarbeit mit Arbeitsamt und Bildungsarbeit Leute in Arbeit helfen und Kurse, verantwortlich, die andere ist gemeinnützig, zuständig für Mittagstisch, Lernplatz, Familiencaf’e, Elterntalk, Bildungsarbeit für Eltern, Kinderbetreuung für Coworking bzw. Entlastung für die für die Eltern, Netzwerk Pflege und Betreuung für Angehörigenentlastung. Ich würde mich freuen, wenn Sie an einer Zusammenarbeit interessiert wären.
    herzliche Grüße
    Christine Rist 017655425917

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.