Warnung vor Nationalismus

Deutscher Bundestag/ Achim Melde
Deutscher Bundestag/ Achim Melde

Holocaust-Überlebender im Deutschen Bundestag

Saul Friedländer, 86, überlebte den Holocaust, weil seine Eltern ihn in einem katholischen Internat versteckten. Im Bundestag erinnert der Historiker an die Greuel der Nazis und ruft die Deutschen auf, für die “wahre Demokratie” zu kämpfen. Die Rede im Video

Saul Friedländer sprach am 27. Januar 2019, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, im Deutschen Bundestag.

 

Er wurde 1932 als Sohn einer jüdischen Familie in Prag geboren. Seine Eltern hatten den Jungen in einem katholischen Internat versteckt. Sie selbst gerieten auf ihrer Flucht in die Hände der Nazis und wurden in Auschwitz ermordet.

Friedländer wanderte nach Palästina aus, studierte Geschichte und ist ein bedeutender Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt Geschichte des Nationalsozialismus. Doch in Berlin sprach nicht der Historiker, sondern der Zeitzeuge und Betroffene. Sein Anliegen ist, „das Gefühl der Fassungslosigkeit“ angesichts der Gewaltexzesse der Nazis zu bewahren.

Und das ist dringende denn je. Denn wie eine Befragung der Körber-Stiftung ergab, können 40 Prozent der deutsche Jugendlichen ab 14 Jahren mit dem Begriff Ausschwitz nichts anfangen. Das gibt in Zeiten eines erstarkten Rechtspopulismus Anlass zu großer Besorgnis.

Friedländer warnt vor Nationalismus und Antisemintismus. Sein Appell: “Wir alle hoffen, dass Sie die moralische Standfestigkeit besitzen, weiterhin für Toleranz und Inklusivität, Menschlichkeit und Freiheit, kurzum, für die wahre Demokratie zu kämpfen.”

Die Rede von Saul Friedländer (ab Min. 30) während der Gedenkstunde. Zu Beginn spricht Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Quelle: Deutscher Bundestag

 

Mehr zum Thema auf Ethik heute:

Beitrag des Auschwitz-Überlebenden Efraim Goldschmidt (1921-2018) “Ganzheitlich denken”

“Der Zusammenhalt hat uns gerettet” – Ein Besuch in Israel

 

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