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Gemeinsam gegen Rechtspolulismus

Über die Initiative „Kleiner Fünf“

„Kleiner Fünf“ ist eine Initiative, die den Einzug der AfD in den Bundestag verhindern wollte. Das ist zwar nicht gelungen, aber die jungen Aktivisten bleiben am Ball. Sie wollen sich nun sachlich, frei von Wut mit den Menschen am rechten Rand auseinander setzen. „Bleibe cool und wäge deine Worte“, so ihr Motto.

 

Sie haben sich ins Zeug gelegt. Sie haben argumentiert, diskutiert, zugehört, sie haben gepostet, gesprüht und getrommelt, um den Einzug der Rechtspopulisten in den deutschen Bundestag zu verhindern. Ihr Name war hierfür Programm: Kleiner Fünf. Gelungen ist es ihnen nicht. „Jetzt erst recht“, sagen sie, die jungen Aktivisten und Aktivistinnen und strecken ihre fünf Finger in die Kamera.

Gegründet wurde die Bürgerinitiative Kleiner Fünf von engagierten jungen Menschen ein Jahr vor der Bundestagswahl. Bald schon entwickelte sich daraus ein landesweit verknüpftes Aktionsbündnis von ca. 100 Leuten, von denen sich viele erstmals politisch engagierten.

Erklärtes Ziel war es, junge Wähler zu mobilisieren und die Erstwähler zu motivieren, ihre Stimme gegen die Afd abzugeben. Wussten Sie doch, dass sich gerade die Jungen durch die etablierte Politik nicht mehr ausreichend vertreten fühlen. Tatsächlich gingen auch dieses Mal zwei Millionen der jungen Stimmberechtigten nicht zur Wahl. Und überließen damit den öffentlichen Wahlraum ihren Eltern und Großeltern.

Und so ziehen am 24. Oktober erstmals seit 60 Jahren Abgeordnete in den Bundestag ein, deren Weltbild völkisch-national geprägt ist. Fast 13 Prozent der Stimmen erhielten sie, in manchen Teilen Deutschlands gar mehr als 30 Prozent. Eine Gruppe von 92 Abgeordneten, „von rechts bis extrem“, wie die ZEIT titelte, in denen sich „Die neue deutsche Härte“ verkörpert, wie n-tv schrieb.

Am rechten Rand sitzen sie für die nächsten vier Jahre im Bundestag. Doch stehen sie auch gesellschaftlich am Rand? Oder ist ihr Gedankengut schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen? 30 Parlamentarier der AFD gelten als stramm nationalkonservativ, 13 weitere sind als ultrarechts bekannt. Von den anderen liegt noch keine klare Einschätzung vor.

Inhaltliche Auseinandersetzung ist schwierig

Dass ihre Arbeit damit jetzt erst so richtig anfängt, das ist den „Kleinen Fünfern“ klar. In ihrer aktuellen Erklärung schreiben sie: „Die Bundestagswahl ist vorbei, aber unsere Arbeit noch lange nicht. Heute sammeln wir unsere Kräfte, denn morgen geht es weiter: Gemeinsam gegen Rechtspopulismus!“

Kleiner Fünf-Aktion

Gesucht: Gruppentier mit Gerechtigkeitssinn – eine Aktion von Kleiner Fünf

Sarah, die für die Kampagnenplanung im Wahljahr zuständig war, resümiert: „Ich bin unglaublich stolz. Stolz auf das, was wir in einem Jahr auf die Beine gestellt haben. Und dass wir es geschafft haben, innerhalb von einem Jahr eine Initiative zu etablieren, die bei vielen Menschen dazu geführt hat, sich wieder oder zum ersten Mal in den politischen Diskurs einzumischen.“

Dass sie in dieser Zeit, in der sie sich so offen und entschieden dem rechten Gedankengut entgegenstemmten, aber auch einiges einstecken mussten, das macht Johannes, der an der inhaltlichen Arbeit mitwirkte, deutlich: „Das Problem ist, dass Beleidigungen und Unterstellungen den Platz einer inhaltlichen Auseinandersetzung einnehmen; eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung dadurch aber leider sehr schwer wird.“

Von Anfang an setzten die „Kleinen Fünfer“ auf Dialog, nicht auf Abgrenzung. Denn sie wollen die Gräben nicht weiter aufreißen. Und sie wollen das tun, was selbst vielen gestandenen Demokraten im Umgang mit rechtspopulistischen Parolen und Forderungen oft so schwer fällt: sich sachlich, frei von Wut und Aversion mit den dahinter stehenden Menschen auseinander zu setzen.

Wie das gehen kann, erklären die jungen Aktivisten auf ihrer Website. Ihre Form der „radikalen Höflichkeit“ haben sie in fünf Empfehlungen ausgegeben: „Bleibe cool, mache es konkret, agiere statt zu reagieren, frage nach, und wäge deine Worte!“

Hierfür haben sie viele konkrete Tipps und Argumentationshilfen für den Alltag erarbeitet und zusammengefasst. Hierfür haben sie auch ein „Spiel der radikalen Höflichkeit“ entwickelt, das auf der Website gespielt werden kann.

Zum Dialog auf der Straße einladen

Und sie geben konkrete Aktionsvorschläge. Für Straßenaktionen etwa, um den gesellschaftlichen Dialog zu fördern und um einander vorurteilslos zu begegnen. Wie das gehen kann? Einfach einen kleinen Tisch aufstellen oder Sitzmöglichkeiten an einem öffentlichen Ort nutzen, Getränke, Kleinigkeiten zu Essen, eine Deko besorgen. Und dann die Menschen einladen, Platz zu nehmen. Menschen ansprechen und mit offenen Fragen ins Gespräch einladen. Auch hierfür haben sie konkrete Tipps auf ihre Website gestellt.

Radikale Höflichkeit aber, um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen, heißt nicht, fremden- und menschenfeindliche Sprüche zu akzeptieren. Diesen gilt es, entschieden Paroli zu bieten. Klare Argumente parat zu haben, auf die rechtlichen Grenzen der Meinungsäußerung verweisen und wenn nötig auch durchaus klarstellen, dass es einen Paragraphen der Volksverhetzung gibt. Denn auch darum geht es: Solidarität mit Ausgegrenzten und Angegriffenen zu zeigen und diskriminierenden, hasserfüllten Aussagen keinen Platz im öffentlichen Raum zu geben.

Angesprochen auf die Befindlichkeit am heutigen Tag, an dem die Rechtspopulisten in den Deutschen Bundestag einziehen, erklärt Paulina, die Pressebeauftragte von Kleiner Fünf: „Das Gefühlsspektrum nach der Wahl reicht bei uns von Ernsthaftigkeit, Wut und Sorge bis hin zu Mut, Tatendrang und Zuversicht. Eines ist sicher: Wir stehen keineswegs hilf- und sprachlos da, wenn VertreterInnen der AfD in den Bundestag einziehen. Wir haben uns nun ein Jahr lang warmgelaufen im Umgang mit Provokationen und Verängstigung. Nun gilt es die Strategie der „radikalen Höflichkeit“ weiter hinaus zu tragen.“

Christa Spannbauer

Kleiner Fünf, Logo

Mehr zur Arbeit der jungen Aktivisten: www.kleinerfuenf.de

Es ist möglich, aktives oder Fördermitglied im neu gegründeten Verein „Tadel verpflichtet“ zu werden.

 

 

 

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