Über eine etwas andere Organisation

„Action for Happiness“ ist eine gemeinnützige Organisation, die zu mehr Glück in der Welt beitragen möchte. Der Ökonom Prof. Richard Layard hat sie vor zehn Jahren gegründet. Er ist überzeugt: So wie man seinen Körper pflegt, könne man sich um sein Innenleben sorgen. Ganz vorn bei den Glücksbringern sind Freundlichkeit und Fürsorge.

Der Ökonom Richard Layard tanzt etwas aus der Reihe in seiner Zunft. Der emiritierte Professor an der London School of Economics scheint sich weniger für Wirtschaftswachstum zu interessieren als für die Frage, was Menschen innerlich reich und wirklich glücklich macht.

Vor zehn Jahren gründete er in England die gemeinnützige Organisation “Action for Happiness” (AfH). Ihr Ziel ist es, zu mehr Glück in der Welt beizutragen – und zwar durch konkretes Handeln.

Dabei geht es nicht um die kurzfristige Befriedigung von Bedürnissen und das Durchsetzen eigener Interessen, sondern um tiefere Ebenen von Zufriedenheit und Wohlergehen. Und hier spielen die Beziehung zu anderen, Freundlichkeit und Kooperation eine wesentliche Rolle.

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens von Action for Happiness traf sich der betagte Richard Layard in einer öffentlichen Online-Veranstaltung Anfang August 2021 mit dem Dalai Lama, den er als erstes Gründungsmitglied seiner Organisation ansieht.

Layard berichtete, wie er dem Dalai Lama 2011 in Zürich auf einem Podiumsgespräch über säkulare Ethik von seiner Idee für Action for Happiness berichtete und dieser spontan sagte „Ich möchte mitmachen“.

Zehn Schlüssel zum Glück, die jeder selbst in der Hand hat

AfH ist wissenschaftlich basiert und stützt sich auf Erkenntnisse der positiven Psychologie, Neurowissenschaft, Verhaltensökonomie und Biologie. Layard, selbst Wissenschaftler und rund 20 Jahre bis 1999 als Professer an der London School of Economics tätig, verfolgte schon damals das Ziel, Erkenntnisse aus der Glücksforschung in die Wirtschaftswissenschaften einzubeziehen.

Aber erst nach Ende seiner beruflichen Laufbahn gründete er mit AfH seine eigene Organisation und ließ auf Basis diverser Forschungsergebnisse „Zehn Schlüssel zum glücklicheren Leben“ entwickeln.

Die ersten fünf beziehen sich auf die Interaktion mit anderen, z.B. Freigebigkeit, Beziehung zu anderen stärken, offen sein für Neues. Die zweiten fünf sind auf die innere Haltung gerichtet wie der gute Umgang mit Emotionen, die Stärkung von Resilienz.

Das Besondere: Die zehn Schlüssel sind allesamt vom Individuum beeinflussbar. Das heißt nicht, dass man damit eine handfeste Depression oder psychische Krise überwinden könnte. Hier empfiehlt die Organisation, sich an einen Arzt oder Therapeuten zu wenden.

Wer sich gesund fühlt, erhält von AfH Informationen, wie er das Leben für sich selbst und andere schöner gestalten kann. Glück hänge auch von der psychischen Gesundheit ab. Und jeder und jede könne sich dafür entscheiden, sich um die innere Verfasstheit zu kümmern.

Hier knüpft AfH an die Tradition des mentalen Trainings an, wie sie etwa der Dalai Lama verkörpert. So wie man für seinen Körper, gute Ernährung und Fitness sorgt, könne man sich um sein Innenleben sorgen.

Man kann Faktoren stärken und kultivieren, die zu mehr Wohlbefinden beitragen, etwa Besonnenheit und Freundlichkeit, und andere bewusst transformieren, die weniger förderlich sind und Beziehungen beschädigen, wie Aggression, Neid und Habgier.

Auf der Website von AfH gibt es ausführliche Informationen zu den zehn Schlüsseln und Übungsempfehlungen für den Alltag. Diese werden in Form eines Kalenders angeboten – mit einer Handlungsempfehlung für jeden Tag, um eine bestimmte Qualität zu stärken.

So wurde der August 2021 zum „Monat des Altruismus“ ausgerufen. „Seien Sie freundlich und unterstützend zu allen, mit denen Sie in Kontakt kommen“. Oder: „Machen Sie heute etwas, das das Leben eines anderen leichter macht“. „Sprechen Sie kurz mit jemandem, die Sie nicht gut kennen.“

Fürsorge als zentrales Element für ein glückliches Leben

Vor sechs Jahren konzipierte AfH einen Kurs „Erforschen, was wichtig ist“ (Exploring What Matters). Dieser geht über acht Wochen und wurde bisher an 250 Orten weltweit angeboten. Ein Online-Training gibt es bisher nicht. Daher steht der Kurs seit der Corona-Krise nicht mehr auf dem Programm.

Tausende Menschen haben bis 2020 teilgenommen. Mit einer randomisierten Kontroll-Studie hat die Organisation die Wirkung der Übungen überprüft. „Die Effekte waren so groß, dass wir selbst erstaunt waren, wie sich die Leben veränderten“, berichtete Layard.

Er nennt seinen Ansatz „Die Philosophie des positiven Lebens“ und unterstrich, wie viel sie in ihrer Arbeit auch vom Dalai Lama gelernt hatten. Im Einklangmit dessen Lehren entwarf er einen neuen Slogan für seine Organisation: „Happier Kinder Together“ (Glücklicher Freundlicher Zusammen).

Dann erzählte er noch von einem Schlüsselerlebnis nach einer Veranstaltung mit dem Dalai Lama in London. Ein BBC-Reporter habe ihn hinter der Bühne gefragt, was die Menschen glücklicher machen würde, und der Friedensnobelpreisträger habe ohne zu zögern geantwortet: “Warmherzigkeit”.

„Das hat mir Tränen in die Augen getrieben,” so Layard, der während seines Berufslebens für verschiedene Organisationen und Regierungsbehörden, u.a. für die Regierung von Tony Blair tätig war.

Und genau das ist es, was AfH vermitteln will: wie sehr unser Glück mit anderen zusammenhängt und was wir selbst dazu beitragen können, ein erfülltes Leben in Verbundenheit zu führen. Fürsorge für andere ist hierbei ein zentrales Element.

Natürlich ersetzt AfH kein politisches Handeln, um Missstände zu beseitigen und äußere Bedingungen für Glück und ein Leben in Würde zu schaffen. Vielmehr geht es darum, dass jeder Menschen die Potenziale in sich selbst erkennt und sich um seine psychische und emotionale Gesundheit kümmert.

Birgit Stratmann