Film But Beautiful von Erwin Wagenhofer

But Beautiful (2019) ist ein poetischer Film darüber, wie wir mit Selbstvertrauen und Liebe eine bessere Welt schaffen können. Wagenhofer besuchte dafür Protagonisten in verschiedenen Ländern der Welt, die nicht von Leistung und Effizienz getrieben sind, sondern Menschlichkeit und Kreativität verkörpern.

Viele Künstler haben es gesungen, auch Lady Gaga: „But Beautiful“ ist ein Oldie aus dem Jahr 1947, der Text ist zeitlos: „Love is funny or it’s sad, Or it’s quiet or it’s mad. It’s a good thing or it’s bad, But beautiful. Beautiful to take a chance and if you fall, you fall, And I’m thinking I wouldn’t mind at all.

Genau darum geht es dem österreichischen Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer. Bislang beleuchtete er in seinen Filmem die Schattenseiten kapitalistischer Systeme. Hier erzählt er mit schönen Bildern und in Interviews mit interessanten Zeitgenossen, dass der Blick nach innen Mut braucht. Nur die Liebe kann uns dafür öffnen, die Schönheit der Natur zu sehen. Der Film macht Hoffnung.

Wagenhofer hat die Protagonisten in verschiedenen Ländern der Welt besucht. Er lässt sie ihre Projekte und Botschaften selbst vorstellen. Es ging ihm dabei um neue Ansätze genauso wie um tragfähige Traditionen. Dabei verwebt er Elemente der verschiedenen Geschichten locker zu einem ganzheitlichen Teppich.

Für den Inder Bunker Roy beispielsweise geht es darum, das Dorf als Universität zu sehen. Im indischen Barefoot College bildet er zum Beispiel analphabetische Frauen, meist Witwen, aus aller Welt zu „Solar-Mamas“ aus. Sie lernen, Solarlampen und -generatoren herzustellen, um ihre Heimatdörfer mit Licht zu versorgen.

Auf Palma verwandelt das deutsche Ehepaar Grafs in jahrelanger, mühevoller Arbeit verwüstetes Land zu fruchtbarem Land, das sie autark leben lässt. Der österreichischer Förster, Erwin Thoma, liebt Bäume und sieht den Wald als „nachhaltigstes Industrieunternehmen der Erde“. Heute stellt seine Firma innovative Holzhäuser ohne Heiz- und Kühlsysteme her.

Jazz-Trio Mario Rom’s Interzone mit Mario Rom, Lukas Kranzelbinder, Herbert Pirker (v.l.n.r.), Foto: Pandorafilm

Wir begegnen einem jungen österreichischen Jazztrio, einem etablierten Pianisten aus den USA, einer kolumbianischen Sängerin, die ihre Sicht von Liebe durch Musik aus ihrer Kultur vermitteln.

Die Richtung ändern: Nach innen schauen

Die Protagonisten eint, dass sie nicht dauernd noch effizienter sein wollen, sie schielen nicht danach, ständig das Maximum zu erzielen. Ihnen geht es um Kreativität und Menschlichkeit und darum, sich selbst, ihrem Leben und der Erde Gutes zu tun. Ihre Erkenntnis ist, dass weder Experten noch neuste Technik die Welt verbessern können, wenn sie nicht auf einer liebevollen Einstellung zu sich selber, unseren Mitmenschen und der Natur beruht.

Der Film vermittelt, dass Denken uns beschränkt, uns voneinander trennt und immer vergleicht. Das erzeugt im Geist Gier und Furcht, die mit dem Wunsch gepaart ist, uns aus Verletzlichkeit zu beschützen. Um die Welt als schön zu empfinden, brauchen wir jedoch Vertrauen. Erst sie schafft die Verbundenheit, die dem Leben Erfüllung schenkt. Die bessere Welt steckt also in uns.

Um sie in uns zu finden, gilt es zunächst, das Denken zu verändern. Der Dalai Lama fasst es in seinem humorvollen Auftritt in dem Film zusammen. Glück entsteht im Geist: „Wer sich selber kennt, muss nicht konkurrieren.“ Wenn die Werte der Liebe im Vordergrund stehen, folgen Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl.

Seine Schwester, Jetsun Pema, unterstreicht das. Es gilt, unsere Richtung zu ändern und nach innen ins Herz zu schauen. Erst mit Achtsamkeit und Mitgefühl kann dann unsere wichtigste Ressource, die Qualität unserer Beziehungen, wachsen.

Wagenhofer hat seine Erkenntnisse im Film sowie in einem Buch verarbeitet. Ein poetischer, empfehlenswerter Film.

Gerald Blomeyer

Film-Website von But Beautiful