Eine Kampagne der Caritas

Zu einem guten Leben gehören Freunde dazu. Neben der Familie sind Freunde eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Der Caritasverband Remscheid hat eine Kampagne „Ziemlich beste Freunde“ gestartet: Menschen erzählen die Geschichte einer besonderen Freundschaft.

Der Caritasverband Remscheid hat mit der Kampagne „Ziemlich beste Freunde“ ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Der Verband sucht Freundinnen und Freunde, die bereit sind, die Geschichten ihrer Freundschaft zu teilen. Die Freundschaftspaare werden interviewt und in Fotoshootings abgelichtet.

Freundschaften werden in unserem Leben immer wichtiger, je schwächer familiäre Bande werden. Zu einem guten Leben gehören Freunde und Freundinnen dazu. Auch wenn sie den durch Liebe getragenen Partnerschaften noch nicht den Rang abgelaufen hat, so ist die Bedeutung der Freundschaft unbestritten.

Im Fokus der Caritas-Kampagne standen bisher Menschen, die sich durch Unterschiede nicht davon abhalten ließen, mit dem/der Anderen Kontakt zu pflegen, sich zu interessieren, zu öffnen. Nicht selten wurden aus anfangs asymmetrischen Konstellationen Beziehungen auf Augenhöhe – Freundschaften.

Remscheid, eine Stadt mit über 110.000 Einwohnern, bietet Menschen aus 124 Nationen eine Heimat. Mit 39 Prozent migrantischer Bevölkerung setzt sich die Stadt vom landesweiten Durchschnitt ab. In den vergangenen 70 Jahren zogen Vertriebene aus Ostpommern und Schlesien ebenso nach Remscheid wie Italiener, Spanier und Türken.

Flüchtlinge aus der Zeit der Balkankriege fanden in Remscheid ebenso Schutz wie in jüngster Zeit Menschen aus Afghanistan, Syrien oder Eritrea. Dass das Zusammenleben in Remscheid, aller kleiner Störfeuer zum Trotz, recht gut funktioniert und Verwerfungen, wie wir sie aus anderen Städten kennen, nicht vorkommen, deutet darauf hin, dass die Menschen in der Stadt gut miteinander leben können.

„Es war eine Fügung“

Die Kampagne „Ziemlich Beste Freunde“, die in Anlehnung an den gleichnamigen Film benannt wurde, brachte interessante Geschichten über das Zusammenkommen von Menschen unterschiedlicher Herkunft ans Licht. Doris, 76, beispielsweise lernt den jungen Mohammed, 20, zufällig kennen. Er war aus Afghanistan geflüchtet und will nun ein neues Leben in Remscheid beginnen. Er erzählt ihr von seiner Flucht, von seinen Alpträumen, seinen Hoffnungen. Sie beginnt, ihn zu unterstützen, hilft ihm bei Ämtergängen, lehrt ihn Deutsch. Und dann wird es Freundschaft. Heute sagt sie: „Es war eine Fügung, dass wir uns kennenlernen sollten.“

So wie bei Ralf und Ahmet. Ralf ist Jobpate und soll Ahmet helfen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie lernen Deutsch miteinander, sprechen über „Gott und die Welt“, über Motorräder und Serien bei Netflix, die beide gerne sehen. Etwas überrascht erkennen beide, dass sie Freunde geworden sind und beginnen voller Neugier, weitere Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Ursula und Nurcan sind ganz sicher ein ebenso ungewöhnliches Freundschaftspaar. Nurcan kam als kleines Kind aus Anatolien nach Remscheid, wo ihr Vater in einer Werkzeugfabrik arbeitete. Den Vater lernte Ursula im Integrationsrat kennen, in dem über die Geschicke der „Gastarbeiter“ in Remscheid beraten wurde.

Aus der Bekanntschaft mit der Familie erwuchs die Freundschaft zu Nurcan. Beide Frauen begleiten die Schritte der anderen, beratschlagen und tauschen sich über tagespolitische Themen aus. Ursula, 96, und Nurcan, 43, formulieren den Wert ihrer Beziehung so: „Wir ermöglichen uns gegenseitig einen anderen Blick auf die Welt, und das hat unser Leben reicher und auch bunter gemacht.“

Freundschaft als Keimzelle der Solidarität

Freundschaft ist die Keimzelle außerfamiliärer Solidarität. Wir leben in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Wärme abzukühlen scheint, Solidarpakte in Frage gestellt werden, Neiddebatten eher das Gegeneinander als das Miteinander befördern.

Wenn wir neben der Familie auch die Freundschaft als tragende Kraft in der Gesellschaft begreifen, dann müsste alles Menschenmögliche dafür getan werden, eine Gesellschaft von Freunden und Freundinnen zu werden. Üblicherweise freunden sich Menschen an, die auf Grund ihrer Biographien viele Schnittmengen haben. Meist haben Freunde ähnliche Bildungsabschlüsse, Einkommen und Hobbys.

Wenn sich aber, ähnlich wie im Film „Ziemlich beste Freunde“, auch Menschen anfreunden können, die sich in Alter, sozialer oder geographischer Herkunft voneinander unterscheiden, dann kann dies dazu führen, dass Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus gesellschaftlich an Boden verlieren und Menschen in der Vielfalt Reichtum entdecken. Das wäre eine wichtige Voraussetzung für eine menschliche Gesellschaft.

Michael und Ute zum Beispiel sind Freunde, die Brücken gebaut haben. Sie besuchten als Kinder die gleiche Grundschule, gingen dann aber unterschiedliche Wege. Er wurde Arbeiter bei der städtischen Müllabfuhr, sie Kunst- und Sozialwissenschaftspädagogin. Michaels Leben nahm schwierige Wendungen. Eine Zeit lang war er in Remscheid als Hooligan bekannt.

„Damals fürchtete man mich“, sagt er rückblickend über diese Zeit, „heute mag und respektiert man mich.“ Er beginnt, Theater zu spielen und lernt zu fotografieren. Ute, die ihn in dieser Zeit erneut kennenlernt, unterstützt ihn dabei. Als Fotograph hat er mittlerweile einige Ausstellungen realisieren können, die Ute kuratiert hat. Michael und Ute wurden Freunde, Künstler- und Herzensfreunde. Martina Richard

Die Caritas in Remscheidt hat eine Postkarte aufgelegt, mit der sie weitere Freundschaftspaare sucht: interkonfessionelle, intergenerative, zwischen sozialen Schichten changierende Freundschaften. Haben Sie eine spannende Freundschaftsgeschichte zu erzählen? Wenden Sie sich an Martina Richard: m.richardcaritasverbandremscheid.de

Caritas Remscheid

Martina Richard leitet den Fachdienst für Integration und Migration des Caritasverbandes in Remscheid, der die Kampagne initiiert hat.