Film über den Klimawandel in der Arktis

Der Schauspieler Leonardo DiCaprio engagiert sich für die Umwelt. Nun hat er einen zweiten Film zum Klimwandel produziert „Ice on Fire“. Es geht um die Arktis und die Frage, was zu tun ist, um die Erderwärmung aufzuhalten. Die Dokumentation ist aktuell und engagiert.

Alaska, Sibirien, Grönland: Seit Juni 2019 brennt die Arktis. Die Luftverschmutzung erreicht Rekordwerte. Wie passend, dass nun der 90-minütige Dokumentarfilm von Leonardo DiCaprio „Ice on Fire“ erschienen ist. Der Hollywood-Star hat wissenschaftliche Mitstreiter in amerikanischen und europäischen Forschungseinrichtungen gefunden, die in dem Film erklären, welche Bedeutung das arktische Eis für unser Klima hat.

DiCaprio hat sich in den letzten Jahren als Umweltaktivist etabliert und eine Stiftung gegründet, die 15 Millionen Dollar für Umweltinitiativen zur Verfügung stellte. Anders als in seiner ersten Klima-Doku „Before the Flood“, wo es dramatischen Folgen des Klimawandels ging, will dieser Film unsere Einstellung zum Klimawandel ändern. DiCaprio war bei „Fire on Ice“ Produzent und wirkt als Sprecher im Hintergrund.

Der Film hat zwei Botschaften, sagt Regisseurin Leila Conners: „Erstens, wir haben ein Problem. Zweitens, wir können es lösen.“ DiCaprio regt an, sich auf „realistische Vorschläge“ zu konzentrieren, um den Klimawandel mit bestehenden Technologien aufzuhalten. Das sei eine Frage des politischen Willens und der Priorität der Firmen, die Milliarden von Dollar in ihre Infrastruktur in der Arktis investiert haben.

Was wir zu verlieren haben

Conners nimmt uns mit auf ihre Recherche: Von den Bergen, wo Luftproben genommen werden, ins Labor und zu Experten, die den Zuschauern komplexe Zusammenhänge verständlich machen.

„Fire on Ice“ vermittelt nicht nur Informationen. Grandiose Drohnenaufnahmen von unberührten Landschaften erinnern daran, was wir zu verlieren haben. Die Bilder werden kommentiert von Wissenschaftlern und Aktivisten, die aufzeigen, was getan werden kann, um unseren Planeten zu erhalten. Dynamische Grafiken und Zeitrafferaufnahmen unterstreichen die Dringlichkeit des Themas. Es gibt auch imposante Bilder, die haften bleiben, etwa von einer kilometerlangen Brücke in Island, unter der wegen der langen Trockenheit fast kein Wasser mehr fließt.

Michael E. Mann, Direktor des „Earth System Science Center“ der Penn State University, beschreibt den„globalen Notstand“, wie er es nennt, und richtet sich damit sicher auch an dienjenigen in den USA; die den Klimawandel leugnen:
weniger Land (weil die Meeresspiegel steigen), weniger Nahrung (weil Landwirtschaft an vielen Orten unmöglich wird), weniger Trinkwasser – und mehr Menschen.

Reicht Technik, um den Klimawandel zu stoppen?

DiCaprio glaubt, dass wir mit Kreativität und Innovationen den Klimawandel umkehren könnten. Wenn wir Techniken einsetzten, die wir schon haben, und dazu neue entwickeln, stünde uns eine nachhaltige und gleichzeitig profitable Zukunft offen. Das klingt nativ und ein wenig technikverliebt. Es spart ein wichtiges Thema aus: Wie kann ein Wirtschaftssystem, das auf Wachstum aufgebaut ist, jemals nachhaltig sein und das Klima retten? Doch diese Frage wird nicht gestellt.

Stattdessen beschränkt sich der Film darauf, Unternehmer vorzustellen, die mit Wind- und Wasserkraft ihr Geld verdienen. Wissenschaftler und Erfinder berichten über Algenplantagen vor der Küste von Connecticut, Aufforstungsprojekten und Stadtfarmen in Kalifornien.

Ein Verfahren aus Zürich wird vorgestellt, wie Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen und unter der Erde in Fels verwandelt werden kann. Einige Lösungen befinden sich noch in der Grundlagenforschung, wie künstliche Blätter, die den Kohlenstoff speichern sollen.

Mit wunderschönen Bildern zeigt die Redwood Forest Foundation in Kalifornien, wie sie tote Bäume in Biokohle, eine Form von Holzkohle, umwandelt, um den Kohlenstoff im landwirtschaftlichen Boden zu binden.

Aus Deutschland kommen Wissenschaftler vom Mercator Research Institute in Berlin zu Wort, die betonen, dass es immer profitabler werde, ökologisch zu handeln. In Connecticut baut eine Farm vor der Küste Seetang an, der an Kühe verfüttert wird. Das senkt die Methanemissionen aus ihren Mägen.

Durch den Besuch bei jungen und alten Visionären und Wissenschaftlern schöpft DiCaprio die Hoffnung, dass die Katastrophe aufgehalten werden kann. Aber es gibt auch ständig neue Herausforderungen in der Arktis, etwa die Freisetzung des Treibhausgases Methan im Zuge des Auftauens der Permafrostböden.

Wegen der Dimension und Komplexität des Klimaproblems könne es keine einzelne umfassende Lösung geben. Doch es sei unsere Verantwortung, das Leben auf der Erde zu retten. „Wir sind die erste Generation, die den Vormarsch der Klimaveränderungen sieht, und die letzte mit der Chance, sie zu beheben“, sagt Sprecher DiCaprio aus dem Off.

Zuversicht verbreiten

„Ice on Fire“ verbreitet Zuversicht, dass der Klimawandel gestoppt werden kann, indem vor allem der CO2-Gehalt verringert wird. Die Informationen sind kurz und objektiv, untermalt von wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Die Drohnenaufnahmen verleiten allerdings

dazu, die zum Untergang verurteilten Orte nur flüchtig wahrzunehmen. Dadurch wirken sie immateriell, fast irreal.

„Ice on Fire“ ist eine anschauliche Klimadokumentation, die in Schulen auf der ganzen Welt gesehen werden sollte. Je mehr Menschen diese Entwicklung verstehen, desto eher können wir sie aufhalten. Das ist schwierig, auch weil wir den Spruch „das Ende ist nah“ oft gehört haben, aber die möglichen apokalyptischen Ereignisse nicht eintraten.

Deshalb ist der Druck von unten wichtig, wie die Aktionen von Extinction Rebellion oder Fridays for Future. Die Regierungen und Medien werden aufgefordert, wahrheitsgemäß über die Auswirkungen der Klimakrise zu informieren und zu handeln. Eine Hoffnung ist, dass die 25. UN-Klimakonferenz 2019 in Chile eine globale Politik verabschieden kann.

Gerald Blomeyer

Die Dokumentation „Ice on Fire“ steht in der englischen Originalfassung auf Sky Ticket, Sky Go und über Sky Q als Video-on-Demand (VoD) zur Verfügung. In Deutsch gibt es den Film auf Sky Go. Mehr Info