„Ich bin kein Neger, ich bin ein Mensch“

a katz/ shutterstock.com
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Ein Film über die Geschichte der Schwarzen

Was heißt es, schwarz zu sein und unter Weißen zu leben? In dem Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“ von Raoul Peck erzählt der charismatische Schriftsteller James Baldwin auf sehr persönliche Weise die Geschichte der Schwarzen in den USA. Dieser ungewöhnliche Film geht unter die Haut und ist zugleich ein historisches Lehrstück.

„I am not a nigger, I am a man“ ist ein bekanntes Zitat von James Baldwin, einem der größten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Werke berühren und rütteln auf. Sie erzählen mit großer Kraft davon, wie man als Afroamerikaner in der Diaspora, unter Weißen, ohne Heimat lebt.

Die Filmdokumentation „I am not your negro“ ist auf der Grundlage des unvollendeten Romans „Remember This House“ von Baldwin entstanden. Im Mittelpunkt stehen drei Zeitgenossen Baldwins und ihr Engagement gegen die Rassentrennung: Medgar Evers, Menschenrechtsanwalt, ermordet 1963; Malcolm X, Menschenrechtsaktivist, ermordet 1965; Martin Luther King, Pfarrer, ermordet 1968. Zu dessen Tod habe Baldwin keine Träne mehr vergossen, denn: „Wenn ich anfangen würde zu weinen, könnte ich nicht mehr aufhören.“

„I Am Not Your Negro“ ist eine filmische Collage. Dokumentarische Aufnahmen weißer Gewalt – körperlich und verbal –, Archivbilder von den Freiheitsmärschen in den Südstatten sowie Ausschnitte aus Hollywood-Filmen und Werbeclips werden gegeneinander geschnitten. Der Rassismus ist so erschütternd, dass man es kaum für möglich hält.

Du denkst, du bist weiß“

Der Film legt Zeugnis ab aus Sicht der Schwarzen: Wie lebt es sich als Schwarzer in der Welt der Weißen, der weißen Kultur, der weißen Filme, der weißen Medien. In all dem, was in der amerikanischen Mainstream-Kultur geschätzt wird, ob in der Architektur, Musik oder Malerei, war nichts von schwarzer Kultur enthalten. Schwarze tauchten im öffentlichen Leben nicht auf, so der Schriftsteller. Oder sie werden schlecht gemacht, herabgewürdigt und gedemütigt.

In den Reden und Interview-Passagen kommt seine große Gabe zum Ausdruck, eindringlich und in ungewöhnlicher Klarheit über das Rassenthema in den USA zu sprechen. Seine Sätze gehen an die Nieren, z.B. in Cambridge 1965: „Ab dem Moment deiner Geburt bist du umgeben von Weißen. Und da du noch nicht in den Spiegel geschaut hast, nimmst du an, dass du ebenfalls weiß bist. Erst mit fünf oder sechs Jahren merkst du, dass du schwarz bist. Das Land hat keinen Platz für dich vorgesehen.“

Doch Baldwin befasst sich nicht nur mit der Verletzung der Würde der Schwarzen, sondern auch mit dem Schaden, den Weiße davon tragen, wenn sie andere diskriminieren, ausbeuten und marginalisieren. Er nennt sie „verwirrt und moralisch verkommen“.

Es geht darum, was mit diesem Land passiert“

Der Kern des Problems, so Baldwin, seien die Weißen, die keine Verantwortung für ihren Rassismus – den manifesten und latenten – übernähmen, insbesondere nicht für ihre Geschichte. Sie leugneten ihre Verbrechen gegen die Schwarzen und lebten daher in ständiger Angst. Daher sein Fazit: „Es geht nicht darum, was mit den Schwarzen passiert, sondern darum, was mit diesem Land geschieht“. Und: „Es ist kein Rassenproblem, sondern es geht darum, Verantwortung für das Leben zu übernehmen und dann anzufangen, es zu ändern.“

Baldwin schrieb keine Protestliteratur, sondern verarbeitete seine Themen in Romanen und Theaterstücken, erst vor kurzer Zeit ist sein Roman „Bealstreet Blues“ verfilmt worden. Er war eine wesentliche Stimme der amerikanischen Bürgerechtsbewegung, gemeinsam mit Martin Luther King und anderen. Seine Aussagen sind auch heute noch brandaktuell.

Die Filmdokumentation von Raol Peck, 2016 für den Oscar nominiert, ist sehr empfehlenswert. Genauso wie die Romane von Baldwin.

Birgit Stratmann

Trailer mit deutschem Untertitel

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