Franz Binder
Franz Binder
Irmtraut Wäger mit dem Dalai Lama

Irmtraut Wäger ist tot

Man nannte sie die Mutter der Tibeter

Irmtraut Wäger baute die „Deutsche Tibethilfe“ zu einer der weltweit größten Tibet-Hilfsorganisationen aus. Der Autor Franz Binder erinnert an ihr beeindruckendes Lebenswerk.

Am Donnerstag, den 2. Oktober 2014 kurz vor Mitternacht hat sich Irmtraut Wäger im Alter von 95 Jahren von der Welt verabschiedet, in der sie so viel Gutes bewirkt hat. Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus war Irmtraut Wäger bei den Menschen bekannt, die sich für Tibet und die tibetischen Flüchtlinge interessieren. Und natürlich war ihr Name bei den Tibetern selbst gleichbedeutend mit engagiertem Mitgefühl und beispiellosem Einsatz für die Tibeter in Indien.

Viele Auszeichnungen und Preise ehrten Irmtrauts Lebenswerk, darunter der vom Dalai Lama verliehene Preis „Light of Truth“ (Licht der Wahrheit) und das Bundesverdienstkreuz. Im Jahr 2011 erschien ihre Lebensgeschichte in Buchform in einem namhaften Münchner Verlag. Das Buch gab freimütige Einblicke in ihre aufopferungsvolle Arbeit im Rahmen der Deutschen Tibethilfe, in ihre innige Freundschaft mit dem Dalai Lama, der sie 2003 in ihrer kleinen Bürowohnung in München zum Tee besuchte, in ihre Kindheit und Jugend in Ostpreußen und in ihren ungewöhnlichen Lebensweg während der Kriegs- und Nachkriegszeit.

„Die anderen kommen zuerst“

Irmtrauts Arbeit für die Tibeter, die ihr weltweit Anerkennung einbrachte, begann erst nach ihrer Pensionierung im Alter von 60 Jahren. Sie reiste drei Monate durch Indien, sah das Elend in den tibetischen Flüchtlingslagern und beschloss zu helfen gemäß dem Motto, das sie aus dem Elternhaus kannte: „Die anderen kommen zuerst.“

Sie selbst lebte in äußerst bescheidenen Verhältnissen und baute in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung die „Deutsche Tibethilfe e.V.“ zu einer der weltweit größten Tibet-Hilfsorganisationen aus. Über 28 Millionen Euro flossen durch die Organisation an die bedürftigen tibetischen „Patenkinder“ und Siedlungen.

Und immer sorgte Irmtraut persönlich dafür, dass die Hilfsgelder auch tatsächlich und ohne Abzug ihr Ziel erreichten. Jedes Jahr reiste sie nach Indien – stets auf eigene Kosten –, und besuchte auch die abgelegenen tibetischen Siedlungen. Sie wollte sichergehen, dass die Hilfsgelder für die richtigen Zwecke verwendet werden und jedes einzelne der jungen und alten „Patenkinder“ fotografieren und registrieren.

Der Dalai Lama und die Amala aus Germany

Den Dalai Lama besuchte sie auf jeder ihrer Reisen in seinem Exilsitz, um ihm ungeschminkt über die tibetischen Siedlungen zu berichten. Der Dalai Lama war es auch, der Irmtraut zuerst als „Amala“ ansprach, was auf tibetisch „verehrte Mutter“ bedeutet, ein Ehrentitel, den alle Tibeter in Indien, für die sie wie eine wirkliche Mutter gesorgt hat, übernommen haben.

Im Alter von 90 Jahren holte sie ihre Pensionierung tatsächlich nach und zog sich von ihrer Vorstandsposition in der Deutschen Tibethilfe zurück. Mit 95 nun ist die „Amala aus Germany“, wie sie in den Siedlungen in Indien genannt wurde, friedlich in ihrer Wohnung in München gestorben. Ihr Lebenswerk wird vom Hamburger Büro der Deutschen Tibethilfe weitergeführt.

Der Dalai Lama schieb in seinem Vorwort zu Irmtrauts Biographie: „Das Leben von Ama Wäger, wie ich sie liebevoll nenne, zeigt, dass ein engagiertes Individuum in Bezug auf die Verbesserung der Gesellschaft sehr viel bewegen kann.“

Franz Binder

Ausführliche Autobiografie:

Irmtraut Wäger: Amala. Mein Leben für Tibet. Mit einem Vorwort des Dalai Lama. Aufgezeichnet von Franz Binder, Nymphenburger Verlag, 2011

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Ein Gedanke zu „Irmtraut Wäger ist tot

  1. Die götter des himalaya haben das gute herz von wäger bestimmt in ihre obhut genommen und gewähren ihr immerwährende liebe, entlassen wir sie freudig in diese sicherheit
    in tiefer ehrfurcht
    jutta hoser

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