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Hannah, Schülerin, 17 Jahre

Wenn ich das Sagen hätte …

Wie Jugendliche politisch entscheiden würden

Wie sehen Jugendliche und Kinder die Welt und die Politik? Das Netzwerk Ethik heute wollte wissen, wie sie entscheiden würden, wenn sie das Sagen hätten und befragte zum Auftakt Hannah, 17 Jahre.

Wenn ich das Sagen hätte, wäre es um die Wirtschaft wahrscheinlich schlechter bestellt, aber um die Moral umso besser.

Deutschland ist heute entschlossen, nie wieder einen Krieg zu verursachen. Trotzdem sind wir weltweit größter Waffenexporteur. Steht das nicht im Widerspruch? Staaten, die Kriege führen wollen, sollten ganz allein für die Produktion ihrer Waffen verantwortlich sein.

Waffenproduktion einstellen

Wenn ich das Sagen hätte, würde ich den Export der deutschen Waffen einstellen und in Deutschland Waffen nur noch für Polizei und Forstwirtschaft erlauben.

Bleibt natürlich die Frage: Was ist mit dem Militär? Ich bin der Überzeugung, Gewalt kommt von Gewalt und davor kommt die Provokation. Ist Militär Schutz? In gewisser Weise schon, wenn z. B. Hilfstruppen nach Syrien oder Afghanistan entsandt werden und für finanzielle Unterstützung, Lebensmittel und Klamotten sorgen. Das Militär sollte also in erster Line den Betroffenen helfen, aufzustehen, aber nicht dazu beitragen, die Täter niederzuschießen.

Doch Waffen und Hass haben uns noch nie geholfen, sondern nur Güte.

„Alles Bio, alles sauber“

Wir Deutschen sind die Ökos nach dem Motto „immer gesund ernähren, alles Bio, alles sauber“. Gleichzeitig leben wir im absoluten Überfluss. Der Salat, den wir kaufen, ist meist doch in Plastik verpackt. Und auch, wenn es die meisten Menschen nicht böse meinen, landen die alten Verpackungen im Meer oder anderen armen Ländern.

Oft haben wir Empathie für die Umwelt, aber sind auch irgendwie gezwungen sie zu verschmutzen, denn es gibt ja fast nichts mehr ohne Plastik.

Wenn ich das Sagen hätte, würde ich eine Verordnung einführen, die Landwirten und Lebensmittelproduzenten vorschreibt, nur noch in Großrationen und, wenn möglich, ohne Verpackung an Supermärkte zu liefern.

Die Märkte können Obst und Gemüse frisch und ohne Plastik verkaufen. Mehl oder nicht schnell verderbliche Lebensmittel sollte es wieder aus Töpfen geben. Kunden bringen ihre Gefäße, überlegen sich, was und wie viel sie brauchen, und dann wiegt man die Menge ab.

Brotmaschinen im Aldi. Warum? Eine Bäckerei bäckt frisch und Mitarbeiter müssen nicht durch Maschinen ersetzt werden.

Auch würden wir uns dann eher überlegen, welchen Wert das Essen für uns hat, wie viel wir brauchen und wegwerfen.

Steuern auf Überflüssiges

Wahrscheinlich würde ich Steuern auf überflüssige Dinge setzen. Trotzdem ohne auszubeuten.

Diese Steuergelder würde ich in die Bahn stecken und zwar so, dass es für Schüler viel billiger wird, von A nach B zu kommen. Junge Menschen die das 10. Schuljahr absolviert haben, erhalten vom deutschen Staat keine volle Unterstützung mehr für Fahrkosten. Sie müssen unverhältnismäßig viel bezahlen, um zur Schule oder in die Uni zu kommen. Das muss sich ändern.

Ein Jugendlicher mit mittlerer Reife, der nicht gerade die für ihn geeignete weiterführende Schule vor der Tür hat und aus armen Verhältnissen kommt, kann sich „den Weg zur Bildung“ einfach nicht mehr leisten. Ich weiß nicht genau, ob es auch Ausnahmen gibt, trotzdem sind die Preise viel zu hoch.

Gesamtschule für alle

Aus meiner Sicht wären Gesamtschulen die Lösung, um die krasse Abwertung der Hauptschule – „Mittelschule“ klingt zwar besser, aber einen großen Unterschied macht es nicht – im Vergleich zum Gymnasium zu beheben. Kinder, die in der Grundschule den Übertritt nicht geschafft haben, fühlen sich ausgeschlossen und diskriminiert, weil ihre Freunde besser waren als sie. Man nimmt vielen Kindern dann die Perspektiven und den Glauben an sich selbst.

Mit der Gesamtschule könnte auch vielen talentierten Jugendlichen und Kindern, die auf dem Gymnasium sind, der Druck genommen werden. Sie hätten endlich Zeit, eigene Interessen zu fördern, Persönlichkeit zu entwickeln, müssten nicht ständig unter Konkurrenz leiden, sondern würden die Möglichkeit erhalten, in Ruhe das zu finden, was sie gerne machen.

Die Idee wäre: Grundschule bis zur sechsten Klasse, dann Gesamtschule. Montessori-, Waldorfschulen und Privatschulen könnten weiter eine Option für Schüler und Eltern bleiben, doch die Gesamtschule bis zur 10. Klasse wäre verpflichtend. Jeder macht eine mittlere Reife. Optional könnte man entscheiden, auf der Schule zu bleiben, um noch drei Jahre bis zum Abitur zu absolvieren, eine Fachoberschule besuchen oder eine Ausbildung zu starten.

Ich wünsche mir für unsere jüngere Generation eine differenziertere Mentalität, weniger Druck und mehr Kreativität. Ich wünsche mir weniger Contra und mehr Pro, im Sinne von „kritisch sein, aber alles schätzen“, mehr Gastfreundschaft, weniger Einseitigkeit, mehr Gemeinsamkeit, Hilfsbereitschaft und Interesse.

Hannah Doepke, 17 Jahre, Schülerin

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