Foto: Mari Ann Raun
Foto: Mari Ann Raun

Kultur macht stark!

Yoga und Styling für Mädchen in der Pubertät

„Das stärkste Mädchen der Welt“ ist ein Ferienkurs für Mädchen in der Pubertät. Die Yogalehrerin und Modedesignerin Mari Ann Raun bietet ihn im Rahmen der Initiative „Kultur macht stark“ in Hamburg an.

Das stärkste Mädchen der Welt – welches Mädchen in der schwierigen und wechselvollen Phase der Pubertät wünscht sich nicht, das zu sein? Der Ferienkurs „Das stärkste Mädchen der Welt“ der Yogalehrerin und Modedesignerin Mari Ann Raun ist ein Beispiel gelungener kultureller Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche.

Der Kurs wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative „Kultur macht stark“ gefördert. Dieses Programm umfasst ausschließlich außerschulische Angebote. Die Verantwortlichen sind davon überzeugt, dass gerade diese immens wichtig sind als Lernorte für die Persönlichkeitsentwicklung.

Die kostenlose Angebote von „Kultur macht stark“ wollen den Horizont erweitern, sie geben den jungen Teilnehmenden eine Perspektive, stärken ihr Selbstbewusstsein und vermitteln ihnen Anerkennung. „Ich kann etwas“ ist die beglückende Erfahrung, zu der das Programm verhelfen möchte.

Eine starke Frau wagt den Spagat

Die Idee für den Kurs „Das stärkste Mädchen der Welt“ stammt von Mari Ann Raun. Der Kurs besteht aus den Elementen Yoga und Körperwahrnehmung, dazu kommt kreativer Selbstausdruck und Styling-/ Typberatung. Denn nicht nur im Yoga und der Meditation ist Mari Ann Raun eine Expertin. Sie ist auch Modedesignerin, hat einige Jahre nur in dieser Branche gearbeitet.

Irgendwann hat ihr das aber nicht mehr gereicht, es wurde ihr dort zu oberflächlich. Sie hat vor allem das verquere Frauenbild geärgert – die perfekte Frau mit einem perfektem Körper, die daraus ihr Selbstbewusstsein schöpft und ganz selbstverständlich weiß, was sie will: „Doch woher nehme ich mein Selbstbewusstsein, wenn mein Körper mir fremd und unvertraut ist, ich mich gar nicht richtig spüren kann?“

Mari Ann Raum berät die Mädchen beim Styling

Mari Ann Raum berät die Mädchen beim Styling

Mari Ann Raun wollte schon immer körperlich mit Menschen arbeiten und zu Selbsterfahrung anzuleiten. Ihr eigener Weg hat sie über den Kampfsport zum Yoga geführt. Energie zu kanalisieren, sich zu zentrieren, darum ginge es bei beiden.

Mari Ann Raun interessieren vor allem die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien. Auch deshalb hat sie sich zur Familienberaterin nach Jesper Juul ausbilden lassen. Als ausgebildete Yogalehrerin für Kinder und Jugendliche ist sie viel mit Schülern im gesamten Hamburger Stadtgebiet beschäftigt.

Im Rahmen der Ganztagesbetreuung an den Hamburger Schulen ist sie Teil des Kursprogramms am Nachmittag. Dort erlebt sie, wie Anspannung, Leistungsdruck und wenig freie Zeit den Alltag der Schülerinnen und Schüler beherrschen. Früher war der Nachmittag freie Zeit, die Kinder konnten die Welt entdecken, sich mit Freunden ausprobieren – sie hatten Freiräume, Zeit ohne Erwachsene. Heute gibt es die Ganztagsschule.

Mit dem körperorientierten Kursangebot soll erreicht werden, dass die Kinder sich wieder spüren und auch mal entspannen können – eine Stunde frei von allen Anforderungen. Dabei gibt esf erstaunliche Reaktionen der Eltern: „Machen Sie mein Kind mal ruhig“, höre sie des öfteren. Die Angst vor einer Aufmerksamkeitstörung (ADHS) gehe um.

„Aber was ist dann damit, dass diese Kinder meist nur nach Aufmerksamkeit und Zuwendung schreien, weil sie diese Zuhause nicht bekommen,“ fragt Mari Ann Raun. „Wenn ein Kind Aufmerksamkeit braucht, dann hat das auch Priorität,“ ist sie überzeugt.

Von außen nach innen

Die Yoga-Lehrerin hatte die Idee, mit jungen Mädchen zu arbeiten, denen Mode viel bedeutet. Auch sie selbst mag immer noch Mode und Design. Doch das große Interesse der Mädchen an Mode kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Selbstbewusstsein stark schwankt und das Gefühl für den eigenen Körper wenig ausgeprägt ist.

„Das stärkste Mädchen der Welt“ schlägt Brücken. „Ich hole die Mädchen im Äußeren ab und bringen Sie zu ihrem Inneren.“, beschreibt Mari Ann Raun den Weg zu eigener Stärke, zu Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

In ihrem Kurs probieren sie sich aus mit Mode und Styling und zeigen ein anderes Bild von sich. Dadurch öffnen sie sich und kommen nebenbei auch miteinander in Kontakt. Langsam lernen sie, sich selbst zu lieben und die anderen zu respektieren. Und sie erleben das bestärkende Gefühl von Gemeinschaft.

Pro Tag stehen zwei Stunden Yoga und Meditation auf dem Programm – eine Zeit, in der die Mädchen ihren Körper erforschen und wahrnehmen lernen. Maria Ann Raun startet mit einer Kundalini-Meditation. Denn hier steht das Singen im Mittelpunkt, und dies erleichtert das ungewohnte Meditieren im konzentrierten Sitzen. Dann folgen Sequenzen aus dem Kundalini-Yoga.

Zwei Stunden sind viel. Die Mädchen sind es gar nicht mehr gewohnt, sich zu bewegen, das käme im Alltag viel zu kurz. Aber in diesem Kurs gibt es viel Raum zum Üben, Singen, Tanzen und Lachen. Denn das Ganze soll auch Spaß machen. So nehmen die Mädchen einiges mit nach Hause:

„Ich fand es sehr entspannend, jeden Morgen Yoga zu machen“, berichtet eine Jugendliche. „Dadurch bin ich jetzt viel entspannter, ruhiger und nicht mehr so zickig. Dank des Kurses weiß ich, dass jeder Mensch besonders ist und dass es okay ist, wenn man ein paar Macken hat. Man muss sich so akzeptieren und wertschätzen“.

Dachten die Mädchen vorher, Yoga sei höchstens etwas für ihre Mütter, so sie sind sie am Ende oft so begeistert, dass sie die Übungen in ihren Alltag übernehmen wollen. Denn sie machen die Erfahrung, dass Yoga gut ist gegen Stress in der Schule und ihnen Kraft, Beweglichkeit und Freude gibt.

Nach einer Woche Ferienprogramm haben sie sich einen neuen Erfahrungsraum erschlossen, der sie stärker macht, im Umgang mit sich und mit anderen oder, wie es ein anderes Mädchen nach dem Kurs beschreibt: „Jetzt weiß ich, wo ich stehe und habe mehr Mut und Selbstvertrauen, um meine Meinung zu sagen. Ich hoffe, dass mich die anderen in meiner Klasse mehr respektieren. Jetzt, da ich weiß, dass alle Menschen sehr verschieden sein können, macht es mir nicht mehr viel aus, andere Interessen und Hobbies zu haben.“

Stefan Ringstorff

Mehr erfahren über die Arbeit von Mari Ann Raun

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