Die Erde zwischen Himmel und Hölle

Dennis Burdin/ shutterstock.com
Dennis Burdin/ shutterstock.com

Der Film Racing Extinction rüttelt wach

Racing Extinction ist ein aufrüttelnder Dokumentarfilm über den Zusammenhang von Erderwärmung und Artensterben. Er zeigt die Zerstörung unseres Planeten ebenso wie seine unfassbare Schönheit. Die Botschaft ist: Retten wir, was noch zu retten ist.

Ein Hai ohne Flossen bewegt sich stumm leidend durchs Meer – Opfer der massenhaften Schlachterei für das, was in China als Delikatesse gilt: Haifischflossensuppe. Es sind Bilder wie diese, die den neuen Film „Racing Extinction“ zu einem emotionalen Erlebnis machen. In 90 Minuten gehen die Zuschauer durch Himmel und Hölle: Darstellung grauenhafter Zerstörung der Natur wechseln mit Bildern atemberaubener Schönheit und Anmut

Der Oscar-prämierte Regisseur Louie Psihoyos („Die Bucht“) hat unter Zuhilfenahme modernster Technik und spektakulärer Undercover-Aktionen mit „Racing Extinction“ einen aufrüttelnden Dokumentarfilm gedreht. Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und dem Verlust biologischer Vielfalt.

Hinter Psihoyos steht die Oceanic Preservation Society (OPS), die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit Aufklärungsarbeit in Form von Film, Fotografie und internationaler Zusammenarbeit ihren Teil zur Rettung bedrohter Arten beizutragen.

Leben auf der Kippe

Das Datum des Filmstarts ist klug gewählt: zum Auftakt der entscheidenden UN-Klimakonferenz Anfang Dezember 2015 in Paris. Denn wir stehen am Scheideweg: Die Erderwärmung schreitet voran und muss dringend auf zwei Grad begrenzt werden. 50 Prozent aller auf der Erde lebenden Arten sind bis 2050 vom Aussterben bedroht. Die Versauerung der Ozeane, die alles Leben auf der Erde erst ermöglichen, ist Besorgnis erregend.

In einem Puzzle greift der Film die großen Umweltprobleme auf – aber nicht durch Information, Zahlen und Fakten, moralischen Druck, sondern durch die Kraft der Bilder, durch Effekte, schnelle Schnitte und vor allem durch die Inspiration von Geschichten, die erzählt werden: von dem Vogel Kauai O’o, dessen letztes Liebeslied ungehört verhallt – denn es gibt kein Weibchen mehr, das ihn hört; von skrupellosen Händlern, die – Undercover gedreht – mit sogenannten exotischen Produkten handeln; von einem beharrlichen Aktivisten vor einem Restaurant, der aufdeckt, woher die sog. Delikatessen kommen und letztlich eine Schließung des Ladens bewirkt.

Heather Rally

Der Methan-Ausstoß einer einzigen Kuh füllt in wenigen Stunden einen Plastiksack. Foto: Heather Rally

Der Film, der vor allem auch junge Menschen ansprechen soll, spannt einen Bogen um die ganze Erde: von China nach Alaska, von Mexiko zum Great Barrier Reef, von Indonesien zu den Regenwäldern Lateinamerikas. Er vermittelt Zusammenhänge plastisch und anschaulich, etwa wenn die „unsichtbare Welt“ des CO2-Ausstoßes all unserer Aktivitäten sichtbar gemacht wird.

 

Plädoyer für das Leben

Was vor allem hängen bleibt, sind die unfassbar schönen Aufnahmen unserer Erde, ob von oben, unter Wasser, in den Wäldern. Der Film ist nicht der eines neutralen Beobachters, sondern ein Plädoyer für das Leben und führt uns vor Augen: Es gibt ein großes Lebensnetz, in dem alles miteinander verwoben ist. Jeder Einzelne ist eine Faser in diesem Netz, und deshalb kommt es auf jeden an.

Der Film dokumentiert nicht nur, sondern möchte auch einen Impuls für eine globale Bewegung des Wandels sein. Was können wir tun? Den ersten Schritt gehen! „StartWith1Thing“ – Suchen Sie sich eine Sache heraus, mit der Sie anfangen – lautet die Aufforderung. Und obwohl wir es nur gemeinsam schaffen, ist es wichtig, das jeder Einzelne seine Handlungsmacht erkennt und nutzt.

Der Film ist mit Herzblut gemacht. Produzent Dieter Paulmann von der Okeanos-Stiftung für das Meer ist dafür Garant, denn er engagiert sich zusammen mit seiner Frau Hanna seit Jahrzehnten für eine bessere Welt, ohne Kosten und Mühen zu scheuen. Die Arbeiten haben acht Jahre in Anspruch genommen. Geld von der Industrie haben die Macher abgelehnt, um jeglichen kommerziellen Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte bewusst zu vermeiden.

„Ich möchte eine Geschichte erzählen,“ sagt der sichtlich gerührte Produzent bei der Premiere, „und beginne mit dem 1. Schritt“. Er schenkt uns diesen Film. Schauen Sie ihn, zeigen Sie ihn anderen, lassen Sie sich gemeinsam berühren, um dann den 1. Schritt zu gehen. Tipps dazu finden Sie hier

Globale Wirkung

Schon vor dem Start hat der Film durch Botschaften mit globaler Wirkung auf sich aufmerksam gemacht. Bilder aus „Racing Extinction“ – Tiere und Landschaften – wurden als Illuminationen auf dem UN-Gebäude und dem Empire State Building in New York gezeigt.

OPSDer Vatikan wird auf Wunsch des Papstes Projektionen von Bildern aus dem Film und anderer Fotos an seinen Gebäuden zeigen, um ein Zeichen zu setzen für den Klimagipfel in Paris. Damit eröffnet Franziskus das Heilige Jahr, das er zum „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ausgerufen hat.

 

„Discovery Channel“ hat „Racing Extinction“ weltweit am 2. Dezember 2015 in über 220 Ländern ausgestrahlt. Damit wurden ca. 500 Millionen Menschen erreicht. Ab jetzt ist Racing Extinction  in englischer Sprache erhältlich auf DVD bzw. als Video-Streaming. In deutscher Sprache kommt sie voraussichtlich Ende März auf den Markt.

Birgit Stratmann

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