Neu: Ethik Quiz – Testen Sie Ihr Wissen

„Es kommt selten vor, dass mich der Mut verlässt“

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Interview mit Ha Vinh Tho

Das System, in dem wir heute leben, erfüllt nicht die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschen und des Planeten, sagt Ha Vinh Tho, ehemaliger Leiter des Zentrums für Bruttonationalglück in Bhutan. Er erklärt im Interview, wie man das Gemeinwohl ins Zentrum der Politik rücken kann und was für ihn ein gelingendes Leben ausmacht.

Das Gespräch führte Birgit Stratmann

Frage: Wie würden Sie in zwei Sätzen zusammenfassen, worum es beim Bruttonationalglück geht?

Ha Vinh: Bruttonationalglück (BNG) ist ein Entwicklungskonzept, das Glück und Wohlbefinden für alle Menschen und Lebensformen in den Mittelpunkt stellt, statt Profitstreben und Wirtschaftswachstum. Neben einer gerechten und nachhaltigen Wirtschaft werden Ökologie, Kultur, Bildung, Kunst, Wissenschaft, Spiritualität und gute Regierung integriert. In all diesen Bereichen sollten die Bedürfnisse der Menschen das höchste Ziel sein. Zudem ist es ein Index, mit dem sich messen lässt, ob man sich entsprechend den Zielen entwickelt.

Woher kommt diese Idee, die Sie bereits in einem Vortrag bei Ethik heute vorgestellt haben?

Ha Vinh: Die Idee ist in den 1970er Jahren in Bhutan entstanden. Es ist ein Land, das sich sehr spät für moderne Entwicklungen und Technik geöffnet hat. Die Bhutanesen wollten einen Weg einschlagen, in dem materieller Fortschritt nicht Gesellschaft, Kultur und Umwelt zerstört. 2011 wurde das Konzept erstmals bei den Vereinten Nationen vorgestellt.

Warum erscheint uns das, was das Normalste von der Welt ist – sich an den Bedürfnissen des Menschen zu orientieren -, in der heutigen Welt so unerreichbar?

Ha Vinh: Ich glaube, man muss diese Frage geschichtlich anschauen. Die Prioritäten ändern sich in den jeweiligen historischen Situationen. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Europa wiederaufgebaut werden. Wirtschaftliche Entwicklung und technologischer Fortschritt standen im Mittelpunkt des Interesses. Und das war berechtigt und notwendig.

Irgendwann wurde ein hohes Niveau der Entwicklung erreicht, aber wir haben es verpasst zu sehen, dass nun etwas anderes an der Zeit war. In den 1960er Jahren im Zuge der Studentenrevolution stellte man den eingeschlagenen Weg in Frage. Die jungen Leute warn unzufrieden, dass sich die Gesellschaft an rein materiellen Zielen ausrichtete. Doch diese Gelegenheit, Gesellschaft neu zu denken, ist nicht ergriffen worden, auch weil es keine gute Alternative gab. Der Kommunismus war keine überzeugende Alternative.

Eine zweite Gelegenheit kam 1989, als die Mauer fiel und der Kalte Krieg zu Ende war. Auch das war ein Momentum, wo es möglich gewesen wäre, eine neue Gesellschaft entstehen zu lassen. Man wusste zu dem Zeitpunkt auch schon von ökologischen Problemen. Aber auch diese Gelegenheit wurde verschlafen. Der Kapitalismus erschien als richtige Antwort, und es ging wieder um Wirtschaftswachstum und technologischen Fortschritt.

Jetzt sind wir in einer Situation, wo die Wirtschaft nicht im Dienste des Menschen steht, sondern die Menschen der Wirtschaft dienen sollen. Das ist eine Umkehrung der Wirklichkeit, denn die Wirtschaft ist nur ein Subsystem; ihr Ziel müsste es sein, die menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Das steht aber nicht im Fokus, die Wirtschaft ist zum Selbstzweck geworden. Ihre negativen Folgen für Mensch und Umwelt werden ignoriert.

Wenn man klare Ziele hat, findet man Wege, diese zu erreichen

Wie gehen Sie damit um, wenn die Verfechter alternativer Entwürfe als „Idealisten“ abgestempelt werden?

Ha Vinh: Auch das ist eine Umkehr der Wirklichkeit. Was ist daran realistisch, die Umwelt zu zerstören und die Ressourcen der Erde zu verschwenden? Was ist daran realistisch, dass es trotz des ungeheuren Reichtums in einigen Regionen Hunderte Millionen Menschen gibt, die in extremer Armut leben oder nicht genug zu essen haben? Was ist daran realistisch, dass es für viele Krankheiten, die heilbar wären wie Malaria keine Medikamente gibt, weil diese nicht genug Profit abwerfen? Das sind Missstände.

Lösungen, die einfach vernünftig sind und dem Gemeinwohl dienen, sollten daher nicht als unrealistisch oder idealistisch abgetan werden. Für mich wäre es logischer zu sagen: Das System, in dem wir heute leben, ist unrealistisch, weil es nicht die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschen und des Planeten erfüllt. Vor allem auf lange Sicht ist ein Konzept wie das BNG viel realistischer.

Man könnte denken, das Bruttonationalglück sei eine Träumerei, und wenn überhaupt, dann etwas für kleine Länder wie Bhutan, aber nichts für die globale Welt. Was entgegnen Sie?

Ha Vinh: Es ist nicht eine Sache der Größe der Gesellschaft, sondern der Intention. Welches Ziel verfolgen wir? Wenn man klare Ziele hat, findet man Wege, diese zu erreichen. Aber wenn soziale Gerechtigkeit, Inklusion und Umweltschutz nicht als Hauptziele angesehen werden, wird man sie auch nicht erreichen. Machbarkeit ist eine Frage des politischen Willens.

“Ich habe einen großen Glauben an das Gute im Menschen”

Sie wirken so unerschütterlich in Ihrem Glauben an das Gute. Woher kommt das?

Ha Vinh: Ein Grund ist sicher mein Charakter, ich bin von Natur aus zuversichtlich. Das andere ist meine regelmäßige Meditationspraxis. Ich habe als 18-Jähriger angefangen zu meditieren, jetzt bin ich 69. Ich beginne jeden Tag damit, dass ich draußen 20 Minuten Qigong mache und danach eine bis eineinhalb Stunden auf dem Kissen sitze. Ich mache im Jahr längere Retreats und leite auch welche. Diese innere Praxis und Geistesschulung ist enorm hilfreich. Sie gibt mir einen stabilen Halt.

Auch lebe ich in einer glücklichen Ehe. Wir sind fast 50 Jahre verheiratet. Wir unterstützen uns gegenseitig, haben Kinder und Enkel. Der Familienzusammenhalt ist stark und das hilft mir sehr. Meine Arbeit erfüllt mich. Wir haben Resonanz von vielen jungen Leuten, die ernsthaft etwas für die Welt tun wollen. All das stimmt mich hoffnungsfroh.

Verlässt Sie manchmal der Mut, wenn Sie die vielen schlechten Nachrichten hören?

Ha Vinh: Nein, es ist sehr selten, dass mich der Mut verlässt. Ich habe vor meiner Tätigkeit in Bhutan für das Internationale Rote Kreuz in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet, z.B. in Darfur, in Afghanistan, Pakistan. Ich habe Situationen erlebt, die zu den schlimmsten gehören, die wir uns in einem menschlichen Leben vorstellen können. Situationen, die einen deprimieren würden, wenn man in den Nachrichten davon hörte.

Aber in diesem Leiden gibt es auch ganz andere Seiten: Es gibt Menschen, die zu Helden werden, die mit unglaublicher Selbstlosigkeit ihren Mitmenschen helfen. Das geschieht gleichzeitig: Wo Schatten ist, ist auch viel Licht. Es ist nie nur Schatten. Das hat meine Überzeugung gestärkt, dass es trotz des großen Leidens auf der Welt viel Grund zur Hoffnung gibt.

Ich habe einen großen Glauben an das Gute im Menschen. Selbst bei schwierigen Menschen: Wenn man es schafft, zum Guten in ihnen vorzudringen, wendet sich das Blatt. Wir brauchen eine innere Offenheit und müssen hindurchschauen auf das Positive, auf die Potenziale.

Was ist in Ihren Augen wichtig für ein gelingendes Leben?

Ha Vinh: Es sind drei Verbindungen: Erstens die Verbindung zu sich selbst. Das heißt, wir führen ein Leben, das unseren Werten und Idealen entspricht. Hier darf es keine Diskrepanz geben zwischen meinen Überzeugungen und dem, was ich im Alltag tue.

Zweitens die Qualität der menschlichen Beziehungen. Diese ist ausschlaggebend für ein gutes Leben: Freundschaft, Liebe, gute Beziehungen zu Verwandten, Freunden und Kollegen. Einsamkeit ist ein Riesenproblem in der westlichen Gesellschaft. Ein Zugehörigkeitsgefühl, Gemeinschaft stärkt unser Wohlbefinden.

Drittens die Harmonie mit der Natur. Ich gehe jeden Tag mindestens einmal in die Natur. Ich wohne glücklicherweise am Waldrand und bin in 20 Minuten am See. Ich schwimme, laufe und es macht mir Freude, in der Natur zu sein. Das ist für mich eine Kraftquelle.

Lesen Sie auch den Artikel von Ha Vinh Tho: Das Bruttonationalglück – eine Idee geht um die Welt

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Dr. Ha Vinh Tho war in Bhutan von 2012 bis 2018 zuständig für die Umsetzung des „Bruttonational-Glücks“ und wird im Westen auch „Glücksminister“ genannt. Er leitete das Zentrum für Bruttonationalglück in Bhutan http://www.gnhcentrebhutan.org/ Später gründete er das Eurasische Glückszentrum und eine Stifung.

Er ist promovierter Erziehungswissenschaftler und buddhistischer Lehrer. Ha Vinh Tho leitete 2005 bis 2011 die Ausbildungssektion des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, lebte in vielen Krisenregionen der Welt und unterstützte Hilfsprojekte. Er hat auch Bücher veröffentlicht: Der Glücksstandard: Wie wir Bhutans Bruttonationalglück praktisch umsetzen können (Deutsch bei Droemer Knaur 2019) und Grundrecht auf Glück: Bhutans Vorbild für ein gelingendes Miteinander. ( Nymphenburger Verlag 2014).

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hallo Mitarbeiter*Innen von Ethik heute,

ich fände es ja mal sehr angemessen,
stellten sie den “Glücksminister” mal ins Verhältnis zu
unserem Gesundheitsminister selbstermächtigt zum Diktatur
mittel fadenscheiniger Begründungen einer von der WHO ausgerufenen
FANTA-SIE-Pandemie, die 24 Stunden propagiert wird,
damit sie geglaubt wird und zu einer FANTA-SIE-Wirklichkeit werde und
damit zur indoktrinierenden Psychose, oder?
Vielleicht nehmen sie sich mal die Zeit, folgenden Vortrag anzuhören,
https://kenfm.de/es-zaehlt-jeder-tag-von-ruediger-lenz/,
der auf anderen Plattformen gelöscht, sprich zensiert wird, weil er der aktuellen Agenda nicht passt
und nicht von der ausgerufenen Notstandslage nationaler Tragweite abzulenken,
oder leben sie bereits nicht mehr in Deutschland und sind schon
Jüngerin beim Glücksminister lebend?

Stefan Schnepf

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