Missverständnisse einer spirituellen Weltsicht

Ein Standpunkt von Mike Kauschke

15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sympathisiert mit rechtem Gedankengut. Auch die New Age- und Esoterik-Szene ist davon nicht ausgenommen. Mike Kauschke fordert, die Corona-Krise dafür zu nutzen, über anti-rationale und anti-demokratische Haltungen im Zusammenhang mit Meditation und Spiritualität zu diskutieren.

Vor einigen Tagen traf ich mich mit einem Freund zum ersten Mal, seit dem Beginn der Corona-Krise. Schnell stellten wir fest, dass wir die Entwicklungen dieser Zeit recht anders deuten und dabei auch anderen Quellen vertrauen.

Für mich bleibt trotz teilweise einseitiger Berichterstattung die etablierte Medienlandschaft mein Bezugspunkt, für meinen Freund aber auch vor allem alternative Medien. Mit dem zugegeben etwas schwierigen Begriff “etablierte Medien” meine ich das ganze Spektrum der Medienlandschaft, die für einen kritischen Diskurs offen ist. Vor allem bei der Einschätzung von Ken Jebsen, einem der einflussreichsten alternativen Medienmacher, sprachen wir eine ganz andere Sprache.

Er sah ihn als einen journalistischen Wahrheitssucher, ich sehe ihn als einen politischen Aktivisten mit Anschluss an antidemokratische und rechtspopulistische Ideen (1). Dieses Gespräch erstaunte mich besonders deshalb, weil unsere grundlegende Weltsicht sehr ähnlich ist. Beide interessieren wir uns für Philosophie und die integrale Theorie Ken Wilbers und haben in verschiedenen Traditionen spirituelle Wege beschritten. Deshalb brennt in mir die Frage, wie wir zu so unterschiedlichen Einschätzungen kommen konnten.

Dringender wird mir diese Frage noch durch die Ereignisse der letzten Zeit und der Tatsache, dass bei den Anti-Corona-Demonstrationen auch rechtspopulistisches und reichsbürgernahes Gedankengut Platz findet. Und nicht nur bei einigen Rechtsradikalen, die diese Gelegenheit für sich nutzen, sondern auch im Denken einiger Sprecher und Köpfe der „Querdenker“-Bewegung, die die Anit-Corona-Proteste organisieren. Dies wurde mittlerweile schon mehrfach aufgezeigt (2).

Besonders berührt und erschreckt hat mich das Monitor-Interview mit Michael Ballweg (3), in dem er sagte, dass die Bundesregierung die Demokratie mehr gefährde als Rechtsradikale. Einerseits war ich mir nicht sicher, ob er sich überhaupt im Klaren ist, was er da sagt. Aber Ballweg bemühte auch das Argument der Reichsbürgerbewegung, dass Deutschland eigentlich keine rechtmäßige Verfassung habe.

Auch als der Moderator Georg Restle, dessen Fragestil ich etwas zu aggressiv empfand, Ballweg mit einer Aussage des als Volkslehrer und Holocaust-Leugner bekannten Nikolai Nerling konfrontierte, schien Ballweg zunächst ahnungslos.

Nerling hatte am 29. August 2020 auf der Kundgebung von sechs Millionen Teilnehmern der Demo gesprochen und damit eine Parallele zum Holocaust gezogen. Als Ballweg verstand, was Nerling da gesagt hatte, distanzierte er sich sofort von dem Mann, mit dem er zuvor laut Aussage Nerlings gemeinsam grillen war. Immerhin fand ich diese Distanzierung konsequent und ehrlich.

Jeden umarmen, egal welcher Gesinnung

Auch Stephan Bergmann, der Pressesprecher von „Querdenken“, versteht sich scheinbar gut mit Nerling und umarmte ihn bei einer Veranstaltung. Bergmann meinte, er würde jeden umarmen, egal welcher politischen Gesinnung, weil er an die Kraft der Liebe glaube.

Bergmann ist Gründer des Vereins für indianisches Lebensweisen und sein Markenzeichen ist ein Shirt mit der Aufschrift „Ich bin schön, ich bin heil, ich bin wild, ich bin frei“ und eine schamanische Trommel. Auch Bergmann äußert die unter Reichsbürgern verbreitete Ansicht, dass das Grundgesetz nur ein Besatzungsrecht sei.

Diese Ereignisse führen für mich zu der Frage, inwieweit die alternative, esoterische und spirituelle Szene für rechtes Gedankengut offen ist, ihm naiv gegenübersteht oder sich davon vereinnahmen lässt. Dazu gehört auch die Frage: Zeigen sich in der gegenwärtigen Situation auch Schattenseiten, Verkürzungen und Missverständnisse einer spirituellen, alternativen Weltsicht besonders klar, für die wir wach sein sollten?

Natürlich ist es problematisch, von der alternativen, spirituellen Szene zu sprechen, denn darin ist ein breites Spektrum Menschen, Ideen und Bewegungen angesprochen. Deren einfachster gemeinsamer Nenner ist vielleicht der, dass sie innerliche Erfahrungsweisen aufschließen wollen, um neue Sinnhorizonte und Lebensimpulse zu finden. Dieses Anliegen teile ich, sehe aber auch vermehrt, dass es in einigen esoterischen Ausprägungen zu Fehlschlüssen führen kann, besonders dann, wenn man sich in politisches Gebiet begibt.

Fehlende Bereitschaft zu rationalem Diskurs

Ausgelöst durch diese Fragen und das Treffen mit meinem Freund habe ich mir ein Video angeschaut, in dem Ken Jebsen zu einer friedlichen Evolution (4) aufruft. Was er darin aber meines Erachtens tut, ist die Fundamente eines rationalen Denkens und Diskurses zu durchlöchern. Er tut dies auch mit den Mitteln spiritueller Ideen einer uns übersteigenden Quelle oder Kraft des Universums oder einer uns verborgenen Dimension.

Vor allem aber ermutigt er den Zuschauer, sich auf seine Gefühle und Intuition zu verlassen und der Wissenschaft zu misstrauen. Er erklärt zudem, dass niemand nur rechts oder links sein, weil wir doch alle rund, also ganz sind.

Das alles trägt er in einer schnellen Sprache vor, die von einem Thema zum anderen wechselt, ohne seine Behauptungen schlüssig zu begründen. Muss er auch nicht, es sind alles nur Metaphern, wie er sagt. Als Unterstützung für seine Überlegungen zitiert er zum Beispiel den ganzheitlichen Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, der ja auch gesagt habe, dass man letztendlich nichts über die Wirklichkeit wissen könne.

Mir kam es so vor, als zündet er Nebelkerze um Nebelkerze, um die Unterscheidungsfähigkeit und rationale Vernunft des Zuschauers zu vernebeln und auf dessen Sehnsüchte nach einer besseren, gerechteren, ökologischeren Welt anzusprechen. Das aber mit dem Subtext, sich eher auf die eigenen Gefühle zu verlassen, statt auf Fakten, die doch eh manipuliert werden.

Dass Jebsen selbst, in dem Video „Gates kapert Deutschland“ (5), auf das sich dieses Video beziehen soll, selbst massiv Fakten manipuliert hat (6), erwähnt er natürlich nicht. Kein Wort darüber, dass die Feststellung dieses Videos, dass Gates die Welt und Deutschland im Griff hat, durch die realen Zahlen z. B. seiner Zuwendungen für die WHO nicht gedeckt ist.

In einem rationalen Diskurs müsste er darauf eingehen, wie er seine These begründen will, wenn doch die Daten, aus denen er sie zieht, nicht stimmen. Aber er sagt einfach, dass die Mainstreammedien natürlich immer etwas finden, um ihn zu diffamieren.

Damit entzieht er sich aber eines rationalen Diskurses von begründetem Argument und begründetem Gegenargument. Er spricht den Zuschauer in seiner Emotionalität und auch spirituellen Sehnsucht an, wenn er beispielsweise von Liebe, Gemeinschaft, Naturverbundenheit, Evolution und „das nächste Level“ unserer Entwicklung spricht.

Schatten der Spiritualität

Und hier liegt für mich ein Grundproblem dieser Dynamik, weil die Kritik eines allein rationalen Weltverständnisses auch ein Kernelement des spirituellen Denkens ist. So kann es schnell zu einer Verwirrung kommen, die Ken Wilber als Prä-Trans-Verwechslung bezeichnet.

Die berechtigte Kritik am Rationalen, an der materialistischen Wissenschaft, einem gegenständlichen, getrennten Umgang mit der Welt führt uns dann vor das Rationale zurück, wo Naivität, unflektierte Gefühle, spirituelle Verschmelzungssehnsüchte aber auch Schwarz-weiß-Denken und Feindbilder wirken.

Wilber hat den Begriff schon vor Jahrzehnten eingeführt, um eine Spiritualität, die unsere Ratio schwächt, indem wir an Dinge, Ideen und Wesen glauben, die unserer Einbildung entstammen, von einer aufgeklärten, transrationalen Spiritualität zu unterscheiden. Diese aufgeklärte Spiritualität integriert und erhellt die Ratio, statt sie zu negieren oder zu schwächen.

Wilber kritisierte damit auch vieles, was in der New-Age-Szene gedacht und praktiziert wird. Damit ist das Phänomen nicht neu, sondern kommt durch die gegenwärtigen Herausforderungen nun auch in den politischen Raum.

Das geschieht, wenn Menschen, die den Corona-Maßnahmen kritisch gegenüberstehen, sich darin nicht auf begründete Argumente verlassen – von denen es ja auch tatsächlich viele gibt –, sondern auf Verschwörungsideen, verzerrte Daten, auf Gefühle der Bedrohung oder vereinfachte Erklärungen über die Ursachen.

Aber damit besteht die Gefahr, verschwörerischen, antisemitischen und antidemokratischen Sichtweisen die Tür zu öffnen, die auf diese Gefühle und spirituellen Sehnsüchte und Hoffnungen auf eine friedlichere, gerechtere, naturverbundenere Welt antworten und einfache Erklärungen geben. Und Jebsen weiß genau, wie er besonders in einer Zeit massiver Unsicherheit diese Sehnsüchte ansprechen kann.

Die Wissenden, die die Wahrheit kennen

Ein drastischeres Beispiel für diese Dynamik ist Heiko Schrang, der auch auf der “Querdenker”-Demo am 29. 8. 2020 sprach. Schrang steht dem Denken der Reichsbürger nahe, die die Legitimität der bundesdeutschen Demokratie negieren. Er bezeichnet sich selbst als Buddhist. In einem Video über seinen Auftritt bei der Demonstration (7) erklärt er, dass es bei seinem Vortrag am Himmel ein Zeichen gegeben habe. Um dann nur zu bemerken, dass man das vielleicht nicht erklären kann, wobei es ja viele Dinge gäbe, die unerklärlich sind.

Schrang versteht es vor allem, im Zuschauer das Gefühl zu wecken, Teil einer Gruppe von Wissenden zu sein, die die Wahrheit kennen. Sich als Eingeweihter in ein verborgenes Wissen zu fühlen, ist auch bei spirituellen Gruppen weit verbreitet und nährt heute ein ganzes Spektrum an Verschwörungserzählungen bis hin zur Pseudoreligion von Qanon (8).

Das Q, mit dem sie sich erkennbar machen, ist auf „Querdenker“-Demos immer wieder zu sehen. Das “Q” steckt auch in “QAnon”, einer Gruppe aus den USA, die rechtsextremes Gedankengut im Internet verbreitet. Sie sieht eine jüdische Elite als Fadenzieher hinter allem Übel. Dieser verbreitete Antisemitismus ist natürlich mit rechtem Denken kompatibel.

Schrang spricht immer wieder über Karma, Liebe, Frieden, Freiheit und andere spirituell aufgeladenen Ideen, nur um dann sofort die Feinde des Friedens aufzuzählen: Regierung, Medien, Bill Gates etc. Während seines Auftritts bei der genannten „Querdenker“-Demo werden Plakate mit Politkern und Journalistinnen in Sträflingskleidung und der Aufschrift „schuldig“ herumgetragen in einer Art propagandistischem Standgericht. Damit steht hinter den Friedensbekundungen eine spaltende Agenda – wobei er und damit seine Zuhörer natürlich auf der richtigen Seite stehen.

Dieses “Wir” der Sympathisanten wird dann häufig gleich auf „das Volk“ übertragen. Schrang und Jebsen sehen sich dann als Stimme des Volkes bzw. sie verkaufen sich so. Die Überzeugung, man vertrete die Mehrheit des Volkes, wenn dies nachweislich nicht der Fall ist, ist eine narzisstische Selbsttäuschung. Man fühlt sich vielleicht als Vertreter des Volkes, aber das heißt noch lange nicht, dass man es ist. In einer Demokratie muss man eben doch das ganze Volk fragen.

Narzisstische Erhöhung der eigenen Meinung

Hier geschieht eine Art narzisstischer Erhöhung der eigenen Meinung zum Volkswillen. Das bringt Schrang zu der Forderung, dass eine demokratisch gewählte Regierung abdanken müsse, was im Grunde anti-demokratisch ist. Solche Fantasien erinnern an die Dynamiken in der Weimarer Republik und es gibt einige Autoren, die darauf hinweisen, wie ähnlich manche der hier beschriebenen Dynamiken denen der Phase vor der NS-Diktatur sind (9).

Dieser Narzissmus, der die eigene Meinung absolut setzt, lässt sich auch beim Verständnis von Freiheit beobachten: Meistens meinen die Verfechter damit ihre eigene, persönliche Freiheit: Ich erlebe es vielleicht als Einschränkung meiner Freiheit, wenn ich im Supermarkt eine Maske tragen soll. Jemand anderes erlebt es als Einschränkung seiner Freiheit, wenn ich keine Maske trage. Natürlich sind Freiheitsrechte essenziell in einer Demokratie, und es ist wichtig zu demonstrieren, wenn man sie bedroht sieht. Aber Demokratie bedeutet auch, die Freiheit der anderen zu achten.

Diese Interessenskonflikte müssen in einem demokratischen Prozess verhandelt werden und demgemäß wird von einer regierenden Instanz entschieden, der die meisten Menschen für eine Zeit das Vertrauen geben. Genau so geschieht es gerade: Laut einer Umfrage vom 17. September 2020 finden 70 Prozent der Bevölkerung die Corona-Maßnahmen derzeit gerade richtig, 18 Prozent meinen, sie müssten noch härter ausfallen werden (10). Das bedeutet für den Einzelnen, dass er oder sie diese Entscheidung mittragen muss, auch wenn sie ihm nicht gefällt und er dagegen demonstriert und Argumente dagegen einbringt. So geht Demokratie.

Ehrlicher Umgang mit den eigenen Schatten

Das sind nun einige Überlegungen, die mich dazu bringen, für die alternative-spirituelle Szene auch die Notwendigkeit eines ehrlichen Umgangs mit den eigenen Schatten und Verkürzungen zu sehen. Und das nicht nur individuell, sondern in den gemeinschaftlichen Feldern.

Diese Klärung ist auch deshalb nötig, weil wir sonst die dringend notwendige Wirkung einer spirituell inspirierten Perspektive im öffentlichen Diskurs verlieren könnten. Wenn Spiritualität, Meditation und Ähnliches als etwas gesehen werden, das uns politisch und demokratisch unreif oder naiv macht, dann entziehen wir uns selbst die Legitimität. Wir bringen den positiven Einfluss, der zum Beispiel durch die Achtsamkeitsbewegung erarbeitet wurde, in Gefahr.

Dadurch würde aber dem demokratischen Diskurs eine wichtige Stimme fehlen. Denn Spiritualität hat die Aufgabe, uns darauf hinzuweisen, dass eine Demokratie ohne Seele, ohne den Einbezug einer tieferen Seinsdimension auch an Grenzen stößt.

Auch wird das Gespräch über eine Weiterentwicklung der Demokratie etwa in partizipativere und direkte Formen vereitelt, weil so viel Energie darin geht, die vorhandene Demokratie zu bekämpfen. Ein Gespräch über konstruktive Visionen über das Jetzige hinaus kann nur auf dem Boden fruchtbar sein, das stabile demokratische Fundament zu schätzen und weiter zu entwickeln, statt es zerstören zu wollen.

Denn nur dann kann es gelingen, die wichtigen Probleme unserer Gesellschaft zu lösen, wie den Wandel zu einer gerechteren, ökologischen Wirtschaftsordnung, einer lebendigen Demokratie oder einem effektiven Umgang mit dem Klimawandel. Um hier aufgeklärt, wirksam und wachsam mitreden zu können, müssen wir unsere eigenen Schatten und die Schatten der Ideen und Gemeinschaften, mit denen wir uns verbinden, erkunden. Und das vor allem auch im wertschätzenden, aber auch ehrlichen und manchmal konfrontativen Dialog, der uns gesprächsfähig macht und dem wir auch die Kraft geben, uns zu verwandeln.

Einige Schreibfehler, auf die eine Kommentatorin hinwies, wurden nach Veröffentlichung des Artikels korrigiert.

Mike Kauschke ist Autor, Übersetzer, Dialogbegleiter und Redaktionsleiter des Magazins evolve. www.mike-kauschke.de

 

 

 

 

Links und Quellen:

Zu Ken Jebsen:

(1) https://www.neues-deutschland.de/artikel/1073322.antisemitismus-bei-ken-jebsen-jebsen-entmuendigt-sein-publikum.html

(2) https://www.facebook.com/watch/?v=805127090233802

(3) https://www.youtube.com/watch?v=687urCFozqg&t=156s

(4) https://www.youtube.com/watch?v=H40a-hPB4zI

(5) https://www.youtube.com/watch?v=xU0g0l8rAQg

(6) https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/kenfm-entlarvt/

Zu Heiko Schrang:

(7) https://www.youtube.com/watch?v=dzCDiufWDnk&t=944s

Zu Qanon:

(8) https://www.tagesspiegel.de/politik/wie-gefaehrlich-sind-diese-verschwoerungsglaeub

s. auch Spiegel-Titelgeschichte vom 19.9.2020 und https://www.domradio.de/themen/corona/2020-05-20/bizarre-ideen-religionswissenschaftler-ueber-antisemitische-mythen

(9) https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/stuttgart-du-jerusalem?fbclid=IwAR00EjWhDrv1F-QQ0-DiCNkxXp1yNOJ7eK0CYkIMILTf5aLZTOhYkH3_gIc

(10) https://www.zdf.de/nachrichten/politik/politbarometer-corona-proteste-100.html

Zu „Querdenkern“

https://www.youtube.com/watch?v=687urCFozqg&t=156s

https://www.facebook.com/derspiegel/videos/263483017972768

https://www.facebook.com/derspiegel/videos/805127090233802/

Zu Parallelen zur Zeit der Weimarer Republik:

https://www.heise.de/tp/features/Revolution-Diktatur-und-Verschwoerung-die-spirituelle-Szene-auf-politischen-Ab-Wegen-4877128.html?seite=all

https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/stuttgart-du-jerusalem

Zu QAnon:

https://www.tagesspiegel.de/politik/wie-gefaehrlich-sind-diese-verschwoerungsglaeubigen-die-sieben-wichtigsten-fragen-und-antworten-zu-qanon/26111934.html

Weitere Texte von Mike Kauschke zum Thema:

https://ethik-heute.org/im-sturm-der-meinungen/

https://mike-kauschke.de/gedanken-zu-corona/

Mit Referenten aus verschiedenen Disziplinen.

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13 Kommentare
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Alle Kommentare

Danke, lieber Mike. Eine dringend notwendige Auseinandersetzung mit dem fatalen Schatten der Spiritualität.

Vielen Dank, liebe Christa. ich denke auch, diese Auseinandersetzung sehr wichtig ist.

Guter Beitrag, gute Punkte, klare vernünftige Sicht, psychologische Elemente, der Schatten der Spiritualität usw. Ganz meine Meinung. Bin erfreut und erleichtert, dass Mike das so sieht.

Vielen Dank, Ron. Danke auch für deine erhellenden Beiträge zum Thema!

Die spirituelle Weltsicht generell in die Rechte Ecke zu drängen ist wieder so ein Zeichen dieser kranken Berichterstattung… schade und leider schlecht recherchiert Herr Kauschke!

Ich glaube nicht, dass ich eine spirituelle Weltsicht “generell” in eine rechte Ecke dränge. Ich bin selbst in einer solchen Weltsicht beheimatet. Sehe aber auch, dass diese Weltsicht wie jede andere auch ihre Verkürzungen, Einseitigkeiten und Schatten hat. (Wobei es natürlich schwierig ist von “der spirituellen Weltsicht” zu sprechen, das ist ja auch ein breites Spektrum.)

Bzgl. Herrn “Volker Nehrling” folgende Anmerkung.
1. Sein Name ist Nikolai Nerling
2. Er hat NICHT auf der Querdenken Demo in Berlin auf der Bühne gesprochen
3. https://www.youtube.com/watch?v=luY7oIHQUnM (Originalkommentar Michael Ballweg)

Ich habe es mir erspart, den Rest zu lesen. Das liest sich nicht wie eine gründliche Recherche. Wahrheiten, die sich so einfach widerlegen lassen, sind nach meinem Verständnis keine Basis für einen offenen Diskurs.

Ja, leider sind mir beim Namen und dem Ort/Zeit der Aussage von Nerling Fehler unterlaufen. An der Natur der Aussage und der Argumentation, die sich auch darauf aufbaut, ändert das meiner Ansicht nach nichts. Der YouTube Link ist meines Wissens einfach der Ausschnitt aus dem Monitor-Interview.

Lieber Mike Kauschke,
Danke für diese aufwendige Betrachtung geistiger Realitäten im öffentlichen Geschehen!
Da ich in meinen nahesten Beziehungssituationen auch selbst von diesen Phänomenen betroffen und schmerzlich beunruhigt bin, möchte ich diesem Kommentar einen neuen Schwerpunkt hinzufügen.
Es sind sicher nicht nur meine Erfahrungen, dass in den Debatten die “Argumente” des jeweiligen Stallgeruchs, durch noch so treffend begründete Gegenargumente, nicht erschütterbar sind. Trauen wir uns dabei auch noch, uns auf kommunikative Wahrheitsfindungen zu begeben, bekommen wir es schnell mit einer mißemotionalisierten Beziehung zu tun und die “Argumente” werden immer hanebüchener. Von Bildung, Bewusstsein, Achtsamkeit und Würde des Nächsten kann dann keine Rede mehr sein.
Mein Debatten-Schwerpunkt sei:
Ist es zutreffend, dass jenseits selbstgewählter therapeutisch-spiritueller Schutzräume, die politischen und charakterlichen Positionen durch Aufklärung und Wahrheitsfindung nicht heilbar und nicht zum Ethischen hin, verschiebbar sind?
Ist es dann zutreffend, dass sich gesellschaftlich wirksame Verantwortung für eine ethischere Kultur nur daraus ergeben kann, indem sich integere Persönlichkeiten auf der Plattform ethischer Grundwerte (die im permanenten Prozeß erarbeitet werden) erkennen und bündeln, um mit diesem Wertebewusstsein die politische Arena zu herauszufordern?
Peter Stenzinger

Lieber Herr Sterzinger, vielen Dank! Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Richtung Ihrer Gedanken richtig verstehe. Ja ich denke und erlebe es auch bei mir, dass man sich in den eigenen Argumenten und Ansichten auch so verfangen kann, dass man die Offenheit für andere Sichtweisen verliert. Hier ist in der tat Achtsamkeit und Selbstprüfung wichtig. Ich denke, die Schutzräume, die sie ansprechen, sind wichtig, solange sie nicht zu geschlossenen Systemen werden, was ja auch schnell passieren kann. Ich versuche, die Offenheit zu behalten, auch außerhalb solcher Schutzräume das Gespräch oder manchmal auch die Konfrontation zu suchen. Und mir scheint, dass es in der Gesellschaft eine große Allianz von Menschen braucht, die einen wertschätzenden Diskurs mit anderen Meinungen führen wollen und gleichzeitig die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Wandels unseres Umgangs mit Demokratie, Wirtschaft, Gerechtigkeit, der Natur sehen. Einige der Bestrebungen und Dynamiken, die ich im Artikel beschreibe, halte ich da eben für kontraproduktiv oder manchmal gefährlich, wobei sie auch unser Unterscheidungsvermögen und unsere Urteilskraft und Wachheit schulen.

Schön, dass wir hier einander wertschätzend begegnen können, – und auf der Basis der Ethik, den Diskurs ein wenig aus demokratisch esoterischer Beliebigkeit führen. Mir scheint, dass eine Debatte in Richtung Konsensfähigkeit erst eine Chance hat, wenn es gelingt, dass sich die Intelligenz hinter jenen geistigen Werten (Ethik) vereint, die allen, unabhängig des Bewusstseinsstandes, den Weg für weitere Emanzipation verteidigen.

Nach langem grübeln komme ich, so glaube ich, zu einem guten Schluss:
Das Problem sind nicht New Age Esoteriker*innen oder Ken oder ähnliche (ich kenne diese Menschen nicht) sich exponierende Menschen. Das Problem ist, dass die Faschisten alles und jeden unterwandern. Deutschland muss endlich seine Vergangenheit ganz sorgfältig aufarbeiten, damit wieder ein schlauer Diskurs möglich wird und Nazis von der Bildfläche verschwinden. Nicht weil sie schlechte Menschen sind, sondern weil es sie nicht mehr braucht. Es sind ja auch Menschen und sie haben die Überzeugung im Recht zu sein, aus was für Gründen auch immer sie zu dieser Überzeugung gelangen,, aber sie haben sie. Also müssen diese Gründe aufgearbeitet werden.

Aber nun zurück zum Thema. Nehmen wir an, es gibt diese globale Finanzelite, die irgendwie viel zu viel Macht hat. Nehmen wir zudem an, dass möglicherweise einige oder viele dieser Eliten irgendwie jüdische Wurzeln haben. – Pause –
Ja zum Henker, muss denn gleich einer schreien, das kann so nicht gesagt werden, weil sonst einer kommt und sagt, alle Juden seien Schuld an der Misere (die ich als Neoliberalismus bezeichnen würde)?!? Oder anders rum, muss denn irgendwo ein Nazi aus seinem Loch kriechen und schreien, wir haben’s ja schon immer gewusst, die Juden sind schuld?! Was zum Henker, das verunmöglicht ja jeden Diskurs.
Um mich nochmal klar auszudrücken, das Problem sind weder “die Juden (wieso wird eigentlich nie von Jüd*innen gesprochen?!?) ” noch “die Esoteriker*innen”. Es kann gar nicht so etwas wie “die so und so” geben, wir sind ja alles Individuen. Also gibt es dann wohl auch nicht “die Nazis” oder “die Faschisten”, zumal das kapitalistische System ja selbst auch faschistoide Züge aufweist.
Solange aber jede* dem oder der Anderen vorwirft, sie sei egozentrisch oder absolut, findet sich keine Lösung und beide behalten recht. In diesem Zusammenhang finde ich auch Aussagen wie “so funktioniert Demokratie halt” heikel bis unbeholfen. Was soll denn das für eine Demokratie sein und wollen wir uns nicht viel lieber weiterentwickeln bspw. in eine Richtung die uns die Soziokratie weist? Also Konsent statt Mehrheitsentscheid? Oder anders Ausgedrückt, wenn das Problem systemischen Ursprungs ist, sollten wir es dann nicht auch systemisch betrachten und anpacken?
Ich denke, wir werden noch etwas Zeit brauchen und Entwicklung braucht nebst Zeit immer auch Extreme. Als Extrem empfinden wir ja aber immer nur “die Anderen”. Wenn wir das erkennen, können wir einen Schritt weitergehen und uns begegnen. Aufeinander zugehen ist wohl letztlich der einzig gangbare Weg.
Vielleicht noch zur Frage, was ist Extrem? Hm, wir zerstören Boden mitsamt Milliarden von Organismen nur um bspw. Strassen zu bauen, auf denen wir dann mit Autos fahren, welche (zusammen mit dem Strassenbau) unsere Lebensgrundlagen (Luft, Gesundheit, Wasser, Ökosysteme usw.) zerstören. Ist nun diese Haltung extrem oder unser Umgang mit der Welt (also das aktuelle System)? Möglicherweise beides? Wie sieht das wohl ein Mensch eines abgeschiedenen Naturvolkes?
Extremismus ist doch immer auch eine Frage der Perspektive. Also brauchen wir Perspektivenwechsel. Genau dies scheint aber immer schwieriger. Das Internet hat da wohl einiges dazu beigetragen (Bubbles).
Der Diplo bzw. le monde diplomatique hat zu ihrem 25 jährigen Jubiläum, eine Auswahl ihrer Artikel veröffentlicht. Einer heisst Alarm im Cyberspace (1995) und möglicherweise hat Paul Virilio da etwas vorhergesehen: “Die wichtigste negative Auswirkung der Datenautobahnen besteht eben gerade in der Desorientierung, was das Sich-Gegenüberstehen, das Verhältnis zum anderen und das Verhältnis zur Welt betrifft. Es liegt auf der Hand, dass diese Desorientierung, diese traumatische EntOrtung, nach den Individuen auch die Gesellschaft und damit die Demokratie heimsuchen wird.” (https://monde-diplomatique.de/artikel/!1259127)

In diesem Sinne freue ich mich auf einen Diskurs, möglichst ohne Anfeindungen, ich hab’s auch ohne versucht.
Abschliessend möchte ich noch Hartmut Rosa und den von ihm geprägten Begriff der Resonanz bemühen. Resonanz als Gegenkonzept zur Entfremdung. Ich glaube genau daran scheitern wir als Gesellschaft im Moment. Corona könnte in diesem Sinne auch als eine Hilfe/Aufforderung verstanden werden, eben das Unvorhersehrbare, das Fremde, als Solche zu akzeptieren. Also eine Art Weckruf, dass wir uns zu sehr vom Leben entfremdet haben. Was denkst du dazu?

Friedvoll
Matthias

[…] Text habe ich als Reaktion auf einige Kritiken geschrieben, die ich auf den Beitrag „Missverständnisse einer spirituellen Weltsicht“ erhalten habe. Es ist eher eine Gedankensammlung als ein ausformulierter Text. Ich möchte ihn […]

Seit Jahrzehnten fühle ich mich Menschen mit einer spirituellen Lebenshaltung/-Ausrichtung verbunden. Umso befremdeter erlebe ich die seit einigen Jahren in Teilen dieser Szene erkennbare Entwicklung in eine undemokratische, politisch rechtsgerichtete Gesinnung hinein, die sich mit unbelegten Informationen und böswilligen Anschuldigungen gegenüber gemeinwohltätigen Menschen unserer Gesellschaft gleichmacht, und diese mit entsprechenden eigenen Beiträgen sogar noch befeuert. (Eine erschütternde Entdeckung war diesbezüglich z.B. das reichliche Bücherangebot der identitären Bewegung in der örtlichen esoterischen Buchhandlung vor ca. zwei Jahren…)

Seitdem betrachte ich Veröffentlichungen oder Veranstaltungen von Menschen oder Organisationen, denen ich mich eigentlich nahe und verbunden fühle, mit erheblicher Skepsis, ob da vielleicht mehr oder weniger offen mir destruktiv scheinendes Gedankengut vertreten wird, bzw. transportiert werden soll.

So habe ich auch heute einmal wieder diese Website besucht und bin sehr froh, diesen Artikel von Ihnen, Herr Kauschke, zu finden. Danke für die deutliche Darstellung, klare Position und die sehr gelungene Formulierung hilfreicher Gedanken zu dieser unerfreulichen gesellschaftlichen Entwicklung.