Raus aus dem Gedankenkarussel
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Meditation: Klänge erforschen

In der dritten Folge ihrer Audio-Reihe leitet die Meditations- und MBSR-Lehrerin Michaela Doepke eine Achtsamkeitsmeditation auf Atem, Körper und Geräusche an.

Bei der Hörmeditation besteht die Aufgabe darin, im offenen Gewahrsein zu ruhen und sich auf das pure Hören zu konzentrieren. Wichtig ist es, sich bei der Übung nicht in innere Kommentare oder emotionale Reaktionen zu verwickeln. Wir lauschen gleichmütig so, als hätten wir diese Geräusche und Klänge noch nie im Leben gehört. Im Anfängergeist gibt es viele Möglichkeiten, im Expertengeist nur wenige.

Bei dieser Hörübung brauchen wir nicht nach Geräuschen zu suchen, sondern wir lassen sie einfach zu unseren Ohren kommen. Wir geben uns in einer empfangenden Haltung ganz dieser Klanglandschaft hin, wie sie sich im jetzigen Augenblick darbietet. Wir bleiben wach und präsent und achten auf jede individuelle Klangnuance. Gleichzeitig kultivieren wir ein Gewahrsein für das gesamte Klangspektrum und hören aufmerksam von Moment zu Moment.

Mit offenem Forschergeist

Wir achten auch darauf, Geräusche nicht automatisch zu werten oder Urteile über sie zu fällen, sondern entwickeln, wenn möglich, einen neugierigen und offenen Forschergeist. Normalerweise tendiert der Geist dazu, Geräusche sofort zu bewerten und zu benennen. Dann unterscheidet er zwischen angenehmen und unangenehmen Tönen.

So fühlen wir uns in der Regel von schönen Musikklängen sofort stark angezogen und wollen mehr davon hören. Dagegen tendieren wir gewöhnlich dazu, uns von unangenehmen Geräuschen abzuwenden und sie nicht wahrnehmen zu wollen oder vor ihnen zu fliehen. Beides, sowohl das Habenwollen als auch die Abwehr versetzen unseren Geist zumeist in große Unruhe oder Stress.

Doch jetzt haben wir die Chance, bislang störende Geräusche bewusst als neutrales Meditationsobjekt zu wählen und uns einfach nur gelassen auf das Hören zu konzentrieren. Auf diese Weise lassen sich große Meditationsmeister selbst durch heftigen Lärm nicht aus der Ruhe bringen. Die Herausforderung besteht also darin, nicht sofort auf jeden Impuls von außen zu reagieren oder sich von emotionalen Reaktionen wie Ärger oder Ungeduld davontragen zu lassen.

Das Gewahrsein, die innere Haltung und die Aufmerksamkeit sind das Entscheidende, nicht die Klangobjekte. Durch diese Meditationspraxis lernen wir also langfristig, uns zu stabilisieren und uns nicht von jeder sogenannten „Störung“ aus der aus der Fassung bringen zu lassen. Durch regelmäßige Übung wird es uns gelingen, allen Erscheinungen gegenüber ruhig und gelassen zu begegnen und mit allem zu sein, was ist.

Hinweis: Die Achtsamkeitsmeditation ist Teil des 8-wöchigen MBSR-Programms (Mindfulness Based Stress-Reduction) nach Jon Kabat-Zinn, das dieser vor ca. 35 Jahren für seine Schmerz- und Burn-out-Patienten entwickelt hat. Es wird heute weltweit in Kliniken und Gesundheitszentren erfolgreich durchgeführt.

Michaela Doepke ist Meditationslehrerin, MBSR-Lehrerin, Buchautorin und Journalistin im Netzwerk Ethik heute und aktiv im Center for Mindfulness München.

Infos zu ihren Meditations- und MBSR-Kursen

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